Es ist spĂ€te Nacht, wie ich das jetzt schreibe, aber ich bin wĂŒtend, und da verzichte ich gern auf eine Stunde Schlaf, um mir Luft zu verschaffen. Ich habe leider nicht alle Webseiten, die ich betreue, rechtzeitig sicher genug verunstalten können, um wenigstens mit gewisser Wahrscheinlichkeit ausschließen zu können, dass einer dieser furchtbaren Abmahngeier einen LĂŒcke findet, um einen womöglich horrenden Geldbetrag wegen NichterfĂŒllung aller geschĂ€tzt Tausend Einzelbestimmungen der DSGVO von mir zu erpressen. Ausgerechnet die Seite, an der ich als ehrenamtliches Vorstandsmitglieds eines lokalen TrĂ€gervereins der Jugend- und Familienhilfe arbeite, habe ich nicht sicher genug hinbekommen – diese hier. Bei meinem Blog hoffe ich mal, dass es da kein Problem geben wird. Und dann betreue ich noch die Seite eines Hotels. Da hat die EigentĂŒmerin fĂŒr viel Geld einen professionellen Datenschutzbeauftragten engagiert. Aber bei uns im Verein haben wir dazu leider keine Mittel. Das ist dem Gesetzgeber egal. Nach den Bestimmungen brauchen wir einen. Ehrenamtliche, Hauptamtliche, Buftis und gering BeschĂ€fte zusammengerechnet haben wir zu viele Leute, die an DatenbestĂ€nden arbeiten. Laut DSGVO ist der Status der betreffenden Mitarbeiter egal. Es zĂ€hlt nur, wie viele Köpfe das sind. Vielleicht finden wir mit anderen Vereinen noch eine Lösung. Mal sehen. Weiterlesen

Jahr fĂŒr Jahr empört sich die halbe Publizistik ĂŒber die hohen Nebenverdienste von Bundestagsabgeordneten, auch heuer wieder (siehe hier). Jahr fĂŒr Jahr geschieht das auf dieselbe plumpe Weise. 154 der 709 Volksvertreter sagten, sie hĂ€tten sich „fĂŒr eine NebentĂ€tigkeit bezahlen lassen“. Klingt nach Gier, und das soll es auch. Das Ideal des deutschen Parlamentariers ist inzwischen wohl nach ĂŒblich-dĂŒmmlicher Konsensmeinung der allein von seinen DiĂ€ten lebende Parlamentarier – also der Typ Berufspolitiker, der in seinem Leben möglichst nie etwas wirklich Produktives getan haben sollte.

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Der Informationssender des Bayerischen Rundfunks, B5 Aktuell, sendete zum Großkrawall der PalĂ€stinenser gestern Nachmittag folgende Moderation:

Es folgte danach ein ausfĂŒhrlicher Korrespondentenbericht von Benjamin Hammer (@HammerARD), der die Ereignisse differenziert und von mehreren Seiten beleuchtete. Das macht die Anmoderation umso rĂ€tselhafter. Wer auch immer die verfasst hat kann den Korrespondentenbericht nicht vorher abgehört haben. Oder er wollte den Inhalt partout nicht zur Kenntnis nehmen. Das eine wĂ€re mindestens Schlamperei, das andere schlimmeres. Der Korrespondentenbericht widerlegte die Anmoderation mit einer ausgewogenen Darstellung.

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Es war im Juli 1944, als die Angehörigen eines muslimischen Arbeitskommandos im oberschwĂ€bischen Laupheim eine Erlaubnis fĂŒr das SchĂ€chten eines Tieres beantragten. Der zweite Weltkrieg war noch nicht vorbei. Hitler und die Nationalsozialisten herrschten noch ĂŒber Deutschland und auch ĂŒber Laupheim. Das SchĂ€chten war in Nazideutschland verboten. Es gab im Wesentlichen zwei GrĂŒnde fĂŒr dieses Verbot. Zum einen das von den Nazis reformierte Tierschutzrecht, das die bis heute gĂ€ngige Vorstellung vom mythisch beseelten Tierleben zum Gesetz erhob, und zum anderen der Hass auf die Juden, bei denen aus religiösen GrĂŒnden ja auch geschĂ€chtet wird. Was glaubt Ihr, wie die Sache in Laupheim ausging? 

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Doro BĂ€r hat in einem Interview mit der Welt ihre Kritiker verspottet und bleibt dabei: Flugtaxis sind wichtiger als schnelles Internet. Das ist ein bisschen spitz wiedergegeben, aber gleichwohl zutreffend.

Wie schon zuvor schwadroniert sie von Risikobereitschaft und einem MentalitĂ€tsproblem. Ausgerechnet BĂ€r, die ihr Lebtag auf dem weichen Behördensessel ruhte und dort warm und sicher saß und sitzt – wĂ€hrend sie zugleich den von ihr gerĂŒffelten und regierten Steuerzahlern vorwirft, sie seien zu satt.

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Dass staatliche Stellen gegenĂŒber Journalisten vieles verschweigen ist zwar Ă€rgerlich, aber ĂŒblich. Streng genommen, im Sinne der gerichtlichen Definition, beantworten staatliche Stellen journalistische Anfragen damit nicht wahrheitsgemĂ€ĂŸ. Vor Gericht sind Zeugen verpflichtet, vollstĂ€ndig alles preiszugeben, was sie zu einer Frage beitragen können. Da gilt es schon als Unwahrheit, wenn sie etwas weglassen. Aber seien wir großzĂŒgiger als der Staat und akzeptieren Verschweigen als gerade noch hinnehmenbare Taktik. Falsche AuskĂŒnfte allerdings sprengen das Maß. Da gibt’s nichts mehr zu beschönigen.

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Gibt es bisher nur destruktiven Jounalismus? Es drĂ€ngt sich auf, darauf mit ja zu antworten, glaubt man denen, die neuerdings das Konzept des „konstruktiven Journalismus“ propagieren. Es handelt sich vorzugsweise um Kollegen mit eher grĂŒnen oder linken Ansichten und bei öffentlich-rechtlichen Anstalten und bei der Zeit, die mit „konstruktiven“ AnsĂ€tzen experimentieren. Die seien eine Chance, die GlaubwĂŒrdigkeit der Medien zu erhöhen, heißt es dabei gern. 

Das Konzept des „konstruktiven Journalismus“ predigt „Lösungen statt Probleme“. Kurz gesagt: Journalismus solle nicht nur MissstĂ€nde anprangern, sondern auch Wege zur Lösung anbieten. Sogar der Focus outet sich neuerdings als Verfechter eines solchen Ansatzes, was glĂŒcklicherweise nicht nur ich ziemlich spaßig finde. Offenbar glaubt man jetzt auch in Clickbaithausen, sein Ansehen mit einer schönklingenden Parole und ohne viel MĂŒhe aufpolieren zu können. Durchdacht ist das alles nicht. „Konstruktiv“ klingt schön, aber es ist ist nichts als PR-artiges GeschwĂ€tz und schafft nichts als WidersprĂŒche und neue Probleme. Weiterlesen

FĂŒr ein Thema, an dem ich schon eine Weile recherchiere, benötige ich eigentlich auch eine Stellungnahme der Staatsanwaltschaft Köln. Wie es aussieht, werde ich nicht anders können, als in dem betreffenden Beitrag einfach festzustellen, dass man dort nicht bereit und/oder in der Lage war, meine Fragen zu beantworten. So was kommt schon mal vor. In diesem Fall ist es aber extra bemerkenswert, weil ich die Kölner Sag-nichts-Masche so noch nicht erlebt habe.

Dabei gibt sich die Pressestelle zunĂ€chst sehr offen. Die Staatsanwaltschaft hat eine Webseite mit den Namen und Durchwahlnummern aller Ansprechpartner ins Netz gestellt. Das ist keine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Andere Staatsanwaltschaften geben sich da nicht so offen. Aber wie sich zeigt, handelt es sich nur um einen Schein von Offenheit. WĂ€hlt man die Nummern der Reihe nach ab, dann erreicht man so gut wie nie den gewĂŒnschten GesprĂ€chspartner. Auf der Webseite ist auch eine E-Mail-Adresse fĂŒr Anfragen vermerkt. Die empfiehlt sich ohnehin, weil in den wenigen FĂ€llen, in denen doch mal jemand ans Telefon geht, der Betreffende scheinbar grundsĂ€tzlich immer um eine schriftliche Anfrage per E-Mail bittet (leider eine generell gĂ€ngige Unart). In einer anderen Recherche benötigte ich ĂŒber eine Woche, bis ich einen RĂŒckruf und dann auch tatsĂ€chlich eine Antwort auf meine Frage bekam. Ich akzeptierte ĂŒbrigens die mĂŒndliche Auskunft und bestand meinerseits nicht auf die Schriftform. Weiterlesen

Schon schrĂ€g. Da schrieb ich vor Jahr und Tag eine Warnung vor einem grassierenden BetrĂŒgertrick, und Anfang der Woche ruft mich eine Bekannte an, die wiederum einer anderen Bekannten bei der Wohnungssuche in Berlin hilft. Endlich sei sie fĂŒndig geworden. 50 Quadratmeter an der Konstanzer Straße, komplett und sehr schön eingerichtet, nur 500 Euro. Vermieterin sei eine sehr nette Schwedin, die von Berlin weggezogen sei. „Toll, oder?“ „Nee“, sagte ich. „Das ist garantiert Betrug.“ „Nee“, sagte meine Bekannte, „das ist garantiert kein Betrug“. Die Schwedin habe nĂ€mlich AirBNB als TreuhĂ€nder zwischengeschaltet und AirBNB habe eine BestĂ€tigungsmail mit allen Daten geschickt.

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Merkel ist schon ein PhĂ€nomen. Sie verfĂŒgt ja eh ĂŒber außergewöhnliche Macht. So viel Macht, dass sie zu jedem Zeitpunkt der letzten Jahre auf dem Höhepunkt ihrer Macht steht. Einfach deshalb, weil sie heute mehr Macht besitzt als gestern und gestern mehr als vorgestern und so weiter. Merkel ist seit Jahren dabei, den höchsten Gipfel der Macht zu erklimmen, der höher ist als der Gipfel jedes vorangegangenen demokratischen Kanzlers in Deutschland. So hoch, dass er stĂ€ndig von Wolken verhangen ist und niemand weiß, wie gewaltig hoch er wirklich ist.

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