Die täglichen Berichte über das lebensgefährlich EHEC-Bakterium werden täglich bizarrer. Seit Wochen beschäftigen sich allein in Deutschland mindestens 20 Behörden damit (16 Landesverwaltungen, zwei Bundesinstitute, zwei Bundesministerien). In den Labors des Landes werden unzählige Überstunden geschoben. Bisher ist dabei nur eine Melange aus Hysterie und Chaos herausgekommen. Die einzige beständige Erkenntnis dagegen scheint, jedenfalls in der öffentlichen Darstellung, keine Rolle mehr zu spielen: Praktisch alle Erkrankungsfälle haben mit Hamburg zu tun.

Zur Klärung ein paar Grundtatsachen:

  • Das EHEC-Bakterium entsteht im Darm von Huftieren. Wenn es von dort in die Mägen von Menschen gerät, ist zwischendurch ein Malheur passiert. Zum Glück passiert das sehr selten. Die gemeldeten 1500 Fälle sind bei 80 Millionen Einwohnern nicht besonders viel. Das dafür Millionen Tonnen frisches Gemüse vernichtet werden, ist skandalös.
  • Bemerkenswert ist, dass unterschiedliche EHEC-Stämme auf Gurken aus Spanien gefunden wurde. Es sind nicht die Stämme, die für die Hamburger EHEC-Welle verantwortlich sind. Spanien nimmt das zum Anlass, zu triumphieren und Schadensersatz zu fordern. Besser wäre es, Spanien würde mitteilen, wie Gülle-Keime auf seine Gurken kommen, obwohl dort angeblich nicht mit Gülle gedüngt wird. Den Verdacht, wegen Wassermangels würde ungeklärtes Abwasser auf die Kulturen geleitet, übergehen spanische Bauern und spanische Regierung auffallend schweigend.
  • Woher der aggressive Hamburger EHEC-Stamm letztlich kommt, ist noch ungeklärt. Klar ist nur, dass er irgendwie mit Hamburg zu tun haben muss. Das legen die Infektionswege nahe. In Hamburg konzentrieren sich die meisten Fälle, gefolgt vom norddeutschen Umland. Die Infizierten in Berlin und anderen Bundesländern sagen in auffälliger Häufigkeit, dass sie gerade zu Besuch in Hamburg waren. Dasselbe gilt für die Infizierten in anderen europäischen Ländern. Manche Zeitungen sprechen jetzt von einer europäischen Epidemie, aber das ist Unsinn. Unter den 43 infizierten Schweden waren fast alle kürzlich in Hamburg. Die beiden angeblichen Österreicher sind in Wahrheit Hamburger, die dort unmittelbar nach ihrer Ankunft am Urlaubsort erkrankten.

Ärgerlicherweise gibt es immer noch Neuinfektionen. Die Bakterienquelle sprudele noch, sagt die Armada der amtlichen Experten. Und offenbar, auch das legen die Zahlen nahe, sprudelt sie immer noch in Hamburg.

 

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