Wer auf der empfehlenswerten Suchmaschine duckduckgo.com nach Sepp Blatter sucht, bekommt neben diversen Suchergebnissen zusätzliche Suchempfehlungen angeboten. Wenig überraschend findet sich da auch der Begriff “corruption”. Woran das wohl liegt? Blatters neuester Geniestreich dürfte dem Verdachtskonto einen weiteren Punkt hinzufügen. In Brasilia trotzte er der Regierung die Zusage ab, das Land werde für die WM 2014 den Ausschank von Bier in den Stadien erlauben. Normalerweise herrscht in brasilianischen Stadien striktes Alkoholverbot. Dummerweise ist einer der Hauptsponsoren aber der Produzent der faden US-Budweiser-Plörre. Blatter formulierte die Einigung mit Brasiliens Regierungschefin Dilma Rousseff so: “Nach einem guten Treffen sind wir zum Schluss gekommen, dass die brasilianische Bundesregierung und die Fifa zusammenarbeiten und engere Bande knüpfen müssen, damit wir eine der größten Weltmeisterschaften aller Zeiten ausrichten können.”

Vorangegangen war offenbar eine umfangreiche Bearbeitung der Parlamentarier, von denen sich einige strikt gegen die Aufhebung des Alkoholverbots wandten. Schließlich erklärte Sportminister Aldo Rebelo, eine Mehrheit sei bereit, das Gesetz für die Fifa und Herrn Blatter zu ändern.

Der Vorgang ist in jeder Hinsicht ein schlechter Witz. Dass kollektiver Alkoholpegel schon manche Stadion-Besatzung ausflippen ließ, ist exakt der Grund für die Ausschankverbote in Brasilien und anderswo. Insoweit ist das Verhalten der Fifa verantwortungslos. Und in einem demokratischen Land wie Brasilien werden Gesetze eigentlich vom Parlament in der Hauptstadt beschlossen und nicht in der Zentrale der Fifa in der Schweiz. Insoweit ist das Verhalten der Fifa eine Anmaßung und Entmachtung demokratischer Institutionen.

Beides wäre Anlass genug für einen Boykott der WM. 2014 wird es den aber sicher nicht geben, denn vermutlich möchte jeder erleben, wie stimmungsvoll eine WM in Brasilien trotz der gierigen Fifa-Herrscher vonstatten geht. Aber danach zieht der WM-Zirkus zuerst in die Korruptionshölle Russland und dann rätselhafterweise nach Katar. Das wäre dann ein schöner Anlass, Blatter & Co. den fälligen Fußtritt zu verpassen.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.