So einen Bus soll mein Motorrad aus der Spur gerammt haben

Letzte Woche bekam ich ein Schreiben meiner Motorradversicherung. Es sei ein Unfall gemeldet worden. Der Unfallgegner beanspruche Schadensregulierung. Ich möge bitte den angehängten Unfallbericht ausfüllen, unterschreiben und zurückschicken. Ich staunte, weil ich mich an keinen Unfall erinnern konnte. Als ich das Schreiben näher besah, staunte ich noch mehr. Demnach soll ich den gemeldeten Unfall breits am 19. März verursacht haben. Und geschädigt haben soll ich offenbar einen Bus. Den Anspruch auf  Schadensersatz machte die Berlin Transport GmbH geltend, eine hundertprozentige Tochter der städtischen Verkehrsbetriebe.

Also rief ich meine Versicherung an. Der Bearbeiter sagte mir, er könne mir keine Details mitteilen, weil die angeblichen Unfallgegner keine mitgeteilt hätten. Etwa, wo und wie sich der Unfall ergeignet haben könnte. Er habe darüber nicht die geringste Information. Sobald er meinen Unfallbericht habe, könne er aber die Polizeiakten anfordern und nachsehen. Interessant. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich, dass es dazu eine Polizeiakte gibt.

Als nächstes rief ich bei der Berlin Transport GmbH an. Ich bekam einen Sachbearbeiter ans Telefon, der sich leider außerstand sah, mir irgendeine Frage zu beantworten. Ob ich denn wisse, wie viele Unfälle jeden Tag mit seinen Fahrzeugen passieren. Und ich könne ja nichtmal das Kennzeichen des Busses nennen, mit dem ich den Unfall gehabt habe. Nein, konnte ich tatsächlich nicht, denn meine Versicherung kannte es selber nicht und hat es mir darum nicht mitteilen können. Der Sachbearbeiter nannte mir dann die Versicherung der Berlin Transport, vielleicht könne die mir weiterhelfen.

Also die gegnerische Versicherung angerufen. Ich schilderte den Fall und begehrte Auskunft, worin der angebliche Unfall denn nun bestanden habe. Wieder scheiterte ich daran, dass ich kein Kennzeichen des Busses nennen konnte. Ich fragte die Bearbeiterin, ob sie denn mein Motorradkennzeichen nicht in ihrem Computer finde. Ich hörte Tippen auf einer Tastatur. Dann sagte sie, nein, mein Kennzeichen finde sie nicht. Ich fragte, ob ihr das angebliche Unfalldatum, der 19. März, nicht genüge, um die Sache aufzuklären. Sie antwortete, es gebe für jeden Tag um die 40 Akten. Das sei zu viel, da müsse sie schon mehr Informationen haben, sonst finde sie das nicht.

Am nächsten Tag war ich richtig wütend. Konnte es denn wahr sein, dass diese faule Bande einfach freiweg einen Unfallgegner erfindet und es zu viel verlangt sein soll, 40 Akten durchzublättern, um einem offensichtlichen Irrtum auf die Spur zu kommen? Ich rief wieder die gegnerische Versicherung an (ich hätte auch die Berlin-Transport anrufen können, es war mir egal). Und als die Bearbeiterin wieder darauf beharrte, es sei nicht zumutbar, 40 Akten durchzugucken, wurde ich laut. Ich drohte, den Vorfall an die große öffentliche Glocke zu hängen. Das wirkte. Sie versprach mir einen Rückruf.

Der kam dann auch und war ziemlich kleinlaut. Es liege eine Verwechlung des Nummernschildes vor. Bei der Erfassung des gegnerischen Kennzeichens sei eine Ziffer vergessen worden. Ob die Sache damit erledigt sei, wollte ich wissen. Sie bejahte. Sicherheitshalber rief ich gleich noch meine Versicherung an. Der Bearbeiter wusste sofort Bescheid, als er meinen Namen hörte. Ja, da habe sich schon die andere Versicherung gemeldet und den Irrtum gebeichtet, die Sache sei erledigt.

Ich frage mich nur, was Leute in einer solchen Lage tun, die nicht mit der öffentlichen Keule drohen können. Der BVG-Tochter Berlin-Transport und ihrer Versicherung scheint es scheißegal zu sein, ob sie für einen Unfall mal lässig den Falschen zahlen lässt. Und was es mit dieser angeglichen Polizeiakte auf sich hat, weiß ich nach wie vor nicht.

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