Beate Klarsfeld beim Einchecken nach Paris. Der Herr rechts in dunkler Kleidung, der uns den Rücken zuwendet, gehört zur Aufpassertruppe der Linkspartei und ist u.a. zur Verhinderung von Interviews da

Es ist gar nicht einfach, Beate Klarsfeld zu fragen, ob es stimmt, was die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung über ihre DDR-Kontakte schreibt. Dass nämlich der Ost-Berliner Staatsapparat auf Weisung Ulbrichts ihre Kiesinger-Ohrfeige und manch anderes zumindest propagandistisch unterstützt habe. Im April 1968 soll sie nach Ost-Berlin gereist sein, um dort Verbündete zu finden. Um es vorweg zu nehmen: Sie dementiert das nicht. Sie hat meine Frage schlicht nicht beantwortet, bzw. mir eine Antwort aufgetischt, die mit der Frage nichts zu tun hatte, und das war sicher kein Versehen, denn Frau Klarsfeld ist ausgesprochen wach und schlagfertig, und ich habe drei Mal insistiert. Am Ende, als alles Ausweichen nicht half, lachte sie nur, drehte sich weg und ging zum Checkin-Schalter auf dem Flughafen Berlin-Tegel.

Denn erst dort habe ich sie überhaupt ansprechen können. Versucht hatte ich es schon vorher im Karl-Liebknecht-Haus, der Zentrale der Linkspartei. Dort stellte sich Beate Klarsfeld einigen Journalisten als Präsidentenkandidatin vor. Ich kam erst später dazu, bzw. ich kam nicht dazu, denn die beiden älteren Herren an der Pforte ließen mich ohne Presseausweis nicht ein. Das war insofern lächerlich, als Parteisprecher Alexander Fischer über mein Kommen im Auftrag einer Tageszeitung informiert war, passt aber zum autoritären Gehabe einer gekränkten Staatspartei, der gefälligst nur auf irgendeine Weise zugelassene Journalisten Fragen stellen sollten. Wenig später kam Frau Klarsfeld aber  nach draußen, umringt von Parteichefin Gesine Lötzsch und einigen Männern, unter ihnen der erwähnte Herrn Fischer, der meinen Versuch, mich der Kandidatin zu nähern, brüsk abwehrte. Sie habe keine Zeit, sie müsse ihren Flug bekommen. Ich fragte also Herrn Fischer, wie er auf die Enthüllung der FAS reagiere und ob seine Partei dazu Stellung beziehe, was er verneinte. Nachdem Frau Klarsfeld sich mit Bussi von Frau Lötzsch verabschiedet hatte, sprach ich sie an, aber sie antwortete auch nicht und meinte, dafür gebe es den Pressesprecher.

Dann setzte ich mich in ein Taxi und fuhr zum Flughafen Tegel. Ich hatte Glück, mein Fahrer fuhr ausgesprochen rasant. An der Tafel in der Haupthalle war ein Air-France-Flug nach Paris angezeigt, für den der Checkin schon im Gange war. Auf gut Glück stellte ich mich dort auf – und hatte erneut welches. Zwei Minuten später fuhr der silberfarbene Audi vor, in den Frau Klarsfeld vor der Parteizentrale gestiegen war. Ich ging auf sie zu und erkundigte mich nach ihrer vorgeblichen Fahrt nach Ost-Berlin im April 1968. Sie antwortete, sie habe im Mai, also einen Monat später, an einer Podiumsveranstaltung der APO in der TU (also in West-Berlin) teilgenommen, bei der auch Günther Grass und Johannes Agnoli sprachen. Das entspricht den historischen Tatsachen, nur hatte ich danach nicht gefragt. Also insistierte ich und fragte, ob die DDR ihre Aktion unterstützt habe. Sie sagte nicht ja, sie sagte nicht nein, am Ende lachte sie auf, und ein sie begleitender Linkspartei-Gorilla tat das seine, um die Fragestunde zu beenden, alles zu hören auf dem  Mitschnitt des Gesprächs weiter oben.

Es wird also etwas dran sein. Laut FAS berichtete der DDR-Nationalrat an das ZK der SED, er habe der Aktivistin Klarsfeld mit  „25.000 Broschüren DIN A5 ‚Die Wahrheit über Kurt Georg Kiesinger‘ von B. Klarsfeld, 250 Veranstaltungsplakate DIN A2, 5000 Klebezettel zur Veranstaltung, 50 Fotokopiesätze zum Fall Kiesinger, 5 Große Dokumentensätze zum Fall Kiesinger“ ausgeholfen.

Dazu passt, dass sich Klarsfeld nach der Kiesinger-Ohrfeige ausgerechnet von Horst Mahler verteidigen ließ, der damals ebenfalls gute Drähte in die DDR hatte. Mahler vertritt heute die exakt selben Ansichten wie damals, nur eben als Neonazi und NPD-Advokat. Antisemitisch und israelfeindlich war er schon damals, ebenso wie die SED-Kameradschaft, die Klarsfeld als Antifa-Speerspitze für sich vereinnahmte. So, wie die Linkspartei die Israel-Freundin Klarsfeld heute wieder für ihre Zwecke einspannt. Beate Klarsfeld tut, was sie tut, vermutlich aus echter innerer Überzeugung – und zur Not eben auch im Bündnis mit Zynikern, für die Antifaschismus nur ein taktisches Politik-Spielchen ist.

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