Es gibt neue Indizien dafür, dass der Ursprung der EHEC-Keime tatsächlich in Spanien liegt. Auch die spanischen Behörden haben ihre Ahnungslosigkeit beendet und zwei Betriebe geschlossen. Die Indizien sind beunruhigend, denn sie legen nahe, dass spanische Erzeuger schon seit Jahren eine echte Gefahr für die Gesundheit von Verbrauchern sind und dass es reines Glück ist, dass bisher so wenig passierte. Wobei sich, nebenbei, auch die Frage aufdrängt: Warum müssen Salatgurken 2423 Kilometer nach Hamburg gekarrt werden, obwohl um die Ecke auch welche wachsen?

Offenbar haben EHEC und die altbekannten Wasser-Probleme in Spanien miteinander zu tun. Schon seit langem wird kritisch wie folgenlos hinterfragt, warum ausgerechnet eine Gegend, die längst kein Grundwasser mehr hat, größter Gemüseerzeuger Europas sein muss. Nur kam bisher niemand auf die Idee, dass das nicht nur die Landschaft zerstört, sondern dass daraus auch Gefahren für die Gesundheit erwachsen.

  • Der Focus berichtet vorab von einer Schweizerin, die bei einem Betrieb in Südspanien als Erntehelferin arbeitete. Sie sei an den Symptomen des EHEC-Bakteriums erkrankt und habe außerdem beobachtet, dass mindestens zwei Betriebe ungeklärtes Abwasser zur Bewässerung der Planzen verwenden. Das könnte die Herkunft der Bakterien erklären.
  • Der Hessische Rundfunk hat Archivaufnahmen aus dem Jahr 2005 ausgegraben, die nicht nur diese Darstellung bestätigen, sondern zusätzlich nahelegen, dass das schon lange so geht und allgemein bekannt war. Ein Bauer namens David Fernandez sagt da vor der Kamera: “Manchmal mehmen wir Abwasser aus dem Klärwerk in Murcia”. Unabhängige Wasserkontrollen gebe es nicht, das Wasser werde nur “von unserer Genossenschaft kontrolliert”. Bauer Fernandez: “Was sollen wir machen – viel Wasser haben wir nicht”.
  • Spätestens das ist eigentlich ein alter Hut. Viele Böden in der Region sind wegen andauernder Trockenheit versalzen. Auch andere Kollegen staunten schon, wie dort in gewaltigem Umfang Gemüse angebaut werden kann. Die Anbaugebiete werden im Volksmund “Costa del Plástico” genannt, weil riesige Flächen unter Plastikplanen liegen, unter denen Gurken und anderes Gemüse wachsen.

Unabhängig von der aktuellen EHEC-Debatte: Wie passt es  eigentlich zu der im Prinzip richtigen Idee, bevorzugt Obst und Gemüse aus lokalem Anbau zu verkaufen, wie das die Bioläden und Supermärkte von Prenzlauer Berg bis München werbewirksam nennen? Salatgurken einmal über den Kontinent zu Kunden zu fahren, bei denen selber welche wachsen, ist eine der unerklärlichen Folgen der EU-Agrarpolitik.

Bei der Bio-Branche ist das Image-Desaster um die EHEC-Gurken merkwürdigerweise noch nicht eingeschlagen. Dass einer der betroffenen spanischen Erzeuger ausgerechnet Bioware unter hohem Wassereinsatz in der trockensten Ecke Europas produziert, ist zumindest erklärungsbedürftig.

Und schließlich die diversen Beiträge aus deutschen Amts- und manchen Redaktionsstuben:

  • Da ist das Abstimmungschaos zwischen gleich drei Bundesbehörden, Robert-Koch-Institut, Bundesinstitut für Risikobewertung und Bundesgesundheitsministerium. Die beiden Institute warnen weiter pauschal vor Tomaten, Gurken und Salat jeglicher Herkunft, obwohl immer klarer wird, dass der Ursprung der EHEC-Bakterien regional begrenzt sein dürfte. Deutsche Gewächshaus-Erzeuger sind jedenfalls nicht darauf angewiesen, aus Mangel an sauberem Wasser die Klärwerke anzuzapfen.
  • Und dann sind da ziemlich dümmliche Berichte vor allem linker Zeitungen, verstärkt von Parteigängern der Grünen. Da wird dem, der es wagt, die Spanien-Verbindung zu beschreiben, schon mal Vorurteil oder Blödheit vorgeworfen. “Die Mär vom schmutzigen Gemüse“, schwadroniert die Taz und und schreibt fast schon romantisierend von den “Folienzelten in der Provinz Almeria …, die Europas Essentisch decken”.

Vielleicht sollte die Zentrale für politische Korrektheit nochmal in Klausur gehen und abwägen, ob ausnahmsweise auch die Realität eine Rolle spielen darf.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.