Heute feierte die Omar-Moschee bei mir um die Ecke Einweihung. Die Türen standen offen für jedermann, und über den Tag drängten sich Tausende durch das Gebäude. Es ist beeindruckend geworden. Von innen wirkt es weit imposanter als von außen. Wände und Decken sind vollständig mit filigranem Stuck überdeckt. Der Hauptsaal in der Mitte reicht hoch bis zur zehn Meter hohen und mit Glasmosaik verzierten Dachkuppel. Darunter ragt ein riesiger Kronleuchter aus Ägypten fünf Meter nach unten. Erste und zweite Etage sind als Balkonloge ausgebaut, von der das Geschehen unten verfolgt werden kann. Der Saal und die Balkonetagen sind in drei Farben gehalten: Weiße Wände, grüner Teppich, einige wenige goldfarbene Applikationen und Schriftzeichen. Die Gestalter bewiesen Geschmack und Zurückhaltung (bis auf den arg großen Kronleuchter). Der Aufwand steckt vor allem in den Details. Ein ausgezeichneter Männerchor sang Liturgien, vorn saßen weiß gewandete Geistliche. Trotz des Gedränges herrschte eine entspannte Atmosphäre.

Dass der Bau ein Vermögen gekostet haben muss, ist offensichtlich. Von zehn Millionen Euro ist die Rede, die Bauherren vom „Islamischen Verein für wohltätige Projekte e.V.“ behalten die Kosten aber für sich. Das Geld stammt nach ihren Angaben aus Spenden, was auch glaubwürdig ist. Der Bau dauerte lange, sechs Jahre. Der Vorsitzende des Vereins, Birol Ulcan, sagte mir vor zwei Jahren, die Arbeiten seien immer dann fortgesetzt worden, wenn neue Spenden eingetroffen seien.

Die Glaskuppel in der Mitte des großen Saales

Die Omar-Moschee ist ein arabisches Gotteshaus. Der Verein wird von libanesischen und palästinensischen Muslimen getragen. Sie bezeichnen sich als Sunniten „mit sufistischen Ansätzen“ und distanzieren sich sehr deutlich von „angeblichen Gläubigen mit radikalen Ansichten“. Auf einem Treppenabsatz findet sich eine Tafel, die in vier Worten Klarheit schafft: „Gemäßigkeit, friedliches Miteinander, keine Übertreibung, keine Vernachlässigung“.

In dem Gebäude befindet sich außerdem das „Maschari-Center“. Das sei „ein Bildungszentrum, in dem sich die heranwachsenden Generationen nützliches Wissen und gutes Benehmen aneignen und folglich mit gutem Beispiel an die Öffentlichkeit gehen können“, heißt es in einem Flyer, den Gemeindemitglieder an die Eröffnungsgäste verteilten. Die angeschlossene Schule lehrt drei Fächer: Arabisch, den Koran und „gutes Benehmen“. Außerdem gibt es eine Buchhandlung, ein Reisebüro vor allem für Pilgerreisen, einen Kindergarten und ein Bestattungsinstitut mit „Wasch- und Kühlraum für verstorbene Muslime“.

Das Maschari-Center und seine Betreiber sind ein Glücksfall für Berlin und das verranzte Kreuzberg. Sie propagieren den „Aufbau einer intakten Gesellschaft“ und das „friedliche Zusammenleben zwischen den Menschen in diesem Land“. Vor allem aber leben sie ein Gemeindeleben vor, das unter ehemals christlichen Deutschen seit den 60er Jahren jedenfalls in Berlin ausgestorben ist. Von den gesellschaftlichen Verirrungen der 68er oder dem zänkischen Atheismus der DDR ist beim „Islamischen Verein für wohltätige Zwecke“ nichts zu spüren. Umso kurioser, dass ausgerechnet linke Gruppen unterschiedslos jegliche Aktivität mit Migrationshintergrund feiern und die Konservativen stets misstrauisch sind. Eine christliche Gemeinde, die schafft, was die Maschari-Leute in Kreuzberg geschafft haben, ist momentan kaum vorstellbar.

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