Was zuerst? Ratlosigkeit, dass mordende Rechtsterroristen rund ein Jahrzehnt durch die Lande reisten und niemand etwas ahnte? Fassungslosigkeit darüber, dass sich nicht nur die Mörder, sondern auch die Sympathiesanten so still und leise unter der Decke hielten? Selbstzweifel, weil das möglicherweise dank ziemlicher Blindheit auch meiner- und unsererseits möglich war? Denn schnelles Googeln förderte einen unerklärlichen Hinweis dafür zutage, dass die Szene wusste oder ahnte, was sich hinter dem nunmehr untragbar gewordenen Begriff “Döner-Morde” verbarg. Ein Sänger namens Daniel Giese, heimisch in einer nazistischen Agit-Rockband namens Stahlgewitter, hat unter dem Pseudonym Gigi & die braunen Stadtmusikanten vergangenes Jahr ein Lied mit dem Titel “Döner-Killer” aufgenommen. “Denn er kommt gern spontan zu Besuch”, heißt es darin, “am Dönerstand, denn neun sind nicht genug”.

Eingestellt wurde dieser Titel letzten August, also bevor ans Tageslicht kam, dass die Morde nichts mit Spielschulden oder Schutzgeldern zu tun haben.  Hat das etwas zu bedeuten? Der Sprecher des bayerischen Innenministeriums, Oliver Platzer, sagte mir: Vermutlich nicht. Er bezweifle, dass der Nazi-Sänger Insider-Kenntniss über die Morde gehabt habe.

Und er nahm die Polizei in Schutz: Die Sonderkommission damals sei 150 Mann stark gewesen und habe “jeden Stein umgedreht”. Es habe nur eben nicht den geringsten Hinweis auf die Täter gegeben. Vor allem fehlten Selbstbezichtigungen, normalerweise ein fester Bestandteil von Terrorismus. Auch langgediente Ermittler seien überrascht gewesen, welche Wendung die Fälle dank eines Zufalls nahmen.

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