Tagelang hatte sich die Befragung von Carsten S. hingezogen – er hatte erzählt, wie er die Tatwaffe für das NSU-Trio organisierte, welche Rolle er in der Szene spielte, wie er Kontakt zu den Untergetauchten hielt – aber er hatte bisher kein Bedauern für die Opfer des NSU geäußert. Das änderte sich heute, und zwar dramatisch. Überraschend ergriff er das Wort und sagte wörtlich:

Ich kann nicht ermessen, was ihren Angehörigen für unglaubliches Leid und Unrecht angetan wurde. Sie als Angehörige – mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, wie ich dafür empfinde. Da finde ich nicht die passenden Worte, was das in mir auslöst. Ich bin mir auch absolut nicht sicher, ich denk mir, eine Entschuldigung wäre zu wenig. Eine Entschuldigung klingt für mich wie ein Sorry, und es ist vorbei, aber es ist noch lange nicht vorbei. Und ich wollte ihnen mein tiefes Mitgefühl ausdrücken.

Das saß. Es war ganz still im Saal, als er Wort für Wort hervorpresste. Er sprach frei, ohne schriftliche Vorlage. Als er fertig war, unterbrach der Richter kurz die Verhandlung. Inzwischen geht seine Befragung weiter.

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