Vor bald drei Wochen flog die Mücke zum ersten Mal in meiner Wohnung herum. Sie war etwas größer und kräftiger als die Durchschnittsmücke. Ihr Körper schimmerte in einem bräunlich-transparenten Farbton, anders als die gewöhnlichen schwarzen Mücken, die man sonst so kennt.  

Meistens sah ich sie allerdings nicht, sondern hörte sie nur, nämlich nachts im Dunkeln. Sie war stets schon von Weitem beim Anflug zu hören. Ihr Flügelgeräusch war ungewöhnlich sonor. Sie klang, als habe sie etwas mehr Hubraum als normale Mücken. Wenn sie sich mir näherte, dann nahm die Lautstärke kontinuierlich zu, bis sie direkt vor meinem Ohr kreiste, während mein Kopf auf dem Kissen lag. Ich schlug dann immer mit der Hand nach ihr, also auf mein Ohr, oder, wenn ich dachte, dass sie Richtung Stirn abschwirrt, auf die Stirn. Aber ich habe sie nie erwischt. 

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Neuigkeiten im Pall Peggy? Ein Mann sei vernommen worden und wird zur Zeit wohl immer noch vernommen, melden die Kollegen Otto Lapp (Frankenpost) und Jörg Völkerling (Bild). Was ist da dran?

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Die Ermittlungen nach dem Zugünglück vom Bai Aibling konzentrieren sich immer mehr auf den unglücklichen Fahrdienstleiter, und es geht dabei offenbar um folgenden Ablauf:

  1. Mit ca. vier Minuten Verspätung fährt der Zug von Holzkirchen ein, unterwegs nach Rosenheim.
  2. Der Fahrdienstleiter gibt die “Fahrstraße” von Aibling via Aibling Kurpark nach Kolbermoor frei. Aber das System verweigert die gewünschte Signalstellung und hält den Zug fest.
  3. Der Fahrdienstleiter gibt die “Fahrstraße” ein zweites Mal frei. Das System sagt wieder nein.
  4. Der Fahrdienstleiter löst eine manuelle Freigabe aus – und überstimmt damit das System.

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Kaum habe ich mit viel Mühe eine Information beisammen, da ergibt sich schon gleich die nächste Frage. Zuerst die Info: Die Mangfalltaleisenbahn, also die Strecke von München über Holzkirchen und Bad Aibling nach Rosenheim, wird auf ganzer Länge elektronisch vom zentralen Stellwerk in München geregelt. Mit einer Ausnahme: In Bad Aibling gibt es ein dezentrales Stellwerk, das für den kurzen Abschnitt zwischen Bad Aibling und Kolbermoor zuständig ist. Also genau den Abschnitt, wo die zwei Züge zusammenstießen und elf Menschen – vier Mitarbeiter der Meridian-Züge und sieben Passagiere – starben.

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Wieder so ein Rätsel um den Nationalsozialistischen Untergrund: Wer hat Ende Oktober 2011 das Wohnmobil gemietet, mit dem Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zu ihrer letzten Fahrt aufbrachen? Und wer ist das kleine Mädchen, vermutlich blond und bezopft, das dabei war, als “ein Pärchen” das Fahrzeug bei einer Zwickauer Autovermietung abholte? Und ist dieses Mädchen vielleicht dasselbe, dessen rosafarbene Croc-Sandale später in dem ausgebrannten Camper in Eisenach gefunden wurde?

Würde das Mädchen gefunden, dann wäre das vielleicht eine Spur, um der Wahrheit über den NSU näherzukommen. Eine Mitarbeiterin der Zwickauer Autovermietung erinnerte sich als Zeugin im Münchner Prozess dunkel, das Kind, vielleicht vier oder fünf Jahre alt, habe die Frau des Pärchens wohl “Mama” genannt. Andererseits will diese Zeugin Beate Zschäpe auf einem Foto als Mieterin wiedererkannt haben. Zschäpe hat aber keine Kinder, jedenfalls ist darüber nichts bekannt (vielmehr kursiert eher auf der Gerüchteebene, sie könne keine Kinder bekommen). Dass die mutmaßliche Zschäpe und ihr vermeintlicher Gatte – die Zeugin tippte auf ein Foto von Uwe Böhnhardt – sich bei Gesinnungsgenossen ein Kind zur Tarnung ausgeliehen haben mag zwar irgendwie denkbar sein, aber es wäre riskant gewesen. Statt “Mama” hätte das Kind auch etwas anderes plappern können.

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Es ist die Dramaturgie einer großen Zicke. Erst ganz am Ende ihres neuesten Briefes an das Gericht (liegt mir vor) kommt Beate Zschäpe auf den Punkt, der alle interessiert. Genauer: Im Postskriptum. Da heißt es, aus rechtlichen Gründen nicht wörtlich zitiert:

Die drei Anwälte würden ankündigen, sollte sie ihre Strategie ändern wollen und eine Aussage zu einzelnen Vorwürfen machen, so würden sie mit ihr einen Antrag an den Vorsitzenden abstimmen, ihre Bestellung aufzuheben.

Strategie soll wohl “schweigen” heißen. Sollte sie also nicht mehr schweigen wollen, würden sich die Anwälte vom Acker machen wollen. Weiter: Weiterlesen

Auf Ufuk C., dieses etwas dickliche Bürschlein, das in Syrien vom Märtyrertod und  – wirklich! – 72 Jungfrauen träumte und der als Angeklagter vor dem Oberlandesgericht München offenherzig plaudert, komme ich gleich zu sprechen. Heute begann der Prozess gegen ihn. Vorher eine kurze Bemerkung über das Geschäft mit modernen Konsumabenteuern. Jede Tauchbasis weiß, dass ihre ärgsten Konkurrenten nicht andere Tauchbasen sind, sondern Surfschulen, Segelschulen, Wasserski-Anbieter oder die Veranstalter von Bergtouren, Segelflügen oder Fallschirmsprüngen. Darum versucht jede dieser Branchen, ihren Kunden möglichst teures Gerät zu verkaufen. Wer Hunderte oder Tausende Euro in einen Sport investiert hat, neigt dazu, ihm treu zu bleiben.

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Vor dem Landgericht Ingolstadt (Oberbayern) hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der 12 Jahre alten Franziska aus Möckenlohe (Eichstätt) begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm zudem vor, drei weitere Mädchen vergewaltigt oder sexuell bedrängt zu haben. Auf seiner Facebook-Seite präsentierte sich der Mann als bekennender Neonazi mit eindeutigen Gewaltfantasien und selbst ernannter Kinderschützer.

Das Bild, das Stefan B. (27) vor Gericht abgab, wirkte wie das Klischee eines Gewalttäters. Ein großer, plump wirkender Mann in schwarzem Hoodie und langem Fuselbart am Kinn. Mit trotzigem Blick ließ er sich unter dem Geklicke der Fotografen zur Anklagebank führen. Er starrte reglos auf den Staatsanwalt, als der die Anklage verlas. Zuerst ging es um die drei Missbrauchsfälle. Bis auf eine junge Frau sind die Opfer alle minderjährig. Eines der Mädchen kam am Ende wohl nur deshalb ohne körperliche Schäden davon, weil ein Spaziergänger am Autofenster klopfte, als der Mann im Wagen die Brüste seines Opfers „knetete“ und sein Geschlechtsteil „manipulierte“, wie es in der Anklage heißt.

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Achter Tag im Peggy-Prozess.

Gedränge schon am Eingang zum Justizpalast in Bayreuth. Kamerateams haben sich postiert. Oben ist der Verhandlungssaal ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Um Punkt zehn Uhr eröffnet der Vorsitzende Richter Michael Eckstein die Verhandlung, wie immer sehr formell. „Es kommt zum Aufruf das Verfahren gegen Ulvi Kulac“.

Dann spricht er das Urteil.

„Erstens: Das Urteil des Landgerichtes Hof vom 30.4.2004 wird insoweit […] aufgehoben, als der Angeklagte Ulvi Kulac wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

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Wer hätte vor einigen Monaten erwartet, dass die Justiz ihren Irrtum im Fall Peggy tatsächlich mit einem Wiederaufnahmeverfahren korrigieren würde? Wer hätte erwartet, dass das Landgericht Bayreuth dieses Wiederaufnahmeverfahren zielstrebig auf die simplen Fakten lenken würde, die schon das Gericht in Hof 2004 hätte zur Kenntnis nehmen können? Und wer hätte damit gerechnet, dass die Wiederaufnahmekammer unter dem Vorsitzenden Richter Michael Eckstein mittendrin “die Karten auf den Tisch legt”, wie Justizsprecher Thomas Goger es am Rande formulierte und das Verfahren für urteilsreif erklärt – mit der kaum verbrämten Zielrichtung, Ulvi Kulac freizusprechen? Tag sechs im Peggy-Prozess war so etwas wie ein vorgezogenes Happy End, verbunden mit einem – wenn auch unfreiwillig – wehmütigem Abschluss der Beweisaufnahme.

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