Ich möchte eigentlich nicht so gern in einem Bienenstaat leben. Das liegt vermutlich daran, dass ich ein Mensch bin und keine Biene. Die Fernsehköchin Sarah Wiener ist so gesehen eine meiner Artgenossinnen. Politisch hat sie sich immer wieder geĂ€ußert, aber es war halt jedes Mal so – Sarah Wiener halt. Aber kochen kann sie. Aber jetzt will sie Politikerin werden, und da muss man anfangen, sie auch auf diesem Feld ernst zu nehmen.

Die Runde machte vor ein paar Tagen ein Interview mit ihr, in dem sie Bienen als fĂŒr Menschen vorbildliche Wesen bezeichnete. „Bienen arbeiten fĂŒr kĂŒnftige Generationen, die sie nie kennenlernen werden“, sagte sie. Da hat sie recht. Aber ob sie auch bedacht hat, warum die Bienen das tun?

Bienen haben ein egoistisches Gen. Wie alle Organismen

Die Antwort darauf gibt die Evolutionsbiologie und hier sehr prĂ€zise und verstĂ€ndlich Richard Dawkins in seinem bereits 1976 erschienenen Buch „Das egoistische Gen“. Darin verortet er den Willen allen Lebens im Gen an sich, der DNA jeder Zelle. Das Gen strebe nach Unsterblichkeit, aber nicht in dem Sinn, dass es ewig vor sich hin schimmele, sondern sich repliziere. Und ausdrĂŒcklich modelliert Dawkins seine Idee von der Evolution so, dass er das Gen zum WillenstrĂ€ger erklĂ€rt und nicht den Organismus. Die Organismen, Mensch eingeschlossen, seien Reproduktionsmaschinen, deren Zweck nur darin bestehe, dem Willen des Gens zu dienen.

Zum VerstĂ€ndnis der Menschen reicht das nicht ganz (da hat Dawkins noch mehr herausgefunden), aber zum VerstĂ€ndnis der Bienen schon. Die haben pro Volk eine Königin, die man aber korrekter als Mutter der Kompanie bezeichnen mĂŒsste. Denn sie ist die leibliche Mutter sĂ€mtlicher ihrer MitbĂŒrgerinnen. SĂ€mtliche MitbĂŒrgerinnen sind also leibliche Schwestern. Sie tragen alle die gleichen Gene in sich, auch das egoistische, das den Willen prĂ€gt.

Das Volk ist in Wahrheit eine Familie

Bei den Bienen und anderen staatenbildenden Insekten hat es der Schöpfung also gefallen, eine alleingebĂ€rende Übermutter zu schaffen, wĂ€hrend der Rest des Volkes auf andere Weise seinem Gen beim Replizieren hilft: Durch Nestbau, Nahrung beschaffen, aufrĂ€umen oder Seuchenvorsorge – die manche Bienenvölker recht rigoros erledigen: Sie werfen erkrankte Schwestern einfach aus dem Stock.

Ob Sarah Wiener sich diese nicht gerade mitmenschliche Umgangsweise auch von den Bienen abgucken will? Jedenfalls schafft sie es, nur in einem einzigen Satz eine gewaltige Menge Unsinn zu verzapfen. Pure Symbolik, die sich der Natur zum Zwecke der Macht bedient.

Derart werden die Bienen ja von GrĂŒnen und Partner- und Vorfeldorganisationen seit einiger Zeit hĂ€ufiger instrumentalisiert. Etwa beim bayerischen Volksbegehren, das sie unter die Überschrift „Rettet die Bienen“ gestellt haben. Als wĂ€ren die Bienen bedroht!

Weiß Sarah Wiener, dass Honigbienen Wildbienen gefĂ€hrden?

TatsĂ€chlich bedroht sind Hummeln und andere Wildbienenarten. Das liegt – Achtung! – an der wachsenden Zahl der Honigbienenvölker. Imkerei mag in besseren grĂŒnen Kreisen zwar als besonders ambitionierte Form des Umweltschutzes gelten, aber genau das ist sie nicht.

FĂŒr die Deutsche Wildtier-Stiftung ist Imkerei ein Wirtschaftszweig und ein Kulturgut. Aber sie schade den Wildbienen dort, wo Honigbienen ihren wildlebenden Verwandten Konkurrenz machen. Sie seien effektiver, wĂŒrden viel höhere Mengen sammeln und seien vielseitiger bei der Auswahl von Pflanzenarten als Wildbienen.

Ob Sarah Wiener das weiß? Sie ist ja nicht nur Köchin, sondern besitzt auch das Gut Kerkow bei AngermĂŒnde. Dort baut sie selber an (natĂŒrlich bio) und hat auch eigene Bienenstöcke. Mit gewisser Wahrscheinlichkeit also Heere kleiner Killerbienen, die den Hummeln in der Umgebung die BlĂŒten streitig machen.

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