Ifo-Chef Hans-Werner Sinn: Griechenland heute ähnlich wie Deutschland 1929 bis 1933

Wenn Griechenland in der Euro-Zone bleibt, droht nach Ansicht von Ifo-Chef Hans-Werner Sinn schweres Ungemach. „Es ist ähnlich wie in Deutschland unter (Reichskanzler Heinrich) Brüning“, sagte er der Wirtschaftswoche. „Deutschlands Preise fielen von 1929 bis 1933 um 23 Prozent, die Löhne sanken um etwa 30 Prozent. Das Land wurde an den Rand des Bürgerkrieges getrieben“. Wollte Griechenland wettbewerbsfähig werden, müsse es 20 bis 30 Prozent billiger werden. Das sei mit dem Euro kaum zu schaffen. Trete es aus der Gemeinschaftswährung aus, dann schon. Es könne seine Währung abwerten und später zu einem neuen Wechselkurs wieder eintreten. Den Einwand, die Griechen würden dann ihre Bankkonten plündern, ließ Sinn nicht gelten. Das täten sie ohnehin schon.

6 Kommentare
  1. Peter sagte:

    Wenn die Griechen wieder die Drachme einführen und diese gegenüber abwerten, wie sollen sie dann jemals ihre Schulden bezahlen? Die müssen in Euro bezahlt werden. Ein Abwertung der Drachme um 50% gegenüber dem Euro würde mit einem einzigen Schlag die Schulden der Griechen verdoppeln. Hat der Herr Sinn das auch erklärt? Das hat er wohl vergessen …

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    • bitterlemmer sagte:

      Nein, das hat er bedacht, und andere auch. Die Antwort: Sie werden die Schulden nicht zurückzahlen. Das werden sie so oder so nicht, und das glaubt auch niemand. Darum wird es ja auch so oder so zu dem sogenannten Schuldenschnitt kommen. Unter Normalbedingungen (die die EU-Regierungen leider ablehnen) würden die Gläubiger halt auf ihren Forderungen sitzenbleiben. Genau darin besteht ja ein Konkurs. Das wären die Banken, und das käme verdient, denn die Banken haben wegen höheren Risikos auch höhere Zinsen verlangt und bekommen.

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  2. Horst sagte:

    Wohl dem Land, das einen so vielstimmigen Chor an Experten hat. Sinn ist einer derjenigen, die sich ins Gedächtnis einbrennen. Nicht wegen seiner Expertise, sondern wegen des Bartes.

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  3. Jörg Kremer sagte:

    Besonders originell finde ich das sog. Kombilohn-Modell von Herrn Sinn. Da fordert ausgerechnet der Ökonom, der wie kaum ein anderer permanent predigt, dass der Staat sich aus allem raushalten und Steuern senken soll, dass der Staat jährlich unzählige Milliarden ausgeben soll, um das Lohndumping gewisser Unternehmen zu subventionieren.

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  4. Christoph Lemmer sagte:

    Da stimme ich Dir allerdings zu. Besonders drollig wären Lohnsubventionen unter aktuellen Bedingungen deshalb, weil der Staat den so geförderten Arbeitnehmern zuerst das Geld aus der einen Tasche ziehen (Steuern und Abgaben) und dann in die andere Tasche etwas zurückstecken würde. Da könnte man gleich Steuern und Abgaben senken und hätte denselben Effekt.

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