Richard Gutjahr ist ein Kollege, der seit Jahren übelst bedroht und beleidigt wird. Das erstreckt sich auch auf seine Familie und beruht im Wesentlichen auf Antisemitismus. Jetzt hat er nach 22 Jahren den Bayerischen Rundfunk verlassen und wirft auf seinem Blog dessen Intendant Ulrich Wilhelm vor, er und die Anstalt nehme das Kesseltreiben gegen ihn tatenlos hin. Ich fürchte, Gutjahr hat mit seinem Vorwurf recht.

Im Visier der durchgeknallten Querfront-Nationalisten

Gutjahr wird von Nazis und ihrer Corona bedroht. In die Corona schließe ich das Compact-Magazin dieses mal links-, mal rechtsextremen Jürgen Elsässer ein, eine dieser luziden Gestalten, die in Deutschland periodisch hochkommen und die es immer wieder schaffen, sektenhafte Hassideologien auf breiterer Basis zu popularisieren. Elsässer kannte man, als er noch dogmatischer Kommuist war, und man kennt ihn jetzt als Herausgeber einer Kiosk-Publikation, die sich in der Nazi-Corona bewegt und etwa Beate Zschäpe für unschuldig hält. Elsässer schwätzt gern von der Querfront, also der Vereinigung der links- und rechtsextremen Dunkelgestalten zwecks Abschaffung von Freiheit und Demokratie.

Das Elsässer-Blatt hatte Gutjahr mit üblen Verschwörungstheorien verfolgt und munter Öl ins Feuer gegossen, um Gutjahr das Leben schwer zu machen. Der wehrte sich erfolgreich bis hin zum Bundesgerichtshof, was Kosten bis hin zur Existenzgefährdung verursacht haben dürfte. Nach seinen Angaben kündigte ihm seine Rechtsschutzversicherung. Er habe den Bayerischen Rundfunk um Unterstützung gebeten. Dass ist nachvollziehbar, denn er war als Journalist der Anstalt ins Visier des Mobs geraten. Die habe der BR ihm verweigert, und zwar auch ausdrücklich in Person des Intendanten Ulrich Wilhelm und unter Verdrehung der Tatsachen bis hin zu offenen Lügen.

Die Märchen von der jüdischen journalistischen Weltverschwörung

Konkret geht es um Gutjahrs Berichterstattung von einem islamistischen Anschlag in Nizza und vom rechtsextremen Terroranschlag auf Menschen vor dem Olympia-Einkaufszentrum in München. Beide Male war er zufällig vor Ort Beide Male lieferte er seiner Anstalt Material. Beide Male schmückte sich die ARD bis hin zur Tagesschau damit. Beide Male ging der BR amateurhaft mit dem Rohmaterial um. Und in beiden Fällen schossen sich Neonazis und ihre Corona auf Gutjahr ein.

Kurz gesagt nach dieser Machart: Es sei kein Zufall, dass Gutahr beide Male dabeigewesen sei. Vielmehr stecke die berühmte jüdische Weltverschwörung hinter allem. So in etwa lautete der Tenor, auf dem der Terror gegen Gutjahr gedieh. Völliger Schwachsinn. Frei fabulierter Unfug. So wirksam wie ein deutschmedizinisches homöopathisches Globuli über den Placeboeffekt hinaus. Und doch konkreter Anlass für evidenzbasierten Terror gegen Gutjahr.

Der Feind sitzt nicht nur rechts, sondern auch im eigenen Sender

Das Verhalten von Ulrich, das Gutahr beschreibt, muss unterirdisch gewesen sein. Was er über die subalternen Führungsleute der Anstalt schreibt klingt nicht besser. Ich habe dazu eine Anfrage an die Pressestelle des BR geschickt und um eine Stellungnahme gebeten. Insoweit ist dieser Post noch nicht vollständig. Die Reaktion folgt.

Gutjahr verortet seine Gegner bei Nazis und Reichsbürgern, also rechts. Hier dürfte er vielleicht aus alter Loyalität weichzeichnen. Ausgerechnet der BR fällt immer wieder damit auf, dass er in seiner Israel-Berichterstattung antisemitische Stereotype einfließen lässt. Jüngst fand sich auf der Seite des Senders ein Bericht über Bethlehem, der nur in eine Richtung verstanden kann: Alles wäre dort gut, wären die Juden nicht da. Ich denke eher, der Feind sitzt nicht nur bei den Neonazis, sondern auch bei der linken oder sich links gebenden Durchschnittsmeinung des Hauses. Die lässt keinen NS-Gedenktag aus, um mahnende Meldungen zu produzieren, was aber schon seit Jahren nur noch wie hohle Routine klingt. Darunter wabert schon immer alter und neuer Antisemitismus.

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