Die neueste Idee der CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer ist eigentlich eine alte Idee. Vor einigen Wochen schlug sie ein „soziales“ Arbeitsjahr für junge Menschen vor. Jetzt legt sie nach: Auch „Flüchtlinge“ sollen ein Jahr Arbeitsdienst ableisten. Das, so Kramp-Karrenbauer, „dient ihrer Integration in Staat und Gesellschaft“.

Wie kommt man auf solchen Unfug?

Kramp-Karrenbauer hat natürlich auch die Umfrageergebnisse gesehen, die ihr große Zustimmung für ihre Idee eines Arbeitsdienstes gebracht haben. Vor allem Konservative und Alte fanden es toll, dass Junge sie für ein Taschengeld zu umsorgen haben sollten. Die CDU-Generalsekretärin hat sich vielleicht gedacht, dass sie diese Idee wunderbar aufbohren könnte, um gleichzeitig den erbitterten Krach um Flüchtlinge und Zuwanderung zu lösen. Wenn jetzt also auch alle Zugewanderten den Alten die Einkaufstüten hochtragen, dann wären sie gewiss auch bei Konservativen willkommen. Das wäre dann schlussendlich der geniale Kniff, um der Bundeskanzlerin und ihrer „Wir schaffen das“-Politik doch noch rechtzugeben. 

Kramp-Karrenbauer demonstriert damit, dass sie eine nachvollziehbare Einwanderungspolitik nach wie vor nicht will. Die würde ja unterscheiden zwischen „Flüchtlingen“ und „Zuwanderern“. Flüchtlinge müssen und wollen nicht integriert werden, weil sie nach Deutschland vor Verfolgung fliehen und hoffen, bald wieder in ihre Länder zurückkehren zu können. Zuwanderer wollen in Deutschland leben und arbeiten, dürfen aber auf legale Weise kaum nach Deutschland kommen. Seit Jahrzehnten weiß das jeder, und niemand blockiert schon das freie Ausformulieren dieser simplen Tatsache konsequenter als CDU und CSU.

Überdies richtet Kramp-Karrenbauer die CDU damit weiter auf strategischen SPD-Kurs aus – sprich: Kampfpartei für die Lobby der Alten und gegen die Interessen der Jungen, übrigens auch der jungen Zuwanderer. Wo die SPD den Jungen auf Generationen hinaus das Geld für die Alimentierung der Alten abpressen will, setzt die CDU auf Naturalleistungen der Jungen für die Alten.

Das ist das typisch rentnerische Politikverständnis dieser beiden Groko-Parteien. Sie ticken wie alte Leute: Viel Vergangenheit, wenig Zukunft. Das mag unangenehm klingen, vor allem wenn es Menschen betrifft, aber es ist natürliche Tatsache. Wer alt ist, hat sein Leben im wesentlichen hinter sich. Wenn sehr viele alt sind, dann hat eben ein großer Teil der Bevölkerung mehr Vergangenheit als Zukunft. Dann ist die Zukunft der nächste Wahltag, aber nicht mehr das nächste Jahrzehnt oder mehr.

Genau so sieht die Polik der großen Parteien seit Jahren auch aus. Digitalisierung, Zuwanderungsgesetz, Bürokratisierung, Arbeitsrecht, Europa – es ist egal, welches Ressort man sich anschaut. Es wird verwaltet, blockiert, festgehalten und traditionell schöngeredet. 

Und soziales Arbeitsjahr klingt ja auch politisch wunderschön. Da steckt das Adjektiv „sozial“ mit drin. Und doch könnte Kramp-Karrenbauer falsch liegen: Wenn sie nämlich übersieht, dass Omas und Opas zwar oft auch alt sind, aber gleichwohl im Sinne ihrer Enkel keine Altenlobby-Politik wünschen.

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