Hinter den Kulissen: V-Mann als #NSU-Agent-Provocateur?

Es hat bei den Journalisten im NSU-Prozess ein paar erschrockene Gesichter geben, als die Süddeutsche Zeitung online titelte: Hat ein V-Mann den NSU radikalisiert? Manch ein Kollege sinnierte, ob er womöglich gleich mit einem Anruf seiner Redaktion rechnen darf und der Frage, warum die SZ-Kollegin etwas berichtet, was niemand sonst im Prozess gehört haben soll. Darum hier, was es tatsächlich zu hören gab. Ein Ermittler des Bundeskriminalamtes sagte aus, was der Kronzeuge und Mitbeschuldigte Holger G. ihm bei mehreren Verhören sagte. Unter anderem, dass es eine Art Strategiediskussion im rechten Untergrund gab. Es ging um die Frage: Gewalt oder nicht? Im harten Kern habe es drei Stimmen für Gewalt gegeben – Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos – und drei dagegen – besagter Kronzeuge G. und Ralf Wohlleben. Überdies soll aber noch ein erweiterter Kreis mitdiskutiert haben. Zu dem habe Tino Brandt gehört, Gründer des „Thüringer Heimatschutzes“ und seinerzeit V-Mann des Verfassungsschutzes. Möglicherweise stimmte Tino Brandt für die Gewaltoption. Ganz sicher ist das nicht, denn der BKA-Ermittler lieferte einen schwachen Auftritt ab. G. habe nur gesagt, wer für die unbewaffnete Variante war und überdies einen Namen genannt, dem es egal gewesen sei. Daraus, so  der Ermittler, habe er geschlossen, dass Tino Brandt für die Gewalt-Option eingetreten sein müsse. Und diese Aussage wiederum führte zu der Zeile: „Hat ein V-Mann den NSU radikalisiert?“ Die Antwort lautet: Kann sein, kann auch nicht sein.

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