Der Mann nennt die Dinge beim Namen. Anders ausgedrĂŒckt: Er sagt, was Sache ist. Noch anders ausgedrĂŒckt: Er steht auf dem Boden der Tatsachen. Oder noch anders ausgedrĂŒckt: Er redet Klartext, und zwar in deutscher Sprache. Die Rede ist natĂŒrlich von Thilo Sarrazin, der der BamS ein großartiges Interview gegeben hat. Was er darin zum Besten gibt, wird den Hass der politischen Klasse auf ihn weiter schĂŒren. Die tut ja tagtĂ€glich und hauptamtlich das Gegenteil. Sie manipuliert, damit niemand mitbekommt, was Sache ist. Sie schwebt im Wolkenkuckucksheim. Sie redet wortreiches Blabla. Sie hört sich nur deutsch an, spricht in Wahrheit aber eine andere Sprache.

WofĂŒr nur ein einziges Beispiel genannt sei. Die politische Klasse (alle eingeschlossen: Merkel, SchĂ€uble, Gabriel, Gysi, Greenpeace, SozialverbĂ€nde, Gewerkschaften, UnternehmerverbĂ€nde – einfach alle!) spricht stĂ€ndig vom Sparen und meint mit Sparen etwas ganz anderes als der normale deutsche Muttersprachler. Die politische Klasse redet von Sparen, wenn Sie 2010 mit 319,5 Milliarden Euro so viel Geld ausgibt wie nie zuvor in der deutschen Geschichte. Sie nennt es Sparen, wenn sie dafĂŒr neue Nettoschulden in Höhe von 80,2 Milliarden Euro aufnimmt. Ich nenne es Verarschung, wenn unsere Politiker so etwas Sparen nennen. Sparen ist, wenn man Geld ĂŒbrig behĂ€lt und auf die Seite legt. Sparen ist nicht, wenn man seinen Urlaub mit einem Kredit bezahlt. Das ist vielmehr einfach dĂ€mlich. Auch, wenn die Politiker nĂ€chstes Jahr etwas weniger Geld auf den Kopf hauen wollen (nach jetzigem Stand, aber der kann sich natĂŒrlich noch Ă€ndern), wird es wieder nicht zum Sparen reichen, weil auch nĂ€chstes Jahr wieder neue Schulden gemacht werden. Die Webseite des Bundesfinanzministeriums, die diese einfachen Wahrheiten wortreich verdreht und verbiegt, ist eine UnverschĂ€mtheit.

ZurĂŒck zu Sarrazin. Im BamS-Interview schleicht er sich an ĂŒberraschender Stelle an die staatliche Verschwendungssucht heran. Eigentlich geht es um die Zuwanderung. Der Interviewer will wissen, was Sarrazin von einer Veranstaltung hĂ€lt, die unsere Politiker (und die meisten Journalistenkollegen) Integrationsgipfel nennen. Sarrazins Antwort ist ein Knaller. Hier packt endlich mal einer aus, der den Laden von innen kennt. Er sagt:

“Als langjĂ€hriger Politiker und Staatsbeamter war ich in 35 Jahren an Tausenden ĂŒberflĂŒssigen Veranstaltungen beteiligt. Ich habe dann oft ausgerechnet, was das wohl kostet. Aber dann habe ich mir gesagt: Solange wir hier sitzen, können wir keinen anderen Unfug anstellen.”

Der Rest ist ebenso lesenswert. DafĂŒr lohnt sich der Weg zum Kiosk.

4 Kommentare
  1. fundstĂŒck sagte:

    Ja, auch ich bewundere Menschen, die 35 Jahre an Tausenden ĂŒberflĂŒssigen Veranstaltungen teilnehmen und erst zum geschickten Ausstieg ins RentenglĂŒck ordentlich auf die Kacke hauen und so tun, als wĂ€re das alles ein Versehen gewesen. (…)

    Wann hat der Mann eigentlich zuletzt gelĂ€chelt?-> http://bit.ly/911UR9. In meinen Augen nĂ€mlich die unmissverstĂ€ndlichste Art, auch gefĂ€hrlichen KopftuchmĂ€dchen mutig entgegenzutreten. (Thilo ist ein alter Grantler, wie man hier bei uns sagen wĂŒrde)

    Deswegen freu ich mich umso mehr, wenn du uns mehr der verdrehten/entfremdeten Begrifflichkeiten aus dem Wolkenkuckucksheim erzĂ€hlst. Denn auch ich habe ganz nach dem Vorbild unserer fĂŒhrenden Köpfe schon die seltsamsten Formen des “Sparens” ĂŒbernommen. Ganz nach dem Motto “Warum denn nicht, die tuns doch auch.”

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    • bitterlemmer sagte:

      Naja, er war als Senator auch schon der einzige, der noch als AmtstrĂ€ger immer wieder Klartext geredet hat. Der Vorwurf, er hĂ€tte stillschweigend seine Karriere durchgezogen, passt je gerade bei ihm nicht so richtig. Und fĂŒr seinen Gesichtsausdruck kann er nichts. Ist die Folge eines Schlaganfalls.

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  2. PJ sagte:

    Naja, dass er als Finanzsenator quasi im Alleingang fĂŒr die Fast-Pleite Berlins zustĂ€ndig gewesen ist, bleibt da dann doch ein wenig außen vor, wa?

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