Schon dreist, was sich die Polizei in Emden jetzt schon wieder leistet. Dass die Ermittler einen neuen Verdächtigen für den Mord an der elfjährigen Lena haben, mag als gute Nachricht durchgehen – vorausgesetzt, es ist diesmal der richtige. Aber man würde schon gern mehr erfahren als nur eine Terminankündigung für eine Pressekonferenz morgen, und zwar offensichtlich nur aus dem Grund, dass die Dorfzeitung vor Ort keine Sonntagsausgabe produziert, die Redaktion Samstags  frei hat und die Polizei darum rücksichtsvollerweise davon ihre Informationspolitik abhängig macht.

Die Sprecherin der Emdener Polizei, die ich dazu am Telefon hatte, schreckte natürlich zusammen, als ich diese ihre Aussage auf den Punkt brachte und noch einmal bestätigt haben wollte, und sie beeilte sich, zu erklären, dass ich da was falsch verstanden haben musste.

Sei’s drum. Meine Frage, was die Emdener Polizei zu der massiven Kritik sage, die heute auf die Ermittler einprasselte, beantwortete sie immer noch leicht flapsig mit einem schlichten „nichts“. Diese Kritik bestand darin, dass u.a. der Kriminologe Christian Pfeiffer und der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl zu Recht anmerkten, dass die Behörden ihren ersten Verdächtigen viel zu leichtfertig der Öffentlichkeit präsentiert hatten. Es müsse für den Ärmsten der „blanke Horror“ gewesen sein, merkte Peiffer an.

Dazu ist zu sagen, dass der 17-Jährige inzwischen auf der Flucht ist. Die Polizei wisse, wo er steckt, und sie beschütze ihn, ließ sich die Sprecherin aus der Nase ziehen, wobei ihre Aussagen klangen, als würde irgendwas daran nicht ganz stimmen. Im Vorgarten des 17-Jährigen hatten sich sich Pflastersteine gefunden. Und auf Facebook hatte ein 18-Jähriger zum Lynchmord aufgerufen. Dazu hätte übrigens Hans-Peter Uhl besser geschwiegen, denn es liegt nicht „am Internet“, dass sich ein Mob zusammenfand, um den zu Unrecht Verdächtigten aufzuknüpfen, es liegt vielmehr an denen, die dazu aufriefen. Gelyncht wurde bekanntlich schon im Wilden Westen, ohne Internet und Facebook.

Gegen diesen 18-Jährigen Möchtegern-Lyncher ermittelt die Polizei jetzt auch, wegen öffentlichen Aufrufs zu Straftaten. Einzelheiten dazu wollte die Polizeisprecherin freilich wiederum nicht preisgeben. Ich bin gespannt, was die Deich-Sheriffs uns morgen zu dem Fall erzählen wollen.

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