Installation im Foyer des Bad Aiblinger Rathauses
Installation im Foyer des Bad Aiblinger Rathauses

Installation im Foyer des Bad Aiblinger Rathauses

Bad Aibling ist eine kleine Stadt im Landkreis Rosenheim und offenbar für ziemlich unkonventionelle Ideen gut. So will Bürgermeister Felix Schwaller im Ortskern sämtliche Verkehrsschilder, Ampeln, Zebrastreifen und ähnlich überflüssigen Kram abreißen. So etwas nennt man neudeutsch Shared Space, kostet nichts, zwingt Autofahrer zum Selbergucken und hat überall da, wo es schon existiert, Verkehrstote abgeschafft (Ernsthaft! Keine Ironie!). Vorher reißt Aibling sein Rathaus ab, ebenfalls eine gute Entscheidung. Es handelt sich um einen dieser absurd hässlichen 70er-Jahre-Kästen, die landauf, landab die Innenstädte verschandeln. Den Abriss zelebriert die Stadt mit einer spektakulären Kunstaktion. Die nunmehr ehemaligen Amtszimmer sind Galerie, die Flure auch.

Die Veranstalter haben ein staunenswertes Programm zusammenbekommen. Über drei volle Etagen gibt es Bilder, Skulpturen und Kollagen. Etliches davon ist richtig gut. Das fängt beim Konzept an. Ein Schnorrer an der Wand neben der Eingangstür zum ehemaligen Sozialamt – das hat was. Bilder und Graphiken zum Thema Sex und Liebe in die Räume des Standesamtes zu setzen – nicht minder. Oder die Sprüche, die sich Künstler einfallen ließen, um die jedermann bekannten Marotten amtlicher Betätigung auf die Schippe zu nehmen. “Nur, wenn du eine gute Diebin bist, werde ich ein guter Richter”, ist eine Großgrafik untertitelt. Eine auf den Behördenteppich gemalte Inschrift lautet: “Wenn er zum Beispiel nicht schlüge, könnte ich ihm nicht befehlen, aufzuhören. Also muss er dich schlagen, damit ich dazwischentreten kann und meine Autorität beweise.” Da steckt derart viel Wahrheit drin, dass die Attac- und Greenpeace-Aktivisten, die in heiligstem Ernst ihre sattsam bekannte Themenpalette abnudeln, ihrerseits wie Kunstobjekte aussehen: Zuerst sind wir und genügen uns selbst, dann suchen wir uns ein Problem und finden natürlich auch eines, sodann verbessern wir die Welt, ob sie will oder nicht, unter Verwendung klischeehafter Sprachfloskeln, als hätten wir es den buchstäblichen Amtspersonen abgeschaut.

Und all das im Rathaus, als letzte Amtshandlung vor dem Abriss. Was für ein grandioses Bild! Was für eine nachahmenswerte Idee! Holt mehr Künstler in mehr Rathäuser! Lasst sie die ultamative Performance hinlegen! Dann die Kästen einreißen! Auch andere überflüssige Behördendomizile würden sich eignen. Etwa das Entwicklungshilfeministerium von Dirk Niebel, der dieses Amt ja immer abschaffen wollte, bis er es dann leiten durfte. Und wie großartig die Idee, nach dem Rathaus dann auch die Verkehrsregelungsanlagen zu beseitigen. Was für ein Symbol für Freiheit und Selbstverantwortung! Und das unter einem CSU-Bürgermeister, der mit den Grünen koaliert, die all das ebenfalls für gut heißen.

Mehr Fotos hier:

…oder hier ohne Flash:

Abriss Rathaus Bad Aibling
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