Deutsche Tomaten sind offenbar auch in Zeiten von EHEC, was sie immer waren: lecker und gesund

Vielleicht kennt noch nicht jeder das Bundesinstitut für Risikobewertung. Es gehört zum Bundesgesundheitsministerium und sitzt in Berlin in den Räumen des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes im bürgerlichen Stadtteil Dahlem. Es spielt im Umgang mit den EHEC-Keimen eine zentrale Rolle, wird von den meisten Nachrichtenredaktionen aber erstaunlicherweise in Ruhe gelassen. Möglicherweise wird das Bundesrisikoinstitut auch nur deshalb so ungern zitiert, weil es einen so langen Namen hat. Die Prügel für eine chaotische Öffentlichkeitsarbeit bezieht jedenfalls gerade das Robert-Koch-Institut, ebenfalls eine Einrichtung des Bundesgesundheitsministeriums – offenbar zu Unrecht.

Es geht dabei um die Warnung vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Gurken und Salatblättern vor allem in Norddeutschland. Diese Warnmeldung ist unpräzise formuliert und stürzt etliche Landwirtschaftsbetriebe gerade unnötig in Schwierigkeiten. Als Überträger des Keims kommen nämlich nur Produkte in Frage, die mit Gülle oder ähnlichen Verunreinigungen in Kontakt kamen. Gülle wird in Gewächshäusern aber nicht verwendet. Dort wächst das Gemüse meistens in künstlichen Böden unter ziemlich septischen Bedingungen. Freilandgemüse, erinnerte heute das Landwirtschaftsministerium in Schleswig-Holstein, sei in unseren Breiten noch kaum erntereif. Urheber der Alarmmeldung sind gemeinschaftlich das Robert-Koch-Institut, das als medizinisches Forschungsinstitut einen exzellenten Ruf hat, und das Bundesrisikoinstitut, das – wie gesagt – niemand kennt.

„Auf des Messers Schneide“

Dafür scheint es im Hause des neuen Gesundheitsministers Daniel Bahr eine starke Lobby zu haben. Das Ministerium teilte heute mit, nichts zum Thema EHEC mitzuteilen. Dafür sei das Robert-Koch-Institut da. Dort habe ich heute mit Menschen telefoniert, die offenbar von etlichen Anfragen genervt wurden, auf die sie keine wirkliche Antwort geben konnten und die offensichtlich in einer misslichen Lage stecken: Sie scheinen, so war es von einigen zu hören, nicht mehr viel davon zu halten, Tomaten und Salat jedenfalls aus deutschen Landen pauschal in ihre Warnung einzubeziehen, weil fachlich offenbar nichts dafür spricht, davor zu warnen. Sagen dürfen sie das freilich nicht. Darum verweisen sie den Fragesteller weiter – an eben jenes Bundesrisikoinstitut.

Dessen Sprecher nannte mir zunächst ein paar durchaus plausibel klingende Gründe, warum weiter gewarnt werde, als seien die spanischen Keim-Gurken nicht gefunden worden. Die Krankheit, die die Bakterien auslösen, sei derart gefährlich, dass man stärker auf Sicherheit setzen müsse als in anderen Fällen. Und ungeklärt sei auch, ob wirklich alle Krankheitsfälle, von denen man bisher weiß, mit den spanischen Gurken zu erklären sind.

Nach einigem Nachbohren meinte er aber auch, die Warnung stehe im Lichte der neuen Erkenntnisse „auf des Messers Schneide“.

Der Vorwurf der Leichtfertigkeit, den Politiker aller Parteien, am deutlichsten der Landwirtschaftsminister Mecklenburg-Vorpommerns, Till Backhaus (SPD), äußerte, scheint demnach berechtigt zu sein. Nur der Adressat, an den Backhaus ihn richtete, ist offensichtlich der falsche. Backhaus attackiert mit scharfen Worten das Robert-Koch-Institut. Es handele verantwortungslos. Der Vorwurf müsste sich an das Bundesrisikoinstut richten. Das, so mein Eindruck aus den Äußerungen aus dem Robert-Koch-Institut, beharrt gegen bessere Einsicht auf Dramatisierung und Übertreibung.

Vertrauen wächst so nicht. Eher stellt sich die Frage, wofür ein Bundesrisikoinstitut überhaupt notwendig ist.

1 Antwort
  1. Kurt Hildwein sagte:

    Ich könnte mir vorstellen, dass der Erreger auf dem Milchsektor zu finden ist.
    Grund:
    1. Es sind überwiegend Frauen gestorben, die trinken vermutlich auch mehr Milch.
    2. Der Erreger hängt mit Rindern zusammen, die Milch auch.
    3. Vielleicht irgendwo mangelhafte Sauberkeit im Stall ?
    4. Sind in den Molkereien alle Geräte in Ordnung ?

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