Drolligerweise hat bisher niemand den naheliegenden Zusammenhang zwischen der neuen Merkelschen Skepsis gegen Griechenlands Mitgliedschaft in der Euro-Zone und dem neuen Euro-Land Litauen gezogen. Wegen Litauen kann es nĂ€mlich neuerdings passieren, dass Deutschland kein Stimmrecht mehr im EZB-Rat hat. Sollte Griechenland gehen, wĂ€re wieder alles im Lot – jedes Euro-Land hĂ€tte ein festes Stimmrecht. Wie das? Der Grund liegt in der Struktur des EZB-Rates.

Dieses Gremium, das beispielsweise fĂŒr oder gegen den Kauf von Staatsanleihen stimmt, hat nĂ€mlich qua GrĂŒndungsvertrag 18 stimmberechtigte Mitglieder. Keinen mehr und keinen weniger. Bisher hatte die Eurozone auch 18 Mitgliedsstaaten. Folglich hatte jedes Land bei jeder Ratssitzung eine Stimme und alles war gut. Mit Litauen kam zum Jahresbeginn 2015 aber Land Nummer 19 hinzu. Wir haben also ein Land mehr als Sitze im EZB-Rat. Ein Land muss also ab sofort immer draußen bleiben, wenn die anderen 18 abstimmen dĂŒrfen.

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Bodo Ramelow, der neue MinisterprĂ€sident von ThĂŒringen, mag vorĂŒbergehend ein paar Tausend ProtestbĂŒrger auf die Straße getrieben haben. Aber das gibt sich schnell (oder hat es schon?). Der Mann taugt einfach nicht zur Hasskappe, jedenfalls nicht mehr oder weniger als Angela Merkel und die Politikergeneration, die mit ihr groß geworden ist, also auch Ramelow. Genaugenommen ist Ramelow das Merkel der Linken. Mindestens.

Vor allem können beide, wie es scheint, mit Ideologien nichts anfangen. Auch Ramelow zieht es zur Mitte, den Ort des gemeinsamen Nenners und Kompromisses. Wo er steht und wie er Politik versteht, das verrĂ€t er nicht dem Neuen Deutschland, sondern der Bild am Sonntag. Da meint der Reporter, GrĂŒne und SPD wĂŒrden die Linke in gut und böse unterteilen und die bösen Linken seien nicht koalitionstauglich, die guten Linken dagegen schon. Darauf Ramelow: Weiterlesen

Wer hĂ€tte vor einigen Monaten erwartet, dass die Justiz ihren Irrtum im Fall Peggy tatsĂ€chlich mit einem Wiederaufnahmeverfahren korrigieren wĂŒrde? Wer hĂ€tte erwartet, dass das Landgericht Bayreuth dieses Wiederaufnahmeverfahren zielstrebig auf die simplen Fakten lenken wĂŒrde, die schon das Gericht in Hof 2004 hĂ€tte zur Kenntnis nehmen können? Und wer hĂ€tte damit gerechnet, dass die Wiederaufnahmekammer unter dem Vorsitzenden Richter Michael Eckstein mittendrin “die Karten auf den Tisch legt”, wie Justizsprecher Thomas Goger es am Rande formulierte und das Verfahren fĂŒr urteilsreif erklĂ€rt – mit der kaum verbrĂ€mten Zielrichtung, Ulvi Kulac freizusprechen? Tag sechs im Peggy-Prozess war so etwas wie ein vorgezogenes Happy End, verbunden mit einem – wenn auch unfreiwillig – wehmĂŒtigem Abschluss der Beweisaufnahme.

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Nachtrag zu Prozesstag 4: Rechtsanwalt Euler hielt dem Leiter der aktuellen Ermittlungen im Fall Peggy eine Passage aus einem Verhör mit der Ehefrau eines der derzeitigen Beschuldigen vor, Anke B. SĂŒffisant merkte Euler an, dass hier eher die Zeugin die Beamtin vernehme. Es ging ums die Frage, warum Ulvi Kulac fĂŒr Peggys Verschwinden ĂŒberhaupt verurteilt werden konnte. Das Verhör fĂŒhrte eine Kriminalkommissarin (KOKin). Es erstaunliche Einblicke in die ansonsten verschlossene innere Gedankenwelt mancher Kripo-Ermittler. Ab hier: wörtlich, was der Verteidiger im Gerichtssaal verlesen hat. Weiterlesen

Man hĂ€tte es sich denken können: ZustĂ€ndigkeitshalber bekam das rechtsmedizinische Institut in Jena die Aufgabe, die toten NSU-Terroristen Mundlos und Böhnhardt zu obduzieren. Dabei gab es eine schwere Panne, wie jetzt das Magazin Focus recherchierte. Instituts-Chefin Gita Mall, Stammlesern meines Blogs aus zahlreichen Artikeln bekannt, musste die beiden Leichen vom BegrĂ€bnis zurĂŒckrufen, weil ihre SpitzenkrĂ€fte (oder sie selbst?) unfassbarerweise vergessen hatten, auch die hinteren Seiten zu öffnen und zu schauen, ob da vielleicht Projektile stecken.

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Wer Menschen manipulieren will, muss nur schnell und ĂŒberzeugend sein. Bewusst gesetzte Falschinformationen hinterlassen auch dann dauerhafte Spuren in den Gehirnen, wenn anschließend ĂŒber die wirklichen Tatsachen aufgeklĂ€rt wird. Das schreiben Psychologen der UniversitĂ€t von West-Australien nach einer Studie mit Studenten. FĂŒr das Experiment wurde ihnen die Nachricht eines Busunfalls prĂ€sentiert. Der wurde eine falsche Information angefĂŒgt. Die lautete fĂŒr einige Studenten, an Bord sei eine Gruppe alter Leute gereist. Anderen wurde gesagt, die Insassen seien Hockey-Spieler gewesen. Ein Teil der Studenten wurde vor Desinformation gewarnt, der andere nicht. Die Warnung war unmissverstĂ€ndlich und lautete, dass Menschen sich schwertĂ€ten, die zuerst gehörten Aussagen zu einem Thema zu ignorieren, auch dann, wenn sie wĂŒssten, dass sie nicht stimmen.

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Das vier Monate alte Baby aus Toronto heißt Storm Stocker. Ein geschlechtsneutraler Name, der offenlĂ€sst, ob Storm ein Junge oder ein MĂ€dchen ist. Genauer gesagt ist es ein Geheimnis der engsten Familie, welches Geschlecht Storm besitzt. Es sind nur wenige Menschen, die es kennen: Die beiden Hebammen, die es zur Welt brachten, natĂŒrlich die Eltern David Stocker und Kathy Witherick und Storms große BrĂŒder Jazz (5) und Kio (2). Der Rest der Welt, einschließlich der Großeltern, bekam eine E-Mail, in der es heißt: “Wir haben uns entschlossen, Storms Geschlecht nicht mitzuteilen, als Beitrag zu Freiheit und Vielfalt in einer Welt voller BeschrĂ€nkungen”.

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Drei Zimmer in MĂŒnchen-Schwabing, fast 100 Quadratmeter, renovierter Altbau, schöne, helle Zimmer, schickes Bad, moderne KĂŒche – fĂŒr 500 Euro Monatsmiete, und dann auch noch ohne die ĂŒbliche Gauner-GebĂŒhr fĂŒr den Makler. Solche Angebote gab’s in den letzten Tagen mehrfach bei Immobilienscout24.de. Inzwischen reagieren die Immobilienportale auf die BetrĂŒger (siehe Nachtrag). Ich kenne jemanden, der darauf geantwortet hat und dann ziemlich bald zweifelte, dass das wahr sein konnte, was so super klang.

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Sonntagsreden sind das eine. Vor einiger Zeit veranstaltete der Bund Deutscher Kriminalbeamter gemeinsam mit der Techniker-Krankenkasse in Erfurt einen Kongress zum Thema Kindesmisshandlung. Ein Ermittler zeigte grausame Bilder von Kindern, die verprĂŒgelt, zerkratzt, mit SĂ€ure ĂŒbergossen, verbrĂŒht oder verbrannt worden waren. Auch die Chefin der Jenaer Rechtsmedizin, Gita-Else Mall, war da. Sie wird in der Ost-ThĂŒringischen Zeitung mit diesem Satz zitiert: “Wir haben uns zur Regel gemacht, auch die kleinen Verletzungen wie HĂ€matome der Kinder anzuzeigen.”

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Mit diesem Bus, innen als Dunkelkammer mit Gruseleffekt eingerichtet, geht Fitzek auf Roadshow fĂŒr sein neues Buch

 

„PhĂ€nomen Fitzek“ nennen sie im MĂŒnchner Verlag Droemer Knaur ihren Thriller-Autor Sebastian Fitzek. Als schreibe er nicht nur ĂŒber unerklĂ€rliche PhĂ€nomene, sondern sei selber eines. Das verdankt er seinem Erstling „Die Therapie“, eine dĂŒstere Geschichte um einen Psychiater, ein totes Kind, eine mysteriöse Frau und eine Geschichte, die sich immer wieder bis zur Grenze der Übersinnlichkeit bewegt. „Der Titel stand zwei Wochen nach dem Erscheinen ganz unvermutet auf Platz 1 der Amazon-Charts“, erinnert sich Klaus Kluge, der Marketing-Chef des Knaur-Verlages. Der Verlag hatte „Die Therapie“ in kleiner Auflage herausgebracht, keine Werbung dafĂŒr gemacht und keine besonders hohen Erwartungen gehegt. Er habe an einen Zufall geglaubt, als er die Platzierung sah, sagt Kluge. Nach einer Stunde habe er noch einmal nachgesehen. „Aber da stand ‚Die Therapie‘ immer noch auf Platz 1“. Wie auch am nĂ€chsten Tag, in der nĂ€chsten Woche, der ĂŒbernĂ€chsten. FĂŒnf Wochen lang gab es bei dem Online-HĂ€ndler kein Buch, das sich besser verkaufte. Sogar das Amazon-Management soll irritiert gewesen sein. Die Deutsche Niederlassung habe ein E-Mail von der Europa-GeschĂ€ftsleitung in London erhalten, in dem gefragt worden sein soll, „who the fuck is Fitzek“.

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