Der NSU-Mord in Kassel ist einer der zwei, deren gerichtlich festgestellter Ablauf derart unglaubwürdig klingt, dass man daran verzweifeln könnte. Rein zufällig war zur Tatzeit ein Beamter des Verfassungsschutzes am Tatort. Er hätte eigentlich mitten ins Feuer laufen müssen, aber stattdessen will er nicht das Geringste bemerkt haben, auch nicht die Leiche des vermutlich Sekunden vorher erschossenen Hallt Yozgat, die zusammengesackt hinter exakt dem Verkaufstresen lag, über den der Beamte sich suchend gebeugt haben und dann zwecks Bezahlung eine Münze hinterlassen haben will. 

Es ist auch der Fall, zu dem alle möglichen und vor allem unmöglichen Zeugen im NSU-Prozess geladen waren, voran ein wandelndes Klischee eines Neonazis (Springerstiefel, martialisches Auftreten, sogar schweigend grölend aussehend), das wildeste Stories über seine hach so wichtigen Treffen mit Uwe Mundlos erzählte, dass einem erst die Spucke wegblieb und man sich dann fragte, ob der Mann gefährlich oder ein gefährlich dämlicher Aufschneider ist. Da sich das meiste, was er sagte, sich anderweitig nicht  bestätigen ließ, neigte eine Mehrheit der Beobachter (ich auch) letzterem zu.

Der Kasseler NSU-Mord ist der Fall, zu dem innerhalb des Verfassungsschutzes konspirative Briefe und Mails verschickt wurden.

Der Fall, vor dessen Begehung eine Rundfrage an V-Mann-Führer ausgegeben wurde, sich mal verstärkt über rechtsextreme Pläne zu informieren und die jeweiligen V-Leute aufzusuchen. Der zufällig am Kasseler Tatort anwesende Beamte war einer dieser V-Mann-Führer.

Es ist die Stadt und der Landkreis, in dem offenbar erbitterte Grabenkämpfe in den Behörden ausgetragen wurden. In dem dieser absonderliche Beamte in einer anderen Behörde sein Auskommen fand, nachdem er für den Verfassungsschutz verbrannt war.

Es ist das Bundesland, in dem es scheinbar nicht aufklärbar ist, ob Polizeibeamte einer Anwältin Drohbriefe schicken, die als Nebenklage-Vertreterin die Familie eines NSU-Mordopfers vertrat.

Es ist das Bundesland, in dem der NSU-Untersuchungsausschuss nur stockend in Gang kam und letztlich unbefriedigend endete, übrigens auch deshalb, weil die Regierungsgrünen keine Lust auf zu viel Aufklärung haben. Ja, richtig gelesen: Auch die Regierungsgrünen hatten keine rechte Lust, ähnlich wie die Regierungsgrünen in Baden-Württemberg, dem Land, in dem die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen wurde. Der andere NSU-Mord, der maximal unaufgeklärt scheint.

Und jetzt ist es ausgerechnet der Regierungspräsident des nördlichsten der drei hessischen Regierungsbezirke, Walter Lübcke, der aus nächster Nähe mit einer „Kurzwaffe“ – also wohl einer Pistole – erschossen wurde. Kopfschuss.

Ausgerechnet Lübcke, der vor ein paar Jahren laut wurde, als Kagida-Leute ihn auf einer Versammlung provozierten und sinngemäß meinte, wem’s partout nicht passt, der könne ja gehen.

Ausgerechnet Kopfschuss, wie bei den NSU-Morden.

Krasser Fall. 

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