Ein ermordeter Jude ist an und für sich wohl erstmal nichts, worüber man sich voreilig aufregen müsste. Auch eine ermordete Jüdin nicht. Kein Schwein regt sich groß drüber auf. Deutsche Zeitungen und deutsche Fernsehtalkshows haben Wichtigeres zu bereden. Oder kennt irgendjemand Sarah Halimi?

Sarah Halimi ist – Verzeihung: war – eine jüdische Frau, bis sie vor vier Jahren von einem Nachbarn zu Tode gefoltert und dann umstandslos aus einem Fenster ihrer Wohnung im dritten Stockwerk geworfen wurde. Das passierte in Paris. Schon damals war das bestenfalls ein Klein-Aufreger. Vor wenigen Tagen wurde das justiziable Nachspiel in der Causa Halimi dann endlich auch begraben. Der Täter – und zwar der eindeutige und unstreitige Täter, nicht der mutmaßliche – kommt ohne Anklage davon. Frankreichs Höchstrichter befanden, er sei bekifft gewesen. Da ist das dann offenbar okay, mal eben so eine jüdische Frau zu ermorden. Keine Anklage gegen den Mörder. Ein paar Tausend Leute gingen gegen diese Richterentscheidung auf die Straße. Hier und da erschien eine Meldung dazu. Das war‘s. 

Jetzt könnte man einwenden, dass ja nicht jeder beliebige Mord gleich ein großes Gedenkzeremoniell nach sich ziehen müsse. Aber Halimi wurde eben genau deshalb ermordet, weil sie Jüdin war. Es war ihr alleiniges Vergehen, jüdisch geboren gewesen zu sein. Der Täter war des nachts in ihre Wohnung eingebrochen. Er beschimpfte sie als „dreckige Jüdin“, während er sie zu Tode malträtierte. Sie sei der „Scheitan“. Als er sie aus dem Fenster warf, schrie er: „Allahu Akbar“.

Und hier dürfte die Antwort auf die Frage liegen, warum der Mord an Halimi in vielen deutschen Redaktionen nicht groß gefeatured wurde oder in den Kreis der Gedenkkulturen aufgenommen wird. Der Täter war kein Neonazi. Er war Muslim und zugewandert aus dem Failed State Mali. Nicht nur medial wurde der Fall kaum beachtet. Auch das regierungsfinanzierte Konglomerat Dutzender, womöglich Hunderter sogenannter zivilgesellschaftlicher NGOs konnte sich an keiner Stelle für eine Kampagne des Gedenkens an Halimi erwärmen.

Bari Weiss, ehemals Kolumnistin der New York Times und jetzt in Diensten der Welt, hat dafür die vermutlich zutreffende Erklärung gefunden. Sie ist so deprimierend wie leicht verständlich. „Juden zählen nicht“, zitiert sie den britischen Autor David Baddiel. Es zählten nur die Täter. Werde ein Jude von einem Neonazi ermordet, dann sei er wertvoll. Werde ein Jude von einem Muslim ermordet, dann nicht. 

Weiss beklagt weithin akzeptierten Antisemitismus in intellektuellen Kreisen und auch in ihrer früheren Redaktion in New York. Also den üblichen, zähen, alltagsakzeptierten Antisemitismus Linker in Politik und Medien, den es genauso auch in Deutschland gibt. Oder in der evangelischen Kirche, in der Gemeindepfarrer sich allseits geschätzt mit ihrem Eintreten für die Hamas brüsten. Deutschland leistet sich Antisemitismus bis in die Staatsspitze. Keine noch so absurde antijüdische UNO-Resolution, der der deutsche UNO-Botschafter nicht zustimmte.

Jetzt ist diese Debatte über den nicht ausrottbaren Antisemitismus beileibe nichts Neues mehr. Auch über linken Antisemitismus ist viel kritisches geschrieben worden. Es nützt bisher nur nichts. Der links-identitäre Komment stellt blinde und pauschalierende Muslim-Solidarität über die Solidarität mit der ermordeten Jüdin Halimi. Linke ignorieren in ihrer Verblendung auch die Mehrheit der Muslime, die mit Fanatikern nichts am Hut haben. Ihre Gefolgschaft gilt allein den Fanatikern.

Dabei ignorieren sie, dass sie damit auf derselben Seite stehen wie Hitler und Himmler (und noch ein paar prominente Nazis). Denn auch die Nazis liebten den Islam, und zwar – natürlich – vor allem den politischen und militanten.

Von Hitler ist überliefert, dass er den muslimischen Glauben für seine kämpferische Haltung schätzte. Nicht so verweichlicht wie dieses Jesus-Christentum. Und Heinrich Himmler beabsichtigte gar, nach dem gewonnenen Krieg selber Muslim zu werden. Eine Erkenntnis, die der Historiker David Motadel schon vor einigen Jahren ausgegraben und publiziert hat, was deutsche Medien aber auch nur in ein paar versprengten Rezensionen vermerkten. 

Demnach ist es also so, dass der bekiffte Mörder von Halimi einer fanatischen Religionsperversion angehört, die auch die Nazis schätzten. Beide teilten überdies dasselbe widerliche Motiv: Dass eine Jüdin zu ermorden sei, weil sie jüdisch ist. Derweil spendieren Staat, Medien und NGOs Trauereinheiten streng nach Täterherkunft. 

Und Hitler und Himmler applaudieren aus Wallhall.

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