Vor mehr als 14 Jahren fanden spielende Kinder zwischen einer Baumgruppe an der Autobahn Eisenach-Dresden die Leiche einer 19-jährigen Frau. Erst jetzt ist der Fall aufgeklärt. Heute beginnt in Erfurt der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter Roland Burggraf (50). Er hat die Tat gestanden.

Es dauerte nicht nur viele Jahre, bis der Täter endlich überführt war. Schon die Suche nach der zunächst vermissten Kathrin Schmidt zog sich über Monate hin. Am 18. Oktober 1995 hatte sie sich in ihrem roten VW Jetta von Erfurt nach Großbrembach aufgemacht. Dort kam sie aber nie an. Die Suche nach ihr blieb ohne Erfolg. Ein paar Wochen später fand die Kripo zwar ihr Auto am Fuchsgrund im Norden Erfurts, von Kathrin Schmidt fehlte aber jede Spur. Über Weihnachten und den Jahreswechsel nagte die Ungewissheit über ihr Schicksal an den Nerven der Familie. Am 1. Februar 1996 stolperten dann spielende Kinder zwischen Egstedt und Rockhausen unweit der Autobahn A4 zufällig über die auf dem Bauch liegende und angesichts der Winterkälte tiefgefrorene Leiche. Sie war mit Jeans, Halbschuhen und einem schwarzen Sweatshirt bekleidet.

Schon wenig später fiel der Verdacht auf Roland Burggraf. Er war kurz vor dem Mord an Kathrin Schmidt aus dem Gefängnis entlassen worden. Noch zu DDR-Zeiten, im Jahr 1980, war er wegen Mordes und Vergewaltigung zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Da war er 20 Jahre alt. Nach der Wiedervereinigung wurde sein Strafmaß auf 15 Jahre reduziert. Den Mord an Kathrin Schmidt konnte die Kripo ihm aber nicht beweisen. Burggraf blieb in Freiheit.

Bis zum 21. Januar 1999. Da verurteilte ihn ein Richter zu sieben Jahren Haft wegen Vergewaltigung und Körperverletzung. Nicht wegen des Mordes an Kathrin Schmidt, sondern wegen eines anderen Falles. Die sieben Jahre saß Burggraf in voller Länge ab. Die Strafverfolger ließen den Fall Schmidt währenddessen ruhen. Am 17. August 2006 hatte er seine Strafe verbüßt und wurde wieder in die Freiheit entlassen. Allerdings verhängte das Gericht Führungsauflagen. Burggraf war zwar ein im Prinzip freier Mann, musste aber regelmäßig Kontakt mit einem Bewährungshelfer halten. Erst einige Wochen vor seiner Entlassung reaktivierte und verstärkte die Erfurter Kripo ihre Ermittlergruppe mit dem Ziel, Burggraf möglichst schnell des Mordes an Kathrin Schmidt zu überführen.

Im Juli 2006 wandte sich die Kripo an das Rechtsmedizin-Institut der Universität Jena. Die Ermittler setzten ihre Hoffnung vor allem in verbesserte wissenschaftliche Methoden bei der Untersuchung von Kleidung und anderen Spuren. Aber wieder dauerte es eine Weile – diesmal, bis alle noch existierenden Spuren an die Rechtsmediziner übergeben waren. Dazu gehörte auch der Mageninhalt der Ermordeten – unverdaute Gurkenstücke, die Kathrin Schmidt kurz vor ihrem Tod gegessen haben muss. Erst im November waren alle Beweismittel im Labor.

Verzögernd wirkte sich auch eine interne Personalentscheidung im Rechtsmedizin-Institut aus. Mit der Auswertung wurde nicht der Leiter des DNA-Labors beauftragt, sondern eine Nachwuchskraft mit damals noch wenig Erfahrung. Es vergingen mehrere Monate ohne brauchbare Resultate. Erst, als die Kripo Spezialisten in anderen Bundesländern und im Ausland einschaltete, änderte sich das Stück für Stück. Andere Institute schafften es, Spuren zuzuordnen. Aus einem „Haarkern“ sei ein Hinweis auf Burggraf gefunden worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hannes Grünseisen. Experten der OFA-Gruppe (Operative Fallanalyse) des bayerischen Landeskriminalamts in München fertigten ein Persönlichkeitsprofil des Mannes und halfen, die Vernehmung Burggrafs vorzubereiten.

Im November 2009 hatten die Ermittler, was sie brauchten. Sie suchten den Verdächtigen zu Hause auf, konfrontierten ihn mit den Beweisen und hatten Erfolg. Laut Staatsanwaltschaft gestand er, er habe sich der Frau „sexuell genähert“, sei später „abgewiesen worden“ und habe sie dann getötet. Am 30. November erließ das Amtsgericht Erfurt Haftbefehl. Da hatte Burggraf seit seiner letzten Haftentlassung fast drei Jahre in Freiheit verbracht.

Angeklagt ist Burggraf wegen Mordes. Als Höchststrafe droht ihm lebenslängliche Haft. Der Prozess soll bis zum Sommer abgeschlossen sein. Anfang Juli beginnt die Beweisaufnahme. Bei der werden auch zwei Gutachter gehört: Der Jeanaer Rechtsmediziner Uwe Anschütz, der die Leiche nach ihrem Auffinden obduzierte, und der forensische Psychiater Hans-Peter Volz aus Werneck.

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Die Jenaer Rechtsmedizin-Chefin Gita-Else Mall schrieb mir, sie könne meine Frage dazu an Sie nicht beantworten. Sie beträfe „ein laufendes Verfahren und zielt zudem auf Details aus dem Ermittlungsverfahren ab, so dass ich dazu keine Auskünfte erteilen darf“.

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Dieser Text erscheint leicht gekürzt heute auch in der Thüringer Allgemeinen.

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