Noch ist auf dem Start-Bildschirm von Diaspora nicht viel zu sehen

Die ersten funktionierenden Installationen der Facebook-Alternative Diaspora, genannt Seeds, sind im Netz verfügbar. Mangels Diaspora-Freunden kann ich noch nicht sagen, ob dahinter Potential für ein Facebook-Feeling steckt. Der Startschirm sieht hübsch aufgeräumt aus, was natürlich auch daran liegt, dass viele Funktionen noch nicht eingebaut sind. Es handelt sich um eine Pre-Alpha-Version, die die ersten Findigen aus dem Quellcode kompliliert und auf einem Server installiert haben. Hier die Adressen der zwei ersten Seeds: diaspor.us und diasporahosting.eu (letzterer ist noch sehr langsam). Mit-Tester sind herzlich willkommen.

Freilich tauchen jetzt, wo der Quellcode für Diaspora vorliegt, die ersten heiklen Fragen auf. Zunächst die, wie die Seeds miteinander kommunizieren. Sinnloserweise konnte ich bei beiden jeweils identische Profile einrichten. Das ist natürlich ganz und gar gegen die Absicht der Erfinder. Diaspora ist zwar als dezentrales Gemeinschaftsnetz geplant, das es jedem freistellt, eine eigene Installation zu nutzen oder sich anderswo zu registrieren. Ein Netz mit der Aussicht, die kritische Masse zu schaffen, wird aber natürlich nur dann daraus, wenn ich auch mit Freunden oder Kollegen Kontakt halten kann, die auf anderen Seeds unterwegs sind als ich. Dieser Frage widmen sich inzwischen auch die ersten Mitglieder der sich neu gruppierenden Entwicklergemeinde und erörtern gerade die Idee eines Masterservers, der eine Art zentrale Profilnamenverwaltung übernehmen könnte.

Als echtes Problem könnte sich der Umstand erweisen, dass die Diaspora-Autoren sich relativ exotischer Programmierumgebungen bedient haben, die mit den Anforderungen der meisten Webhoster nicht zusammenpassen. Als Programmiersprache wählten sie Ruby on Rails, als Datenbank MongoDB. Webweiter Standard sind aber PHP und SQL. Die Anfrage bei meinem Webhoster Manitu, ob eine solche Installation auf seinen Servern möglich ist, fiel dann auch eindeutig aus: Nein. Dabei ist Manitu schon einer der flexibelsten und servicefreundlichesten Hoster auf dem Markt. Entsprechend kritisch fallen einige Kommentare in den Diaspora-Foren aus. Mal sehen, welche Lösungen da noch kommen.

2 Kommentare
  1. Benjamin sagte:

    Immer langsam. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Programmierer wissen, was sie tun, zumal sie mit den besten Leuten aus der Branche zu tun hatten, z.B. den Programmierern von Mozilla.
    Ich denke, dass es so sein wird, dass mit Absicht diese Sprachen gewählt wurden, weil sie für das Vorhaben perfekt zugeschnitten sind und dann eine Art „Übersetzer“ hinzu programmiert wird, weil sonst wird es ja auf dem späteren Heimpc des Laien niemals funktionieren.

    Das ist eine prealpha Version. Da braucht man sich nichts großes erwarten. Die ist nur für Freaks und Profis! Wichtig ist nur, dass es nicht so wird wie bei Linux, dass dann das Projekt in tausend Einzel-Diasporas zerfällt und man sich dann soz. zwischen Suse, Ubuntu, Fedora etc. entscheiden muss. Und wenn mich das Internet eins gelehrt: Geht nicht, gibt´s nicht!

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  2. bitterlemmer sagte:

    Es ist ja auch jetzt schon so, dass der Quelltext für diverse Systeme kompilierbar ist, am einfachsten übrigens für Mac, weil Ruby on Rails in OS X serienmäßig vorinstalliert ist. Die Pre-Alpha (war mir schon klar, dass es sich um eine solche handelt) ist gleichwohl auch auf dem Mac nur eine Sache für Experten mit Erfahrung an der Kommandozeile. Aber es dürfte sicher nur eine Sache von Tagen sein, bis Installationspakete verfügbar sein werden, die per GUI bedienbar sind. Die Entwickler haben ja erklärt um den Oktober herum werde es brauchbare Versionen für Normalanwender geben. Wie sie es anstellen, trotz dezentraler Seed-Struktur eindeutige User-IDs hinzubekommen, darauf bin ich gleichwohl gespannt.

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