Dass griechische Demonstranten ergriffen ein Danke in die Kameras halten, nachdem Eurorestland 130 Milliarden Euro Unterstützung freigegeben hat, mag erstmal irgendwie plausibel klingen. War aber nicht so. Das Bild, das die Süddeutsche Zeitung heute druckte, zeigt eine Occupy-Performance. Das Danke bezieht sich auf die Protestaktionen #weareallgreeks in allen möglichen Städten. Das Foto wurde von der französischen Nachrichtenagentur AFP an ihre Kunden verschickt und auch entsprechend beschriftet. Das ging bei der SZ irgendwie unter und mündete in einer gewissen Peinlichkeit.

Nicht minder oberflächlich war die von der dpa in den deutschen Nachrichtenmarkt eingespeiste Meldung, Kim Dotcom sei heute “gegen Kaution” freigelassen worden. Merkwürdigerweise findet sich nirgendwo die Höhe der Kaution. Kann auch nicht, denn Herr Dotcom musste keine Kaution zahlen. Der Frühredakteur stolperte bei den englischsprachigen Originalquellen vermutlich über das Wort “Bail”. Das bedeutet aber nur Freilassung. Kaution heißt “Bounty”. Erstaunlich finde ich, dass sogar die eigentlich fitten Kollegen bei Spiegel Online darauf hereinfielen und die vermeintliche Info einfach übernahmen.

Wir lernen daraus: Es ist riskant, professionelle journalistische Standards nicht ernst zu nehmen. Widersprüchlichkeiten oder offene Fragen zu erkennen gehört dazu. Für Online-Themen empfehle ich ansonsten nicht ganz uneigennützig diese Quelle für den Überblick am Morgen – die Sache mit der Kim-Kaution war da schon um 8 Uhr korrekt zu lesen.

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