So viel teuren Ärger hat mir in fast 30 Berufsjahren noch keine Geschichte eingebracht: Meine Beiträge über den mysteriösen Tod eines alten Mannes in einer Thüringer Klinik beschäftigen eine Staatsanwaltschaft, die nach meinen Informanten fahndet. Und einer der Texte, ausgerechnet ein Kommentar, für das Verständnis der Geschichte eher unwichtig, führte mich heute zur Verhandlung vor das Hamburger Landgericht. Dort hatte mich die Jenaer Rechtsmedizin-Chefin Gita-Else Mall auf Unterlassung verklagt. Heraus kam ein Vergleich. Ich akzeptiere 11 von 13 Punkten des Unterlassungsbegehrens (zwei hatte das Gericht schon gestrichen), dafür verzichtet die Gegenseite auf eine Richtigstellung (und vermeidet damit natürlich auch, dass das, was in meinem Kommentar stand, wieder lesbar wird, denn dieser Kommentar ist ja längst offline). Jede Seite hat eine Woche Zeit, den Vergleich zu widerrufen. Sauteuer war die Sache zudem. Alles, was hier folgt, darf ich weiter schreiben (jedenfalls hat es mir bisher niemand verboten). Darunter sind auch Details, die bisher unveröffentlicht sind.

Rudolf F. starb am 9. August 2007 im Alter von 96 Jahren um 4.51 Uhr in der Intensivstation des Klinikums Meiningen (Thüringen). Jedenfalls steht das so in den Akten. Die sind aber in mancher Hinsicht widersprüchlich. Ob er um 4.51 Uhr starb oder vielleicht auch erst um 7.26 Uhr darf wohl als ungeklärt gelten, ebenso, ob er eines natürlichen Todes starb oder ob jemand nachhalf. Das rechtsmedizinische Gutachten, verfasst von der Jenaer Institutschefin Gita-Else Mall, spricht von einer Lungenentzündung als Todesursache. Die habe der alte Mann sich zugezogen, nachdem er sich beim Essen verschluckte und Speisekrümel einatmete. Verschluckt habe er sich, weil sein Kehlkopf gebrochen gewesen sei. Sein Kehlkopf sei gebrochen, als er fünf Tage vorher in seinem Haus stürzte. Und schließlich ist da noch diese hässliche rote Strangmarke um seinen Hals. Für die hat das Gutachten keine eindeutige Erklärung, hier stellt die Rechtsmedizinerin nur verschiedene Vermutungen an.

Klar ist, dass F. zu Hause stürzte. Seine Frau habe ihm das Abendessen serviert und ging dann noch einmal in die Küche, sagte mir einer der Söhne F.s. Als sie ins Esszimmer zurückkehrte, lag ihr Mann auf dem Steinfußboden. Vielleicht sei er gestolpert. Im Esszimmer lagen damals mehrere kleine Teppiche, die schon mal verrutschten oder Falten schlugen.  Die Frau habe wohl versucht, ihm aufzuhelfen, schaffte das aber nicht. Also rief sie den Rettungswagen, der Rudolf F. ins nur wenige Kilometer entfernte Klinikum brachte.

Dort kam Rudolf F. wenig später in die CT-Röhre. Was auf den CT-Bildern zu sehen war, kann heute nicht mehr überprüft werden, denn sie sind verschwunden. Immerhin gibt es einen schriftlichen Bericht. Der beschreibt laut dem rechtsmedizinischen Gutachten, dass sich ein Halswirbel nach vorn verschoben hatte. Das legt nahe, dass Rudolf F. mit der Hinterseite des Halses auf eine Kante geschlagen sein muss, sagt der Rechtsmediziner Carsten Hädrich, der F.s Leiche obduziert hat. Auch Frau Mall schließt das nicht aus. Außerdem sei das vordere Längsband gebrochen, das die Wirbelsäule zusammenhält, heißt es weiter im Gutachten. So eine Verletzung ist schmerzhaft, aber nicht tödlich.

Der CT-Bericht enthält dagegen keinen Hinweis auf den gebrochenen Kehlkopf. Der Radiologe hat den Bruch entweder übersehen, oder der Kehlkopf war intakt, als F. in die Klinik kam. Wäre er bei der Einlieferung unversehrt gewesen, würde das den Verdacht nahelegen, dass Rudolf F. in der Intensivstation getötet wurde. Als Ursache für den Verschlucker käme der Kehlkopfbruch dann nicht in Frage. Rechsmedizinerin Mall notiert dazu salopp in ihrem Gutachten: „Dass der Abbruch des rechten oberen Kehlkopfhornes im CT-Befund des Halses nicht beschrieben wird, spricht nicht gegen das Vorhandensein desselben bei Durchführung des CT kurz nach Klinikaufnahme, da es sich beim oberen Schildknorpelhorn um eine sehr feine und kleine anatomische Struktur handelt, die auf CT-Aufnahmen nicht sicher erkennbar ist.“ Dass diese Formulierung kein Ausrutscher war, offenbart ein Schreiben Malls an die Staatsanwaltschaft. Auch darin heißt es, dass „dieser negative Befund das Vorliegen einer Fraktur jedoch keineswegs ausschließt“. Ein Beweis dafür, dass der Kehlkopf beim Einliefern in die Klinik schon gebrochen war, ist dieser Hinweis freilich erst recht nicht.

Das Gegenteil legt eine Untersuchung der Pathologen Guido Sauter und Jozef Zustin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf nahe. Sie untersuchten ein Präparat des Kehlkopfes und urteilten, er sei erst kurz vor dem Tod gebrochen. Das sei daran zu sehen, dass kein Heilungsprozess eingesetzt habe. An dieser Meinung halten sie fest, auch, wenn die Jenaer Rechtsmedizinerin Mall und der von der Meininger Staatsanwaltschaft beauftragte Zweitgutachter Hansjörg Bratzke aus Frankfurt/M., eine andere Erklärung dafür präsentieren. F. habe Kortison erhalten, das Heilungsprozesse hemmt. Das wollte ich genauer wissen und habe den langjährigen Berliner Rechtsmedizinchef Prof. Volkmar Schneider dazu befragt. Schneider antwortete, diese Frage zähle nicht mehr zum rechtsmedizinischen Fachgebiet. Mall und Bratzke hätten hier besser einen Kliniker konsultiert. Im übrigen wundere er sich, dass das Kortison zwar einerseits die tödliche Lungenentzündung nicht eindämmen konnte, andererseits aber die Heilung des Kehlkopfes verhindert haben soll.

Mysteriös ist das Verschwinden der CT-Aufnahmen. Es ist zudem ein Verstoß gegen die Aufbewahrungspflicht von mindestens zehn Jahren. Klinik-Chef Joachim Schaar sagte auf meine Anfrage: „Die Staatsanwaltschaft hat die Röntgenbilder verschlumpert“. Die Bilder hätten nur als analoges Film-Abbild vorgelegen. Ein digitales Röntgenarchiv habe die Klinik erst später angeschafft. Am 4. September 2007 habe die Kripo per Gerichtsbeschluss die Bilder beschlagnahmt. Zur Klärung trägt Schaars Antwort nicht wirklich bei. Offenbar wurde Rudolf F. nämlich niemals geröntgt, sondern allein im CT durchleuchtet. Wie CT-Bilder auf analoge Weise verschwinden können, ist bisher nicht zu herauszufinden. Unter Berufung auf den Daten- und Patientenschutz beantwortet die Klinik keine Fragen mehr zu dem Fall.

Außerdem verschwanden die Bilder nicht bei der Staatsanwaltschaft, sondern bei der Rechtsmedizin in Jena. In einem zerknirschten Brief an die Leitende Oberstaatsanwältin in Meiningen, Bettina Keil, räumt Frau Mall das ein. „Leider sind diese Aufnahmen nicht auffindbar“, schreibt sie. „Dafür möchte ich mich vielmals entschuldigen“.

Als „auffälligsten Befund“ nennt ihr Gutachten freilich die in der Tat unübersehbare Strangulationsmarke „mit einer Breite von 1,5 cm“. Umso auffälliger ist freilich, dass ausgerechnet die Ursache dieser Strangulationsmarke nicht aufgeklärt wird. „Letztlich bleibt unklar, wie es zu den Verletzungen am Hals gekommen sein kann“, schreibt Mall in ihrem Gutachten. An einer Stelle spekuliert sie, F. habe sich vielleicht in Selbstmordabsicht selber stranguliert, verwirft diesen Gedanken dann aber gleich wieder, weil es dafür keinen Anhaltspunkt gebe. Mit dem Sturz auf eine Stuhlkante sei die Strangmarke „ohne weiteres“ auch nicht zu erklären.

Dass Rudolf F. zu Tode stranguliert worden sein könnte, bezweifelt Mall entschieden und nennt im wesentlichen drei Gründe, die dagegen sprechen sollen.

  • 1. Eine Drosselung könne „für den Tod nicht unmittelbar kausal sein, da sie dem Tod nicht unmittelbar vorangegangen ist, da keine Punktblutungen als morphologisches Korrelat eines hämodynamisch wirksamen Drosselmanövers bei der Obduktion nachweisbar waren.“

Diese Schlußfolgerung widerspricht allerdings dem Bericht der Obduzenten, dessen Resultate ebenfalls in dem Gutachten niedergelegt sind. Demnach gab es Punktblutungen, und zwar an den Augenlidern und den Wangenschleimhäuten. Solche Punktblutungen entstehen, wenn sich – wie beim Drosseln – Blut staut und die Blutgefäße diesem Druck nicht standhalten. Auf Anfrage bestreitet Frau Mall vehement, dass diese Punktblutungen als Anzeichen für ein „Stausyndrom“ interpretiert werden könnten, weil es keine anderen Anzeichen dafür gebe. Aber diese Aussage stimmt so auch nicht. Im neuropathologischen Sektionsbericht wird eine „stärkergradige Stauung der Hirngefäße mit kleinen perivasalen Blutungen (Stauungsblutungen)“ beschrieben. Außerdem seien die Nervenzellen durch massiven Sauerstoffmangel verändert, und zwar „hochgradig akut“.

Außerdem kann eine Drosselung auch mit Zeitabstand tödlich wirken. Beispiele hier.

  • 2. Ein Drosseln wäre in der Klinik aufgefallen, weil Rudolf F. an Überwachungsgeräte angeschlossen war. Selbst, wenn das akustische Signal abgestellt gewesen wäre, hätte das „Blinken eines Lämpchens im Stationsstützpunkt“ dafür gesorgt, dass das „Pflegepersonal zeitnah das angezeigte Zimmer aufgesucht hätte“.

Bei dieser Schilderung beruft sich Frau Mall auf ein Treffen am 30. Juni 2008 in der Meiniger Klinik, also fast ein Jahr nach dem Tod des Rudolf F. An diesem Treffen nahmen Dr. M., Dr. B., Frau Dr. J., Frau Dr. M., Frau H. und Herr K. von der Meininger Klinik teil, außerdem zwei Kriminalbeamte, die ermittelnde Staatsanwältin, eine Oberärztin der Jenaer Rechtsmedizin und Frau Mall. Die Versicherung, der Alarm wäre aufgefallen, stammte offenbar von den Klinikärzten. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es offenbar nicht.

  • 3. Gegen ein Erdrosseln spreche „auch das vollständige Fehlen von Schürfungen durch tangentialen Druck bei Zuziehen des Drosselwerkzeuges“.

Im Sektionsprotokoll, auf dass sich Frau Mall bezieht, ist das Fehlen von Hauptabschürfungen aber „nicht explizit vermerkt“, teilte mir Obduzent Hädrich mit. Außerdem weist er darauf hin, dass keiner der Gutachter, auch nicht Frau Mall, „den Hals der Leiche selbst gesehen hat“. Anders Hädrich, der sie obduziert hat. Er fragt: „Was untermauert also die Annahme, es gäbe keine drosseltypischen Schürfungen am Hals?“

Am Ende bleibt Frau Mall bei dieser Vermutung hängen: „Da ausweislich der geklagten Schmerzen von Herrn F. der Verdacht auf eine Halswirbelsäulenverletzung bestand, wurde dem Patienten eine sog. stabile Halskrause oder ein sog. Stiffneck angelegt“. Der Rettungsassistent habe ausgesagt, er habe dafür zuerst das Hemd aufknöpfen müssen. „Möglicherweise wurde Textilmaterial des Hemdkragens mit dem Stiffneck an die Halshaut gedrückt“, spekuliert die Rechtsmedizinerin. Auf der Intensivstation habe F. dann eine weiche Halskrause erhalten. Dass die Strangmarke beim Wechseln nicht auffiel, könne „durch den Zugang von der rechten Seite an das Patientenbett und die spärliche Beleuchtung hinreichend erklärt werden“. Die weiche Halskrause habe dann die Wunde verdecken können. Sie sei erst bei der Leichenschau bemerkt worden.

Womit die nächste Ungereimtheit zutage tritt. Im ärztlichen Verlaufsbericht, der im rechtsmedizinischen Gutachten wiedergegeben ist, finden sich nämlich gleich drei Zeitpunkte für Leichenschauen.

  1. Um 4.51 Uhr wurde der Tod des Rudolf F. festgestellt. Dieser Zeitpunkt ist auch im Totenschein vermerkt.
  2. Um 8 Uhr gab es offenbar eine weitere Leichenschau. Bei der war offenbar auch ein Kripobeamter dabei.
  3. Um 9.26 Uhr schließlich vermerkt das Gutachten: „3. Leichenschau“. Der Befund dieser dritten Leichenschau stellt die offizielle Todeszeit in Frage, denn hier heißt es an einer Stelle „keine Leichenstarre“, an einer anderen „beginnende Kieferstarre“.

Prof. Schneider stellt dazu fest: „Bei diesen Zeitangaben hätte ich schon eine deutlichere Totenstarre in den Kiefergelenken erwartet, auch eine wahrnehmbare Leichenstarre in den großen Gelenken“. Der Befund der dritten Leichenschau spreche dafür, dass Rudolf F. frühestens zwei Stunden vorher starb, also um 7.26 Uhr oder danach.

Die Beteiligten, über diese Widersprüche schriftlich befragt, hüllen sich in Schweigen. Das Klinikum Meiningen bittet „nochmals – und auch letztmalig – um Ihr Verständnis, dass wir zum Todesfall Rudolf F. […] keinerlei Auskünfte geben können, da wir in dieser Sache der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen“. Frau Mall erklärt sich für nicht zuständig und verweist auf Klinik und Staatsanwaltschaft. Oberstaatsanwältin Bettina Keil behauptet in ihrer schriftlichen Antwort: „Ausweislich der Akten und der darin befindlichen Gutachten wurde nur eine Leichenschau – in Anwesenheit der Kripo und der diensthabenden Ärztin – durchgeführt“. Außerdem schreibt Frau Keil: „Im Anschluss daran fand eine Obduktion statt“, was in dem Sinne stimmt, dass die Leiche erst vier Tage später obduziert wurde. Der Grund für diese Verzögerung ist nicht in Erfahrung zu bringen.

Ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren hat die Staatsanwaltschaft nach dem Tod von Rudolf F. nicht eingeleitet. Es gab nur ein Todesermittlungsverfahren, das klären sollte, ob ein Verbrechen vorliegt oder nicht. Es wurde eingestellt. „Wenn Sie mit diesem Gutachten einem Verdächtigen einen Vorhalt machen, zeigt der Ihnen ein Vögelchen“, begründete ihr Sprecher Thomas Waßmuth diese Entscheidung. Allerdings haben sich die Ermittler die Sache auch leicht gemacht und andere Sachverständige nicht gerade engagiert angesprochen, als die Widersprüche in dem Fall öffentlich wurden. Umso ehrgeiziger fahndet eine andere Staatsanwaltschaft, nämlich die in Gera, jetzt nach meinen Informanten. Anlass dafür ist eine Strafanzeige der Jenaer Rechtsmedizin-Chefin.

„Insgesamt erscheint ein Angriff gegen den Hals bei Herrn F. im Verlauf des Intensivaufenthaltes nahezu ausgeschlossen“, resumiert Frau Mall in ihrem Gutachten. Wie er wirklich starb, bleibt vielleicht für immer ungeklärt.

Wie bequem!

10 Kommentare
  1. Martin Gehn sagte:

    Ist ein bisschen langatmig und dadurch auch langweilig. Die Rechtschreibung / Grammatik laesst zu wünschen übrig.

    Antworten
    • gerlach sagte:

      langweilig fuer menschen die inholviert sind und die wahrheit kennen vielleicht
      wenns fuer sie langweilig ist dann lesen sie doch besser bummi buecher.

      *rechtschreibfehler zu ihrer belustigung eingebaut

      Antworten
  2. Michael Dorian sagte:

    Lieber Herr Lemmer,

    Unabhängig davon, dass es tatsächlich eine Menge Ungereimtheiten gibt, dass Unterlagen verschwunden sind und dass mir irgendwie das Motiv für ein Tötungsdelikt fehlt möchte ich – als internistisch tätiger Intensivmediziner, der sein AiP in der Pathologie absolviert hat ein paar Kommentare hinterlassen:

    1) Die Leichenstarre ist erstaunlich variabel; ich habe Patienten gesehen, die noch nach Stunden keine echte Leichenstarre ausbilden (vor allem, wenn sie lange auf Intensivstation gelegen haben und die Muskulatur dadurch sehr geschwächt gewesen ist), als auch Patienten, die knapp 1/2 Stunde nach dem Tod deutliche Zeichen einer Totenstarre ausbilden (vor allem Menschen mit starkem Muskelzittern / Muskelarbeit vor dem Tod). Die beschriebenen Zeichen einer erst beginnenden Leichenstarre 4:39 nach dem Tod eines Patienten würde ich also durchaus als selten, aber möglich beschreiben.

    2) Die Gabe von Kortison ist bei Lungenentzündungen dem Heilungsprozeß nicht förderlich. Sie wird eher bei Entzündungen der Atemwege, konkret bei akuten Asthmaanfällen oder einer akut exazerbierten chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung („COPD“, „Raucherlunge“) indiziert sein. Es gibt allerdings Intensivmediziner, die bei einer schweren Sepsis („Blutvergiftung“) geringe Dosen eines Kortisonabkömmling propagieren, obwohl die Daten hierfür eher gemischt sind (wie fast immer in der Intensivtherapie). Unabhängig davon kann eine solche Sepsis, aber auch das deutlich fortgeschrittene Alter den Heilungsprozeß deutlich einschränken. Bei hochbetagten Patienten sehen wir auf Boden eines allgemeinen katabolen Zustands oft, dass zum Beispiel Hautabschürfungen gar nicht oder sehr zögerlich eine Heilungstendenz zeigen.

    3) Selbstredend klingelt und hupt es auf Intensivstation immer, und nicht immer wird darauf reagiert. Eigentlich sollte aber jeder Alarm dokumentiert werden und für – in der Regel 48h – auch gespeichert werden, zumindest wenn es sich um einen Alarm der höchsten Priorität handelt. Ein sanftes Drosseln würde aber nur verzögert und dann auch eher einen Alarm niedriger Priorität auslösen – weil die Sauerstoffsättigung fällt, ein häufiger Alarm, der in der Regel durch Fehllage der Sonde und seltener durch einen echten Sauerstoffmangel ausgelöst wird. Bei längerem oder heftigeren Drosseln kommt es aber in der Regel zu einer Tachy- oder Bradykardie („schneller oder langsamer Herzschlag“), und einem deutlicheren Abfall der Sättigung, dies löst in der Regel einen Drei-Sterne-Alarm oder roten Alarm („Alarm höchster Priorität) aus, der tatsächlich fast nie ignoriert wird.

    4) Natürlich ist ein Tötungsdelikt in der Zusammenschau – Kehlkopffraktur, eine typisch Verletzung bei Strangulationen – mit Drosselmarken, petechialen Einblutungen der Oberlieder („punktförmig“) und deutlichen Zeichen einer Hirnstauung – möglich, ja nicht mal unwahrscheinlich.
    Auch würde ich Ihnen Recht geben, in Ihrer Auffassung, dass eine Kehlkopffraktur eher nicht durch einen Stürz auf den Nacken / Rücken entstehen kann.
    Die oben bereits gestellte Frage nach dem Motiv eines Tötungsdeliktes ergibt sich daraus aber natürlich. Warum sollte man einen 96jährigen Mann mit Aspirationspneumonie und Halswirbelfraktur auf Intensivstation mitten in der Nacht umbringen wollen? Und wer sollte dies tun? Pflegepersonal? Ärzte?

    Gruß
    M.D.

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