holger-peggy-sterntvVermutlich passiert so etwas nicht alle Tage beim Fernsehen, dass ein Gast im Studio sitzt, der mit einer für ihn völlig neuen Tatsache konfrontiert wird, zu der er dann sofort vor der Kamera und einem Millionenpublikum Stellung beziehen soll. Das passiert zum einen deshalb selten, weil Studiogespräche und Interviews oft ziemlich durchgeskriptet sind, zum anderen, weil die meisten Sendungen ja vorab aufgezeichnet werden und unerwartete Wendungen bei Bedarf geschnitten oder wiederholt. Stern TV ist dagegen live. Und die beiden Gäste zum Fall Peggy, Susanne Knobloch und ich, kannten vorher weder den Einspielfilm noch die Fragen von Moderator Steffen Hallaschka.

Wir saßen also in unseren Sesseln, als im Studio der Film anlief und sahen auf einer Leinwand und zahlreichen Monitoren, wie der Fall noch einmal in Kurzform nacherzählt wurde – Peggys Verschwinden in Lichtenberg, die Suche der Polizei, der wahrscheinlich unschuldig wegen Mordes verurteilte geistig zurückgebliebene Ulvi Kulac, die Zweifel an den Ermittlungen, die neue Spur auf Holger E., den Bruder des Nachbarn, der in Halle wohnte und immer mal wieder zu Besuch nach Lichtenberg kam. Susanne Knobloch, die Mutter des verschwundenen Mädchens, wurde richtig starr, als sie zum ersten Mal selber dort zu sehen war und über Peggys immer schlechteren Zustand sprach, die Anzeichen für den Missbrauch beschrieb oder ihre Selbstvorwürfe darüber, die Zeichen womöglich nicht richtig erkannt zu haben.

Dann kam zum ersten Mal ein Foto ins Bild (siehe oben), das vermutlich im Sommer 2000 aufgenommen wurde und das Peggy mit eben jenem Holger E. zeigt. Der massige Mann beugt sich von hinten über das Mädchen, Peggy schaut nicht eben glücklich zur Seite. Das war der Moment, in dem Susanne Knobloch im Sessel neben mir regelrecht erstarrte. Sie war spürbar aufgewühlt. Und das war dann auch im Studiogespräch hinterher zu hören und zu sehen. Als sie dann im Interview sagte, sie habe dieses Foto noch nie gesehen, war ich baff. Das Bild war 2005 in der Nürnberger AZ abgedruckt worden. Ich dachte, sie habe es schon lange gekannt.

Nach der Sendung habe ich Sie angesprochen und nachgefragt, und sie bekräftigte was sie schon in der Sendung sagte: Sie habe dieses Foto gerade eben zum ersten Mal gesehen, Irrtum ausgeschlossen. Das wird die Wahrheit sein. Sie wohnte damals nicht im Einzugsgebiet der Nürnberger Zeitung, und online war das Bild lange Zeit nicht zu finden. Dass der Anblick wie ein Blitz bei ihr einschlug, kann ich nachvollziehen.

7 Kommentare
  1. Ralph Gaida sagte:

    Wenn meine Tochter verschwinden würde, läse ich JEDEN Bericht in JEDER Zeitung, Zeitschrift und JEDEM Magazin. ich sähe ALLE Reportagen und Berichte. Nur, damit mir nichts entgeht, was dem Auftauchen meiner Tochter dienlich sein könnte. Daher, und nur daher, überrascht es mich, dass sie den Artikel nicht kannte. Und es verwundert mich, dass die NZ sie nicht mit dem Foto konfrontiert hat. Woher hatte die Zeitung denn dieses Bild? Es sind sehr viele Fragen offen. Frau K. halte ich weiterhin, so leid es mir tut, nicht für eine gute Mutter. Meine erste Sorge gilt jedoch Ulvi, der endlich aus seiner ungerechtfertigten Einweisung befreit werden muss!

    Antworten
    • Jürgen R. sagte:

      Den Worten von Ralph Gaida ist nichts hinzuzufügen.

      Ich denke, jedes verzweifelte Elternteil, dem etwas Ähnliches wie Frau Knobloch widerfährt, hätte alle möglichen Informationsquellen angezapft mit der Bitte, sie/ihn doch über alle neuen Informationen zu unterrichten.

      Sicherlich trauert jeder anders. Und das ist zu respektieren. Aber m.E. ist insbesondere auch Frau Knobloch in der Pflicht, nach Kräften an der Aufklärung des Verbleibs von Peggy mitzuwirken. Und ich sehe nicht, dass Frau Knobloch ihren Teil dazu leistet oder geleistet hätte.

      Antworten
  2. Marius P. sagte:

    Den Worten von Ralph Gaida ist doch ein bißchen was hinzuzufügen:
    Wir drei, wie wir hier sitzen und tippen, können wohl zu keinem Zeitpunkt unseres Lebens auch nur einen Augenblick in den Kopf der Mutter hineinsehen. Deshalb wäre es nur fair, solche teilweise herabwürdigenden Aussagen gerade bei so einem Fall tunlichst zu unterlassen. Sofern man nicht selber irgendwas positives hier beitragen kann, sollte man einfach der Mutter und den Angehörigen weiterhin Kraft wünschen und hoffen, dass endlich einmal alles ans Licht kommt.

    Antworten
  3. M. Morgenstern sagte:

    Danke Marius,
    Mich wundert auch immer wieder wie Menschen so absolut sicher sind, wie sie in so einer sehr schlimmen Lage handeln würden.
    Frau K. mag für viele keine “gute” Mutter gewesen sein aber solche Mütter gibt es tausendfach in unserem Land und deren Kinder verschwinden auch nicht.
    Frau K wird mit Hass und Häme geradezu überschüttet weil man ihr die Schuld an Ulvis Unterbringung zuschreibt. Diese Schuld hat sie aber nicht. Frau K hat einen begründeten Anfangsverdacht geäußert, Ulvi hat nun mal Kinder missbraucht. Alles was danach kam hat Frau K nicht zu verantworten,sie war weder Ermittler noch Staatsanwalt oder Richter. Frau K hat Ulvi nicht verurteilt!

    Antworten
  4. Heinrich G. sagte:

    Wie würde ein liebender Vater oder eine liebende Mutter wohl in einer solch schrecklichen Situation handeln? Wie würde ICH handeln?

    Eines ist sicher: NICHT SO wie Frau K. Einer Mutter, die ihr Kind wiederfinden will, wird mit Sicherheit anders agieren, als dies Frau K. Tage und Wochen nach dem Verschwinden von Peggy – im Prinzip bis zum heutigen Tag – getan hat.

    Ich hoffe so sehr auf ein WAV, bei dem ALLE irgendwie BETEILIGTEN nochmals vernommen werden und unvoreingenommenen Ermittlern klare Auskunft geben müssen.

    Schade, dass die Ermittlungen vor 12 Jahren so versaut wurden. :-( Auch dieser damalige Skandal muss noch aufgeklärt werden.

    Antworten
  5. Gerhard Dörner sagte:

    Der Unterstützerkreis Peggy hat sich vorgenommen, bei der Suche nach Peggy mitzuwirken.
    Folge ist, wir werden in unserer Arbeit behindert zusätzliche verhöhnt und Beschimpft.
    Was soll das?
    Die Unterstützer von Gustl und Ulvi Kulac haben doch wirklich von Erfolg gekrönt.

    Herzliche Grüße

    Gerhard Dörner

    Antworten
    • Gerhard Dörner sagte:

      Entsculdigt, ich habe mich verschrieben. Es heisst natürlich” Die Arbeit der Unterstützer von Gustl Mollath und Ulvi Kulac war von Erfolg gekrönt.

      Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.