Letztes Wochenende gruben der Münchner Merkur und der Spiegel eine vermeintliche Sensation im Brunner-Prozess aus. Dominik Brunner sei womöglich nicht totgeprügelt worden, sondern “an Herzversagen gestorben”. Diese Aussage ist eine klassische Nicht-Aussage und völlig wertlos, denn einen Tod ohne Herzversagen gibt es nicht.

Der Münchner Merkur zitierte gleichwohl mit dieser Aussage die Sprecherin der Münchner Staatsanwaltschaft, Barbara Stockinger: “Sein Herz ist stehen geblieben”. Der Spiegel verzichtet auf die Nennung einer Quelle. Frau Stockinger sagte mir, die Spiegel-Reporter hätten sie angerufen, nachdem der Münchner Merkur die Geschichte in die Welt gesetzt hatte. Auch die Spiegel-Kollegen hätten sich nicht davon abbringen lassen, den Tod durch Herzversagen als angebliche Novität zu bringen. Spiegel-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen wiederholt diesen Quatsch noch einmal, spielt dabei Ober-Richerin und wittert eine Verschwörung von Staatsanwaltschaft, Boulevard und Politik, weil ja kurz nach Brunners Tod ein neuer Bundestag gewählt wurde.

Tatsächlich teilte Stockinger mit, die Krankengeschichte Brunners sei bereits bei der Anklageverlesung vorgetragen worden, und zwar im nichtöffentlichen Teil. Alle Prozessbeteiligten, auch die Anwälte der Prügel-Jungs, hätten sie also gekannt. Im wesentlichen sei über den Gesundheitszustand Brunners aber zu sagen, dass er “pumperlgsund” gewesen sei. Das rechtsmedizinische Gutachten weise einen kausalen Zusammenhang zwischen den Schlägen der beiden Angeklagten und dem Tod Brunners nach. Und dann sagte mir Frau Stockinger auch noch, dass sie natürlich nicht bestritten habe, dass Brunners Herz aufgehört habe zu schlagen, weil das ja auch so war, sonst würde er ja noch leben. Womit wir wieder bei der toll klingenden Nonsense-Information wären.

Ein Rechtsmediziner schrieb mir, bei schweren Schlägen auf den Kopf schwelle das Hirn an. Das könne dazu führen, dass die Steuerung von Herz und Kreislauf aus dem Takt geraten kann. Auch hier geht dann der Tod mit Herzversagen einher, aber entscheidend ist eben, was dazu führte, beispielsweise ein Schädel-Hirn-Trauma. Ein solcher Ablauf würde auch zu den Zeugenaussagen passen, laut denen sich Brunner aufrappeln wollte, in sich zusammensackte und blau anlief.

Details aus dem Gutachten wollte Stockinger nicht nennen. Es wird voraussichtlich kommenden Dienstag, 27. Juli, vom rechtsmedizinischen Gutachter Prof. Wolfgang Keil präsentiert. Wenn der Gutachter seine Hausaufgaben gemacht hat, dürfte die ziemlich sinnfreie Spekulation über Brunners Tod beendet sein.

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