Volleyball-Trainer Stefan Bräuer (45) mit Spielerinnen des VCO Berlin, einer seiner früheren Stationen | Foto via 1asport.de

Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts sexuellen Missbrauchs gegen den im November fristlos entlassenen Nachwuchs-Bundestrainer der deutschen Volleyball-Damen, Stefan Bräuer (45). Heikel sind nicht nur die Vorwürfe gegen Bräuer, sondern auch das Verhalten seines neuen Arbeitgebers, des Vereins SV Sinsheim. Dort trainiert Bäuer nach wie vor junge Frauen und Mädchen. Der Verein hält den Trainer für unschuldig.

Ins Rollen brachte die Affäre der bayerische Volleyball-Verbandspräsident Klaus Drauschke. Drauschke sagte auf meine Anfrage, Ende des vergangenen Jahres habe er von Vorwürfen gegen Bräuer erfahren. Er habe daraufhin den Bundesverband angesprochen, bei dem Bräuer beschäftigt war. „Wenn 14-, 15-jährige Mädchen Dinge erzählen, dann kann man nicht einfach so tun, als sei nix gewesen“. Gerade wegen der im vergangenen Jahr bekanntgewordenen Missbrauchsskandale in der Odenheimschule oder kirchlichen Einrichtungen sei er hellhörig geworden, so Drauschke. „Das, was man früher vielleicht hingekommen hätte, darüber wird heute gesprochen“.

Der Volleyball-Bundesverband reagierte umgehend, entließ Bräuer zum Jahreswechsel fristlos und zeigte ihn an. Der klagte beim Arbeitsgericht, offenbar aber vergeblich. Die Kündigung sei wirksam, sagte Verbandspräsident Jörg Ziegler. Es habe einen Gütetermin gegeben. Jetzt würden die Anwälte die letzten Schriftstücke formulieren. Details über die Vorwürfe gegen Bräuer wollte er unter Hinweis auf „ein schwebendes Verfahren“ nicht nennen.

Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte das Verfahren gegen Bräuer. Aus Ermittlerkreisen hieß es, es gehe um sexuellen Missbrauch wie „Betatschen unter sportmedizinischen Vorwänden“.

Trotz der Vorwürfe fand Bräuer sehr schnell einen neuen Job – wieder als Trainer einer Damen-Mannschaft. Er coacht jetzt das Volleyball-Team des SV Sinsheim. Der Verein, zu dessen Sponsoren der Software-Konzern SAP und die Volksbank gehören, kennt die Vorwürfe, hält sie aber für unbegründet. Bräuer habe schon einmal, von 1996 bis 2003, in Sinsheim trainiert. „Wenn wir ihn nicht gekannt hätten und von seiner Unschuld überzeugt wären, würden wir nicht mit ihm arbeiten“, sagte Vereins-Geschäftsfürer Peter Flaig auf meine Anfrage – jedenfalls bis zum Beweis seiner Schuld. Flaig ließ offen, wie sich der Verein verhalten werde, wenn die Staatsanwaltschaft ihren Trainer anklagen sollte. „Dann wird sich der Vorstand zusammensetzen und beraten“.

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  1. […] im November vergangenen Jahres fristlos entlassen. In den Akten der Staatsanwaltschaft ist, wie der Berliner Blogger Christoph Lemmer berichtete, von “Betatschen unter sportmedizinischen Vorwänden” die […]

  2. […] die Anschuldigungen seither totgeschwiegen. Man kenne und vertraue Bräuer hatte es auf Anfrage des Berliner Bloggers Christoph Lemmer […]

  3. […] unter Bloggern an Bedeutung gewinnt. Der Berliner Journalist Christoph Lemmer hat in seinem Blog bitterlemmer brisante Details veröffentlicht. Dazu gehören auch die Ermittlungen der Berliner […]

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