Bahnt sich jetzt eine Wende im Fall Peggy an? Die Bayreuther Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes gegen Thorsten Engelhardt* (29) aus Halle eingeleitet. Das berichten wir heute bei Antenne Bayern. Der Chef der Bayreuther Staatsanwaltschaft, Herbert Potzel, bestätigte unsere Information.

Engelhardt ist der Mann, den Ina Jung und ich schon in unserem Buch als Verdächtigen beschreiben. Er hat Peggy im Sommer 2000, also rund ein dreiviertel Jahr vor ihrem Verschwinden, kennengelernt. Er gehört zur Familie der damaligen Nachbarn, die in Lichtenberg in demselben Haus wohnten wie Peggy mit ihrer Familie. Für die Polizei war er schon damals einer der Hauptverdächtigen. Die Ermittler haben die Spur aber fallenlassen, nachdem sie das Geständnis des geistig minderbemittelten Ulvi Kulac hatten.

Das war womöglich ein fataler Fehler. Engelhardt wurde letzten Februar zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, weil er seine zur Tatzeit 2 Jahre alte Tochter missbrauchte. Das LKA Sachsen-Anhalt hatte bei einer Internet-Tauschbörse Fotos entdeckt, die ihn mit seiner Tochter zeigen. Anhand der IP-Adresse konnte seine Adresse ausfindig gemacht und auf den Fotos seine Tochter, er selber und seine Wohnung identifiziert werden.

Engelhardt hat mittlerweile einen weiteren Kindesmissbrauch gestanden, der jetzt ebenfalls Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens ist. Bei diesem Opfer handelt es sich um ein 9 Jahre altes Mädchen. Zudem läuft ein weiteres Verfahren, weil sein Bruder ihn angezeigt hat. Auch dessen Tochter soll er missbraucht haben. Im ganzen sind damit jetzt vier Fälle aktenkundig – das Urteil wegen seiner Tochter, zwei Ermittlungsverfahren wegen Missbrauchs kleiner Mädchen und jetzt auch Peggy.

Engelhardt war nach Peggys Verschwinden ins Visier der Polizei geraten, weil die Ermittler in einem ihrer Schulhefte einen mit seiner Handschrift beschriebenen Zettel mit seiner Telefonnummer fanden. Als die Beamten ihn nach seinem Alibi fragten, behauptete er, er sei an diesem Tag in Halle in der Berufsschule gewesen. Das stellte sich nach Überprüfung allerdings als Lüge heraus. Den Beamten fiel auch auf, dass er um den Hals ein Medaillon mit Peggys Foto trug und in seinem Zimmer so etwas wie einen Schrein mit Erinnerungen an sie errichtet hatte. Im Verhör fragten die Polizisten, ob Peggy je von seiner Telefonnummer Gebrauch gemacht und ihn angerufen habe. Er verneinte. Ob er sich darüber nicht gewundert habe, wenn er das Verhältnis zu ihr doch ansonsten als geschwisterlich schilderte? Ja, sagte er damals, das habe ihn schon gewundert.

Das neue Ermittlungsverfahren gegen Engelhardt im Fall Peggy fällt mit der Prüfung des Wiederaufnahmeantrags für Ulvi Kulac zusammen. Derzeit wertet die Staatsanwaltschaft Bayreuth den Antrag noch aus. Sie will im Oktober ihre Stellungnahme dazu abgeben. Dann muss das Gericht entscheiden, ob der Prozess gegen Ulvi von vorn geführt wird. Die Ermittlungen gegen Engelhardt haben keinen unmittelbaren Einfluss auf die Wiederaufnahme. Dieses Verfahren wird – jedenfalls für den Anfang – unabhängig davon geführt.

*Name geändert. Engelhardt ist auch der Name, den Ina Jung und ich im Buch verwenden.

1 Antwort
  1. Martina mporos sagte:

    Das buch hat mich sehr beruehrt und aufgewuehlt! Ein lob an beide autoren die nie aufgegeben haben das die wahrheit vielleicht am ende doch noch ans tageslicht kommt!

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