Wer hĂ€tte vor einigen Monaten erwartet, dass die Justiz ihren Irrtum im Fall Peggy tatsĂ€chlich mit einem Wiederaufnahmeverfahren korrigieren wĂŒrde? Wer hĂ€tte erwartet, dass das Landgericht Bayreuth dieses Wiederaufnahmeverfahren zielstrebig auf die simplen Fakten lenken wĂŒrde, die schon das Gericht in Hof 2004 hĂ€tte zur Kenntnis nehmen können? Und wer hĂ€tte damit gerechnet, dass die Wiederaufnahmekammer unter dem Vorsitzenden Richter Michael Eckstein mittendrin “die Karten auf den Tisch legt”, wie Justizsprecher Thomas Goger es am Rande formulierte und das Verfahren fĂŒr urteilsreif erklĂ€rt – mit der kaum verbrĂ€mten Zielrichtung, Ulvi Kulac freizusprechen? Tag sechs im Peggy-Prozess war so etwas wie ein vorgezogenes Happy End, verbunden mit einem – wenn auch unfreiwillig – wehmĂŒtigem Abschluss der Beweisaufnahme.

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Nachtrag zu Prozesstag 4: Rechtsanwalt Euler hielt dem Leiter der aktuellen Ermittlungen im Fall Peggy eine Passage aus einem Verhör mit der Ehefrau eines der derzeitigen Beschuldigen vor, Anke B. SĂŒffisant merkte Euler an, dass hier eher die Zeugin die Beamtin vernehme. Es ging ums die Frage, warum Ulvi Kulac fĂŒr Peggys Verschwinden ĂŒberhaupt verurteilt werden konnte. Das Verhör fĂŒhrte eine Kriminalkommissarin (KOKin). Es erstaunliche Einblicke in die ansonsten verschlossene innere Gedankenwelt mancher Kripo-Ermittler. Ab hier: wörtlich, was der Verteidiger im Gerichtssaal verlesen hat. Weiterlesen

Wer Menschen manipulieren will, muss nur schnell und ĂŒberzeugend sein. Bewusst gesetzte Falschinformationen hinterlassen auch dann dauerhafte Spuren in den Gehirnen, wenn anschließend ĂŒber die wirklichen Tatsachen aufgeklĂ€rt wird. Das schreiben Psychologen der UniversitĂ€t von West-Australien nach einer Studie mit Studenten. FĂŒr das Experiment wurde ihnen die Nachricht eines Busunfalls prĂ€sentiert. Der wurde eine falsche Information angefĂŒgt. Die lautete fĂŒr einige Studenten, an Bord sei eine Gruppe alter Leute gereist. Anderen wurde gesagt, die Insassen seien Hockey-Spieler gewesen. Ein Teil der Studenten wurde vor Desinformation gewarnt, der andere nicht. Die Warnung war unmissverstĂ€ndlich und lautete, dass Menschen sich schwertĂ€ten, die zuerst gehörten Aussagen zu einem Thema zu ignorieren, auch dann, wenn sie wĂŒssten, dass sie nicht stimmen.

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Das vier Monate alte Baby aus Toronto heißt Storm Stocker. Ein geschlechtsneutraler Name, der offenlĂ€sst, ob Storm ein Junge oder ein MĂ€dchen ist. Genauer gesagt ist es ein Geheimnis der engsten Familie, welches Geschlecht Storm besitzt. Es sind nur wenige Menschen, die es kennen: Die beiden Hebammen, die es zur Welt brachten, natĂŒrlich die Eltern David Stocker und Kathy Witherick und Storms große BrĂŒder Jazz (5) und Kio (2). Der Rest der Welt, einschließlich der Großeltern, bekam eine E-Mail, in der es heißt: “Wir haben uns entschlossen, Storms Geschlecht nicht mitzuteilen, als Beitrag zu Freiheit und Vielfalt in einer Welt voller BeschrĂ€nkungen”.

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Sonntagsreden sind das eine. Vor einiger Zeit veranstaltete der Bund Deutscher Kriminalbeamter gemeinsam mit der Techniker-Krankenkasse in Erfurt einen Kongress zum Thema Kindesmisshandlung. Ein Ermittler zeigte grausame Bilder von Kindern, die verprĂŒgelt, zerkratzt, mit SĂ€ure ĂŒbergossen, verbrĂŒht oder verbrannt worden waren. Auch die Chefin der Jenaer Rechtsmedizin, Gita-Else Mall, war da. Sie wird in der Ost-ThĂŒringischen Zeitung mit diesem Satz zitiert: “Wir haben uns zur Regel gemacht, auch die kleinen Verletzungen wie HĂ€matome der Kinder anzuzeigen.”

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Historiker Horvath vor dem Springer-Hochhaus. Hier tobte nach den SchĂŒssen auf Dutschke die Revolte

Steckt der DDR-Staatssicherheitsdienst hinter dem Tod des frĂŒheren StudentenfĂŒhrers Rudi Dutschke? Dieser Frage geht die Berliner Staatsanwaltschaft nach. “Wir prĂŒfen, ob ein Anfangsverdacht vorliegt”, sagte mir der Berliner Justizsprecher Martin Steltner. Anlass ist eine Anzeige des Historikers Peter Horvath. Den Verdacht schöpfte Horvath wĂ€hrend der Arbeit an seinem Buch “Die inszenierte Revolte – hinter den Kulissten von ’68”. Bei der Sichtung von Stasi-Akten fand er Hinweise, nach denen Dutschke-AttentĂ€ter Josef Bachmann von der Stasi fĂŒr die Tat vorbereitet und bewaffnet wurde. Bachmann hatte am 11. April 1968 auf dem Berliner KurfĂŒrstendamm mehrere SchĂŒsse auf Dutschke abgefeuert und den StudentenfĂŒhrer mit Treffern in den Kopf schwer verletzt. Nach bisheriger Darstellung starb Dutschke 1979 an den SpĂ€tfolgen des Attentats im dĂ€nischen Arhus. Fragen dazu an Horvath.

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Ob ich Papa mal die Zunge rausstrecke?

Boah. Wie langweilig...Nord-Korea zelebrierte letzte Nacht die grĂ¶ĂŸte MilitĂ€rparade seit Bestehen des Landes, also eine sehr große MilitĂ€rparade. Der Ă€ußere Anlass war, dass vor genau 65 Jahren der Opa des dicken Jong-un (28) die Macht an sich gerissen und eine der widerlichsten Diktaturen der Welt errichtet hatte. Jong-uns Papa Jong-il, der das Land von Opa Il-sung geerbt hatte, reicht es jetzt wohl gerade an den Enkel weiter. Jong-il wird ja nachgesagt, dass er gern viel und fett isst, sich ungern bewegt und auch sonst ungesunde Angewohnheiten hat. Darum hat er wohl einen Schlaganfall erlitten, was aber offiziell keiner weiß, weil die hĂ€ssliche Kim-Familie jeden einsperrt, foltert oder tötet, der etwas anderes sagt, als dass es sich um eine kommunistisch-heilige Sippe handelt, deren Herrschaftsanspruch von ganz oben kommt, so Ă€hnlich also wie das Gottesgnadentum im europĂ€ischen Feudalismus. Jong-un sieht aus, als wĂŒrde ihm dassselbe Schicksal blĂŒhen. Er sieht außerdem aus, als hĂ€tten die anderen Kinder nur deshalb mit ihm  gespielt, weil er sonst seinen großen Bruder geholt hĂ€tte, der in diesem Fall der ganz große Bruder gewesen wĂ€re. Es heißt, er hĂ€tte dann ein paar Jahre in einem Schweizer Internat verbracht, wo er auch deutsch gelernt habe. Seine Klassenkameraden hĂ€tten nicht gewusst, dass es sich um Kim Jong-un handelte. Der kleine pummelige Koreaner sei zurĂŒckhaltend und scheu gewesen. Jetzt ist er wieder zu Hause. GlĂŒcklich sieht er nicht aus. Das scheint in der Familie zu liegen. Sein Blick hat dieselbe Mischung aus Arroganz, Gewalt und Genervtheit wie der Blick seines Vaters. Ein verwöhntes Scheißkind, das niemand wirklich lieb gehabt hat und dass so guckt, als wĂŒrde es von frĂŒh bis spĂ€t nur ĂŒberlegen, wie es sich rĂ€chen könnte. Man fragt sich, ob dieser Jong-un eine Freundin hat und kann sich eigentlich nicht vorstellen, dass eine Frau freiwillig mit ihm ins Bett geht. Er sieht eigentlich auch so aus, als sei er eher ein winziger Liebhaber. Aber dann fragt man sich, ob sich eine traut, ihm zu widerstehen, weil die Alternative ja auch nicht gerade berauschend ist. Überhaupt nicht lustig ist das neue Spielzeug, das sein Papa ihm heute quasi offiziell ĂŒberreicht hat. Er ist ja jetzt General einer der grĂ¶ĂŸten Armeen Asiens, mit hunderttausenden Soldaten, Panzern, Flugzeugen, Schiffen, Raketen und sogar einem Atomknopf.

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So viel teuren Ärger hat mir in fast 30 Berufsjahren noch keine Geschichte eingebracht: Meine BeitrĂ€ge ĂŒber den mysteriösen Tod eines alten Mannes in einer ThĂŒringer Klinik beschĂ€ftigen eine Staatsanwaltschaft, die nach meinen Informanten fahndet. Und einer der Texte, ausgerechnet ein Kommentar, fĂŒr das VerstĂ€ndnis der Geschichte eher unwichtig, fĂŒhrte mich heute zur Verhandlung vor das Hamburger Landgericht. Dort hatte mich die Jenaer Rechtsmedizin-Chefin Gita-Else Mall auf Unterlassung verklagt. Heraus kam ein Vergleich. Ich akzeptiere 11 von 13 Punkten des Unterlassungsbegehrens (zwei hatte das Gericht schon gestrichen), dafĂŒr verzichtet die Gegenseite auf eine Richtigstellung (und vermeidet damit natĂŒrlich auch, dass das, was in meinem Kommentar stand, wieder lesbar wird, denn dieser Kommentar ist ja lĂ€ngst offline). Jede Seite hat eine Woche Zeit, den Vergleich zu widerrufen. Sauteuer war die Sache zudem. Alles, was hier folgt, darf ich weiter schreiben (jedenfalls hat es mir bisher niemand verboten). Darunter sind auch Details, die bisher unveröffentlicht sind.

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Ich hasse Horrorfilme, und wenn ich beim Zappen doch mal auf einen stoße, zappe ich weiter, sobald ich bemerke, worum es da geht. Ich frage mich, wie manche Autoren auf solche Ideen kommen. Wie sie emotional gestrickt sein mĂŒssen, um Handlungen um VerstĂŒmmelung, Foltermord und Ă€hnliches zu erfinden. Oder wie sie auf die Details kommen, mit denen sie ihren Stoff garnieren. Dieser Horror ist freilich milde im Vergleich zu dem, was sich auf Webseiten findet, die landlĂ€ufig Kinderpornografie genannt werden, jedoch weit mehr und schlimmeres als das bieten. Sie sind ĂŒber das verschlĂŒsselte Tor-Netzwerk zu erreichen. Seiten wie das Forum Violent Desires, dessen Betreiber den zutreffenden Untertitel “Where monstrous minds meet” gewĂ€hlt haben. Was hier passiert, ist kein Spaß und keine Unterhaltung, es ist offensichtlich ernst.

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Mit diesem Bus, innen als Dunkelkammer mit Gruseleffekt eingerichtet, geht Fitzek auf Roadshow fĂŒr sein neues Buch

 

„PhĂ€nomen Fitzek“ nennen sie im MĂŒnchner Verlag Droemer Knaur ihren Thriller-Autor Sebastian Fitzek. Als schreibe er nicht nur ĂŒber unerklĂ€rliche PhĂ€nomene, sondern sei selber eines. Das verdankt er seinem Erstling „Die Therapie“, eine dĂŒstere Geschichte um einen Psychiater, ein totes Kind, eine mysteriöse Frau und eine Geschichte, die sich immer wieder bis zur Grenze der Übersinnlichkeit bewegt. „Der Titel stand zwei Wochen nach dem Erscheinen ganz unvermutet auf Platz 1 der Amazon-Charts“, erinnert sich Klaus Kluge, der Marketing-Chef des Knaur-Verlages. Der Verlag hatte „Die Therapie“ in kleiner Auflage herausgebracht, keine Werbung dafĂŒr gemacht und keine besonders hohen Erwartungen gehegt. Er habe an einen Zufall geglaubt, als er die Platzierung sah, sagt Kluge. Nach einer Stunde habe er noch einmal nachgesehen. „Aber da stand ‚Die Therapie‘ immer noch auf Platz 1“. Wie auch am nĂ€chsten Tag, in der nĂ€chsten Woche, der ĂŒbernĂ€chsten. FĂŒnf Wochen lang gab es bei dem Online-HĂ€ndler kein Buch, das sich besser verkaufte. Sogar das Amazon-Management soll irritiert gewesen sein. Die Deutsche Niederlassung habe ein E-Mail von der Europa-GeschĂ€ftsleitung in London erhalten, in dem gefragt worden sein soll, „who the fuck is Fitzek“.

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