DDR-Staatschef Walter Ulbricht kam offenbar nicht von allein auf die Idee, eine Mauer durch Berlin zu bauen. Das legt die Biographie über Chinas KP-Ikone Mao Tsedong von Jung Chang nahe.

Ulbricht hatte Mao 1956 in Peking besucht. Drei Jahre vorher hatten Arbeiter in der DDR rebelliert und waren von russischen Panzern niedergewalzt worden. Bei ihrem Treffen soll Ulbricht dem chinesichen KP-Chef zunächst ein „floskelhaftes Kompliment“ gemacht haben, schreibt Jung. Mao habe gönnerhaft erwidert: „Ihr müsst uns nicht buchstabengetreu nachahmen.“ Dann erkundigte er sich, ob die SED auch hart genug gegen die rebellierenden Arbeiter vorgegangen war. „Habt ihr nach dem 17. Juni viele Aufständische eingesperrt?“

Dann schlug er seinem Gast aus Ostdeutschland ein „chinesisches Modell“ vor: die Große Mauer. Eine Mauer sei sehr hilfreich, „bestimmte Leute vom eigenen Territorium fern zu halten, zum Beispiel Faschisten'“.

Der Besuch verlief für Ulbricht auch anderweitig erfolgreich. Mao sagte ihm Lebensmittellieferungen für die DDR zu. Anders als in Ostdeutschland herrschte in China zwar eine Hungersnot, die Mao aber nicht besonders beeindruckte. Zu dieser Zeit stiftete er mehr als sechs Prozent des chinesischen BIP vorzugsweise für die osteuropäischen Länder, um dort seinen Einfluss zu stärken und als Konkurrent der Sowjetunion ernst genommen zu werden. Dank chinesischer Lieferungen konnte Ulbricht 1958 die Lebensmittelkarten abschaffen.

Drei Jahre später, als die Fluchtbewegung außer Kontrolle zu geraten drohte, riegelte er dann die Grenzen ab und ließ die Mauer bauen.

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