Acht Tote, 41 Verletzte, 82 Autos, die in einer aufgewehten Sandwolke auf der Autobahn A19 südlich von Rostock ineinanderkrachten. Es war einer der massivsten Unfälle der letzten Zeit, und offenbar hat er eine tiefere Ursache: Die Leichtfertigkeit der Landwirtschaft. Jedenfalls meint das der BUND, dessen Sprecher Burkhard Roloff vor allem den Landbau im Osten mit seinen riesigen Flächen und anonymen Agrarkonzernen ins Visier nimmt. „Durch die jahrelange Vernachlässigung der Bodenstruktur haben die Böden immer weniger Humusgehalt“. Das sei ein Erbe der DDR-Landwirtschaft und anders als etwa in Schleswig-Holsteins, wo Knicks und Büsche das Aufwehen großer Sandwolken verhindern.

Umso absurder die Antwort, die der Betriebsleiter des an die Autobahn grenzenden Gut Dummerstorf, Klaus Paar, einem Reporter der Agentur dapd gab. Der Reporter wollte wissen, ob es nicht angebracht wäre, an der Autobahn eine Windschutzhecke oder ähnliches anzupflanzen.

Paar antwortete:

„Dem müssen zahlreiche Anträge und Genehmigungsverfahren vorausgehen und um Ende stellt sich auch die Frage, wer soll das bezahlen“.

Die Frage, wer für die Unfallschäden bezahlt, stellt sich also nicht? Und die Toten und Verletzten sind weniger wichtig als die Abneigung gegen „Anträge und Genehmigungsverfahren“? Diese Antwort klingt, als sei der Betriebsleiter saufroh, sein Desinteresse hinter typisch deutscher Bürokratieseeligkeit verstecken zu können. Dieser Mann gehört auf der Stelle gefeuert.

3 Kommentare
  1. B-like-Berlin sagte:

    „Ich kümmere mich um meinen Vorteil – die Allgemeinheit um die Folgen“ das ist doch inzwischen die Philosophie dieses Landes. Vom Politiker über den Banker bis zum Hundehalter – warum also nicht auch in der Landwirtschaft?

    Abgesehen davon, früher haben Bauern die Windschutzhecken alleine schon deshalb angepflanzt, damit der Wind den guten Boden nicht davonträgt. Heute ersetzt man den verlorenen Boden einfach mit ein paar Tonnen Chemie.

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