Der Berliner Medizinhistoriker Dr. Dr. Manfred Stürzbecher glaubt nicht daran, dass die Leiche in der Charité etwas mit Rosa Luxemburg zu tun hat. „Nach dem, was ich weiß, spricht alles gegen diese Theorie“, sagte er auf meine Anfrage.

Stürzbecher stützt sich vor allem auf historische Zusammenhänge. „Wäre dieses Gerücht schon früher in der Welt gewesen, dann hätte Erich Mielke Interesse daran gehabt.“ Außerdem spreche der dut dokumentierte Weg der toten Rosa Luxemburg dagegen. Außerdem habe es damals beim Berliner Polizeipräsidenten einen „Leichenkommissar“ gegeben. „In einem politisch so brisanten Fall hätte er nie eine Manipulation gewagt“, sagte Stürzbecher. Er ist daher überzeugt, dass die Gerichtsmediziner damals die echte Leiche der Rosa Luxemburg untersuchten. Für „undenkbar“ hält er es auch, dass die Leiche der Revolutionärin etwa als Anschauungsmaterial für Studenten in der Charité gelandet sein könnte.

Stürzbecher sagte, er habe schon seit den 50er Jahren Kontakt mit dem damaligen Leiter des Ost-Berliner Charité-Instituts unterhalten. „Prokop hat mir noch vor 1961 seine Sammlung gezeigt“. Von sterblichen Überresten der Rosa Luxemburg sei dabei nie die Rede gewesen.

Ungereimtheiten um die Leiche Rosa Luxemburgs gab es gleichwohl. Stürzbecher sagt, er habe das Eingangsbuch des Friedhofs Friedrichsfelde gesehen, auf dem die beiden ermordeten KPD-Politiker Liebknecht und Luxemburg beigesetzt wurden. Ihre Namen fanden sich direkt untereinander, in einem Block weiterer Erschossener des Spartakus-Aufstands. Dabei müsse es sich um eine Fälschung handeln, denn beide Leichen wurde zu unterschiedlichen Zeiten gefunden und begraben. Er schätze, dass die gefälschten Eintragungen vor „mehr als 50 Jahren“ verändert worden waren. Gleichwohl gebe es keinen Grund zu der Annahme, die Leiche in der Charité sei die Rosa Luxemburgs. Zu der vom heutigen Leiter der Rechtsmedizin, Michael Tsokos, losgetretenen Diskussion sagte Stürzbecher: „Ich habe den Eindruck, das wird hochgespielt“.

Stürzbecher ist Mediziner und Historiker, arbeitete viele Jahre als Amtsarzt in Berlin und hat zahlreiche Publikationen über die Berliner Medizingeschichte veröffentlicht.

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