Letzte Woche rauschte die Meldung durch die Zeitungen, die Staatsanwaltschaft habe die Obduktion der angeblichen Rosa-Luxemburg-Leiche angeordnet. Heute teilte mir Justizsprecher Martin Steltner mit, die Leiche sei fertig obduziert. Und, ist es Rosa Luxemburg? Er gehe davon aus, dass davon nichts im Obduktionsbericht stehe, so Steltner.

Dabei hatte die Staatsanwaltschaft ausgerechnet das Berliner Charité-Institut für Rechtsmedizin mit der Obduktion beauftragt, dessen Chef Michael Tsokos gutes Geld mit der Behauptung verdient, er halte da einen „Fall Rosa Luxemburg“ in Händen. Tsokos‘ Vorgänger Volkmar Schneider fragt adazu, ob das Charité-Institut nicht möglicherweise befangen sei. Die Frage stellte ich auch dem Justizsprecher. Der antwortete, die Obduktion sei doch eh nur Routine. Wenn eine Leiche auftauche, deren Todesursache ungeklärt sei, sei das eben so. Die Frage, warum die angebliche Rosa Luxemburg aus der Charité erst und ausgerechnet jetzt obduziert wurde, beantwortete er damit, dass der Vorgang etwas länger auf dem Dienstweg unterwegs gewesen sei.

Zur Erinnerung: Im Mai hatte der Spiegel als vermeintliche Sensation gemeldet, der Berliner Rechtsmedizin-Chef Michael Tsokos habe eine Leiche im Keller seines Instituts gefunden, die möglicherweise die ermordete KPD-Gründerin Rosa Luxemburg sei. Der Fall machte Schlagzeilen und landete auf dem Titel eines Buches, das der Quincy von Berlin verfasst hat. „Bisher gibt es keinen Gegenbeweis, dass es sich nicht um Rosa Luxemburg handelt“, sagte er letzte Woche dem Tagesspiegel. So kann man es sehen. Allerdings gibt es viele Indizien, dass die Leiche in der Charité nicht die der Rosa Luxemburg ist – und schon gar keinen Beweis dafür, dass sie es ist. Sein „neuester Fall“ ist keiner.

Posted via email from | bitterlemmer |

1 Antwort

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] erhalten, mit welchem Motiv die Berliner Staatsanwaltschaft zum vergangenen Jahresende ein formales Ermittlungsverfahren aufnahm. Justizsprecher Martin Steltner antwortet bisher stets, der Tod der Unbekannten sei […]

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.