In der angelsächsischen Welt wird das Thema Klimawandel – anders als bei uns – kontrovers diskutiert. In Deutschland steht für Politiker praktisch aller Parteien, die meisten Journalisten und praktisch alle dazu zitierten Organisationen fest, dass der Mensch für eine dramatische Klimaerwärmung verantwortlich sei und praktisch jede Konsequenz angebracht sei, daran etwas zu ändern. Das ist in den USA und England anders. Dort gibt es keinen Konsens in dieser Frage – möglicherweise zu recht.

Wer sich zu dem Thema eine Meinung bilden möchte, steht in England oder den USA vor einem Problem. Wem soll er er glauben? Genau diese Frage stellte sich das Magazin Forbes – und reichte sie weiter an 500 per Zufallsprinzip ausgewählte Mitglieder der American Meteorological Society und der American Geophysical Union. Die Resultate erleichtern die Meinungsbildung nicht, sondern verstärken den Eindruck, dass es zu dem Thema viel weniger Gewissheit gibt, als deutsche Umweltpolitiker behaupten.

Immerhin eines steht fest: 97 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass die weltweiten Durchschnittstemperaturen während des letzten Jahrhunderts  gestiegen seien. Weit weniger eindeutig fielen die Antworten auf die Frage aus, ob dieser Anstieg von Menschen gemacht sei. 52 Prozent sehen das so. 30 Prozent sagen, die Erwärmung sei die Folge natürlicher Prozesse. Die Übrigen bekannten, sie wüssten es nicht.
Recht einhellig vertreten die befragten Wissenschaftler die Ansicht, dass die künftige Entwicklung des Klimas dann doch von einem von Menschen mitverursachten Treibhauseffekt geprägt sein wird. 84 Prozent sagen das, nur fünf Prozent bestreiten es. Allerdings besagt das noch nicht viel, vor allem nicht, um welchen Betrag die Temperaturen steigen werden und welcher Schaden oder Nutzen daraus erwächst.
Also fragte Forbes, wie wahrscheinlich es sei, dass die Temperaturen in den nächsten 50 bis 100 Jahren um die – übrigens völlig willkürlich festgelegten – zwei Grad steigen, die sich die Klima-Gipfelstürmer in Kopenhagen zu vermeiden vorgenommen hatten. 56 Prozent der Wissenschaftler antworteten, die Chancen darauf stünden fifty-fifty. 19 Prozent sagten, sie seien geringer als fifty-fifty, 26 Prozent sahen sich außerstande, eine Einschätzung zu geben.
Um nicht nur mit nackten Zahlen zu jonglieren, sollten die Wissenschaftler schließlich bewerten, wie sie die Sache mit dem Klima persönlich einschätzen. Sie hatten die Wahl auf einer Skala zwischen “trivial” und “katastrophal”. 41 Prozent tippten auf Werte in der Nähe der Katastrophe, 44 Prozent hielten sich um die Mitte dazwischen, 13 Prozent halten die Folgen für eher trivial.
Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: Die Sache ist  keineswegs so klar, wie der deutsche Konsens meint.

Posted via email from | bitterlemmer |

1 Antwort
  1. Arndt Zinkant sagte:

    Sehr gute Einwände – die leider in dt. Leitmedien nicht erhoben oder diskutiert werden. Klimawandel-Berichterstattung trägt hierzulande religiöse Züge, was auch an Wortschöpfungen wie “Klimaleugner” erkennbar wird.(Warum nicht gleich Klimaketzer?)
    Daher die Frage: Ist dieser Text in einem Leitmedium erschienen? Oder von solchen mehrheitlich abgelehnt?

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.