Neuer Vater statt querer Familie: Wär doch mal ein Vorschlag!

Pünktlich zum Jahreswechsel hat die Stadt München ihren Familienpass 2014 herausgebracht. Er kostet sechs Euro und bietet alle möglichen Vergünstigungen für Familien. Als Leitbild dessen, was Familie sein soll, haben die Herausgeber eine Broschüre herausgegeben, auf deren Titel wohl folgendes zu sehen sein soll: Ein schwules Paar mit einem Mädchen, eine alleinerziehende Mutter mit einem Sohn und eine weitere alleinerziehende Mutter mit einem Kind unbestimmbaren Geschlechts. Im Innern von Familienpass und Flyer liest man mehrfach die alte Parole des einstigen Kanzlers Gerhard Schröder: “Familie ist da, wo Kinder sind”.

Dieser Spruch ist natürlich genauso gespielte Naivität wie das Foto des Münchner Jugendamts. Kinder gibt’s auch im Waisenhaus, aber von Familie würde da niemand sprechen. Und die Zahl schwuler Elternpaare ist verschwindend gering, weshalb das Leitbild einer Familie mit “queeren” Eltern eher ein Wunschbild der politisch Verantwortlichen ist. Die alleinerziehende Mutter ist schon häufiger anzutreffen, aber ehrlich gesagt nicht ganz leitbildtauglich. Dafür ist das Leben allein mit Kindern viel zu hart. Die klassische Vater-Mutter-Kind-Familie mag vorübergehend auf dem Rückzug sein, aber mit 75 bis 80 Prozent ist sie immer noch das Standardmodell – jedenfalls außerhalb der Münchner Jugendamtsstuben.

Aber das könnte sich bald ändern. Derzeit ist ja ein neues Modell schwer im kommen, das der Stadtverwaltung parteipolitisch auch gut passen müsste, nämlich das Modell “Neue Väter”. Als solcher präsentiert sich bekanntlich mit gewisser Penetranz der SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel. Also wäre es doch eine pfiffige Idee, Deutschlands Superpapa zum Leitbild der Münchner Familie zu erklären. Sigmar Gabriel, makellos in Anzug und Schlips auf dem Spielplatz mit abgefütterter Tochter Marie als Titelfoto – das wäre doch mal echt originell. Und nach langer Zeit würde es auch mal wieder ein heterosexueller Vater auf dem Titel der Münchner Familienpass-Broschüre schaffen, denn in den Vorjahren gab es da nur vaterlose Mütterkinder.

fampass_BerlinVielleicht könnten aber auch die preußischen Kollegen in Berlin Pate stehen. Auch Berlin hat einen Familienpass samt Broschüre. Auf der lächelt uns eine traditionelle Vater-Mutter-Kind-Familie entgegen. Ausgerechnet auf dem Familienpass des progressiven Berlin! Immerhin ist der Papa auf dem Bild ein bisschen dunkelhäutig. Aber das muss nicht unbedingt als Statement einer politisch korrekten Behörde zu deuten sein. Es könnte auch schlicht der Berliner Realität entsprungen sein. Zuwanderung prägt die Hauptstadt und unser Land viel stärker, als manche das wahrhaben möchten und könnte der gesellschaftlichen Debatte einen gänzlich neuen Dreh verpassen.

Denn schauen wir uns die Zuwanderer doch mal an: Mit all dem Gender-Getue haben die meisten offensichtlich nicht viel am Hut. Egal ob Türken oder Osteuropäer – die Zuwanderung wird die Zahl der Vater-Mutter-Kind-Familien gewiss nicht weiter absinken lassen. Da werden sich manche gut überlegen müssen, wie sie in Zukunft argumentieren wollen. Das rot-grüne Münchner Amtsmilieu dürfte bisherige Positionen zu Migration und Gender ganz gewiss nicht auf herkömmliche Weise unter einen Hut bringen und sich entweder für das eine oder das andere entscheiden müssen. Und die Konservativen stehen vor der nicht minder aufregenden Erkenntnis, dass die Zuwanderer ihnen weltanschaulich viel näher stehen als den vergenderten Rotgrünen.

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