Auf dem Fernseher im Partykeller stand ein Hitler-Bild. Drumherum trafen sich täglich ein paar Nachbarn und Freunde beim Feierabend-Bier. Gern gesehen war dort auch Beate Zschäpe, die sich damals Susann Dienelt nannte. Statt Bier trank sie lieber Prosecco oder Wein, den sie meist auch selber mitbrachte und im Angesicht des Führers leerte. Einmal eineinhalb Flaschen, da sei sie betrunken in ihre Wohnung gestiegen. Die süße „Diddl-Maus“ – so nannte der Zeuge sie nach seinen Worten, in Anspielung auf ihren Nachnamen, jedenfalls den, den er kannte. Ein Nachbar der Fluchtwohnung in Zwickau, in der sich Zschäpe mit ihren beiden Partnern verschanzt hatte.

Zschäpe, die es hasst, Nazi-Braut genannt zu werden, dürfte sich weltanschaulich wohlgefühlt haben. Ein anderer aus der Runde fuhr mit dem NPD-Aufkleber „Todesstrafe für Kinderschänder“ auf dem Auto herum. Der Nachbar selber besaß damals noch einen Jutesack mit aufgemaltem Hakenkreuz. Es war die Hausgemeinschaft, in der Zschäpe mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ihre Zuflucht eingerichtet hatten.

Alles Zufall mit dem rechten Kram, beteuerte der Zeuge. Er sei völlig unpolitisch und gehöre auch keiner Religion an. Und fragen zu seinem VW Kübelwagen mit aufgemaltem eisernen Kreuz beantwortete er dahingehend, dass das halt ein früheres Bundeswehrfahrzeug war und das eiserne Kreuz das bundesdeutsche Hoheitsabzeichen.

Der Tag im Gericht brachte noch eine Erkenntnis, nämlich den Bio- und Ökofimmel von Beate Zschäpe. Kurz, bevor sie die Wohnung in der Zwickauer Frühlingstraße in die Luft gejagt haben soll, rief sie auf ihrem Computer die Seiten von Greenpeace und der Anti-Pelz-Aktivisten Peta auf. Außerdem fand der als Zeuge geladene Kripo-Experte im Browser-Verlauf die Adresse eines Biobauern in Zwickau und auf Biofleisch.

Außerdem sorgte sie sich um ihre Gesundheit und zeigte auch hier eher voraufklärerische Vorlieben. Sie schaute sich auf Homöopathie-Seiten um, suchte andererseits auch handfestes, nämlich Informationen über die damals anstehende elektronische Gesundheitskarte. Die musste sie fürchten, denn die hätte den Einsatz mit falscher Identität erschwert. Offenbar litt sie an Eierstockzysten, wie eine weitere Suchanfrage nahelegt.

Zschäpe schaute auch auf der Webseite der Bild-Zeitung und anderen Nachrichtenseiten vorbei. Auch die hatte sie via Google angesurft, und zwar mit Suchanfragen wie „Autounfall Sachsen“ und, als da das gewünschte nicht auftauchte, „Autounfall Mitteldeutschland“. Möglicherweise hatte sie mitbekommen, dass mit ihren beiden mutmaßlichen Komplizen etwas passiert war. Es war der 4. November 2011, der Tag, an dem die beiden zuerst in Eisenach eine Bank überfallen haben, dann in ihr Wohnmobil geflüchtet, dass dann abbrannte, mit beiden Männern darin, die nach Kopfschüssen gestorben waren. Vielleicht wähnte Zschäpe Eisenach in Sachsen, obwohl es ja in Thüringen liegt.

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