Was wusste der mitangeklagte mutmaßliche NSU-Helfer Carsten S. wirklich über rechtsextreme Terrorpläne? Seit gestern wird er dazu von Richter Manfred Götzl verhört. Es ist ein schwieriges Verhör. S. hat immer da Gedächtnislücken, wo es um seine Motive und die damaligen Überzeugungen geht. Möglicherweise sind das auch genau die Punkte, die am Ende für seine eigene Strafzumessung wichtig werden können. Aber der Wahrheitsfindung dienen sie nicht. Und wirklich quälend, manchmal belustigend, ist, wie sich Carsten S. um die Gretchenfrage drückt: Was dachten Sie eigentlich, wofür die Waffe gedacht war? Nachfolgend eine wörtliche Mitschrift eines Ausschnitts des Verhörs vor dem OLG München.

Götzl: Jetzt kommen wir nochmal zu der Waffe. Der Preis für die Waffe – was sagten sie, 500 bis 100 DM… wie sicher ist das?
S: Das ist mein Tipp. Das war so… wo ich das so so einordnen könnte.
Götzl: Ich will jetzt gleich einen Schritt weitergehnen. Als sie nach Chemnitz gefahren sind und auch auf Frau Zschäpe getroffen sind in der Cafeteria im Kaufhaus, da hatten sie auch gesagt, dass sie da etwas dabei hatten. Es ging um eine Unterzeichnung.
S: Ich geh davon aus, dass um die Anwaltsvollmachten ging.
Götzl: Können sie da mal etwas ausholen, um welche Schriftstücke es sich dabei handelt?
S: Ich hab nur in Erinnerung, dass sie extra mit dazugekomen ist, um da was zu unterschreiben.
Götzl: Besteht da irgendein Zusammenhang zu der Situation mit dem Rechtsanwalt E.?
S: Ich denke schon, dass da ein Zusammenhang ist.
Götzl: Welcher?
S: Na dass der die uns gegeben hat.

S: Ich meine nicht, dass ich die direkt erhalten hab und hab die dann dort mitgenommen.
Götzl: Wie kamen sie jetzt zu diesen Unterlagen, die sie dann Frau Z gegeben haben?
S: Ich weiß nur, dass ich die dabei hatte.
Götzl: Und von wem haben sie die erhalten, mit welchen Auftrag?
S: Dass die unterschrieben werden sollten.
Götzl: Wissen sie noch, von wem sie diese Unterlagen bekommen haben?
S: Das wird höchstwahrscheinlich der Herr Wohlleben gewesen sein.

Götzl: Können Sie noch konkret sagen, worum es sich gehandelt hat? Ist es unterschrieben worden?
S: Ja, denke ich. Ich habe es vorgelegt und unterschrieben wieder mitgenommen.
Götzl: Und was haben sie damit gemacht?
S: (Hand zuckt abwehrend) Also mir fällt da nix ein. Ich denk nicht, dass ich das dann zuHause stehen hatte. Ich bin aber auch nicht zu einem Anwalt gelaufen. Ich gehe davon aus, dass ich die dem Herrn Wohlleben gegeben habe.
Götzl: Nochmal zu der Situation, die sie schon geschildert haben, Herr S, Übergabe der Waffe, vielleicht können wir eines vorwegnehmen: Wie sah die Waffe aus? Können Sie die mal beschreiben?
S: Ich hab die jetzt schon Tausend Mal gesehen, ich hab die Bilder bekommen und hab‘ da dann Sachen ausgeschlossen. Dass sie größer war. Sie war etwas kleiner, schwarz, und vorne war noch dieses Gewinde dran.
Götzl: War der Schalldämpfer aufgeschraubt?
S: In dem Tuch habtte ich das ja bekommen. Da war der nicht draufgeschraubt.
Götzl: Beschreiben Sie die Situation, als sie die Waffe übergeben haben.
S: In dem Abbruchhaus? Dieses Bild habe ich vor Augen, dass uns einer gestört hat. Ich weiß, dass ich das Geld bekommen hatte. Aber da habe ich keine konkrete Erinnerung. Ich gehe davon aus, dass ich einen Rucksack dabeihatte, es kann aber auch eine Umgängetasche gewesen sein.
Götzl: Was war noch dabei? Munition?
S: Munition und der Schalldämpfer.
Götzl: Wie viel Munition?
S: Ich meine, das war in so einem Döschen. So zwischen zwanzig und fünfzig, würde ich jetzt sagen.
Götzl: War die Munition bestellt?
S: Ja. Also Waffe, möglichst deutsches Fabrikat, Munition. Aber ich habe keine Erinnerung, ob die gesagt haben, hundert oder wie viel. Daran kann ich mich nicht erinnern.
Götzl: Ja hatten sie jetzt keine Bedenken, diese Waffe mit Schalldämfper und Munition an Herrn B und Herrn M zu übergeben?
S: Anscheinend nicht.
Götzl: Was haben sie sich denn vorgestellt, wofür die Waffe gebraucht wird?
S: Ich wurde das ja schon oft gefragt, und ich versuche ja auch, das selber… ich kriege es aber nicht mehr zusammen. Ich weiß, dass wir damals Kenntnis hatten von Geldnöten und von Auslandsreisen, und da ordne ich das ein. Das spekuliere ich auch heute so.
Götzl: Ja was bedueten jetzt diese Stichwörter – Geldnöte, Auslandsreisen?
S: Dass es möglicherweise um Geldbeschaffung ging.
Götzl: Wofür dann der Schalldämpfer und die Munition?
S: Ja der Schalldämpfer war ja dabei.
Götzl: Naja, denn hätten sie ja nicht übergeben mnüssen.
S: Ich kann mich nicht an irgendwelche Gedanken erinnern, dass ich irgendwie…
Götzl: Hatten sie da keine Skrupel, keine Bedenken, keine Befürchtungen?
S: (brüchige Stimme) Ich weiß es nicht. (längere Pause. Dann weiter:)
Ich möchte halt auch heute nicht irgendetwas erklären , dass es rund macht, obwohl ich das nicht weiß von früher.
Götzl: Gestern haben sie zu dem Thema gesagt: die drei seien in Ordnung. Ist das die Lesart?
S: Das war so…
Götzl: Nach wie vor?
S: Eigentlich geht es schon nicht mehr, sie haben mit Geldnöten gerechnet und für diesen Zweck.
Das kann ich heute nicht sagen, ob ich das früher bedacht hab.
Götzl: Gehen wir noch mal ein Stück zurück, zum Zeitpunkt, zu dem sie den Auftrag bekommen, eine scharfe Waffe zu besorgen. Haben sie da keine Bedenken gehabt? Welche Vorstellungen hatten sie denn?
S: Die Frage hätte ich schon beantworten können, wenn ich das wüsste.
Götzl: Ist ja keine SPielzeugpistole, Herr Schulze, sondern eine gefährliche Waffe. Und dann fragen sie zurück: Soll ich diese Waffe nehmen und den Schalldämpfer…
S: Weil es keine Alternative gab.

Götzl: Ich muss deutlich nachfragen: Haben sie sich damals Gedanken darüber gemacht, was mit der Waffe geschehen kann oder haben sie sich keine Gedanken gemacht? Gab’s welche oder gab’s keine?
S: Ich kann mich an keine erinnern.
Götzl: Beim Telefonat – was haben sie gedacht, als die Waffe bestellt wurde? Zum Zeitpunkt des Telefonates? Das sind ja immer Etappen. Das ist ja keine Augenblicksgeschichte gewesen. Sie schildern, dass sie mit Herrn Wohlleben gesprochen haben, mit Herrn Sch. gesprochen haben… eine Reine von Schritten. Ich dränge sie, in ihrer Erinnerung zu forschen…
S: (sitzt, schweigt…)
Götzl: Es geht um eine Waffe mit Munition und Schalldämpfer. Sie sagen, zunächst nicht Schalldämpfer. Dann kommt der Schalldämpfer hinzu, wird akzeptiert, und von ihnen geliefert und weitergegeben. Und da sagen sie, sie hätten zu keinem Zeitpunkt Skrupel gehabt über die Verwendung?
S.‘ Anwalt schalet sich ein und widerspricht: Keine Gedanken. Nicht: Keine Skrupel.
Götzl: (verärgert) Ich spreche darüber jetzt lange genug. Ich frage: Was sagen sie dazu?
S: Zu diesen Bauchschmerzen: Das habe ich irgendwie so vernetzt, als das konkreter war, dass der Sch. die… ich weiß nicht, entweder, als der gesagt haat, ich hör mich mal um…
G. Lassen wir es einfach mal so stehen

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