Ich habe endlich Staatsanwalt Ernst Schmalz erreicht. Er führt die Ermittlungen, die im Augenblick zum Fall Peggy laufen. Die Grabung Lichtenberg hinter dem Haus von Robert E. ist nur eine Spur, sagte er mir. “Wir haben mehrere Baustellen”, und es gehe im Augenblick nur um eines: Endlich Peggys Leiche zu finden.

Schmalz war auch der, der zwei Tage lang den Bewohner des Lichtenberger Hauses – nunja – befragte. Verhör kann man das nicht nennen, weil Robert E. nicht als Verdächtiger gilt und nicht festgenommen war. “Er hat sich freiwillig mit mir unterhalten”, sagte Schmalz. Herausgekommen ist dabei offenbar nichts.

Was, wenn heute doch noch etwas gefunden wird? Schmalz: “Wenn auf dem Grundstück von E. tatsächlich Peggys Leiche gefunden werden sollte, dann wäre das noch kein Beweis dafür, dass er sie auch umgebracht hat.” Es gebe vielmehr ein rechtskräftiges Urteil gegen Ulvi Kulac, den geistig zurückgebliebenen Mann, den das Landgericht Hof wegen Mordes an Peggy zu lebenslanger Haft verurteilt hat. Ich frage Schmalz, ob er tatsächlich noch an die Schuld von Ulvi Kulac glaubt, und er antwortet, Glaube sei etwas für die Kirche. Rhetorisch nett gekontert. Ich formuliere meine Frage anders, er weicht aus. Es kommt noch ein anderer Umstand dazu: Offenbar ist das Gelände von Robert E. auf einem früheren Friedhof errichtet worden.

Interessant ist freilich folgendes: Schmalz verrät, dass die anderen “Baustellen” mit der Leichensuche in Lichtenberg nichts zu tun haben. Es sind andere Orte mit anderen Bewohnern und anderen Hintergründen. Die Polizei durchsuchte im Auftrag der Staatsanwaltschaft Anwesen in Thüringen und Mittelfranken. Und Schmalz bestätigt, dass es da noch eine weitere Spur nach Sachsen-Anhalt gibt – zu einem Mann, den die Polizei damals massiv unter Verdacht hatte, mit Peggys Verschwunden zu tun zu haben – und den sie seit einigen Monaten wieder im Visier hat.

Das wiederum hat mit unserem Buch zu tun. Wir haben die Spur in der Ermittlungsakte entdeckt und sind ihr nachgegangen. Gefunden haben wir einen Mann, der Peggy gut kannte, der zumindest in sie verschossen war und erst vor kurzer Zeit zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt wurde – weil er seine zwei Jahre alte Tochter missbrauchte.

Ja, sagte Schmalz, auch das ist eine der “Baustellen”, an denen er gerade arbeitet.

2 Kommentare
  1. Gabi sagte:

    Und was ist mit der Leiche in Löbau bei Dresden?
    So wie im Film “das unsichtbare Mädchen” gibt es dort eine erwachsene “Peggy”-Leiche. Das zumindest behauptet ein Mann aus Regensburg auf seiner Seite Peggyuntot. Ich war erschrocken über die Ähnlichkeit dieser Yvonne Menzel mit Peggy.
    Die Aktion in Lichtenberg ist meiner Meinung nach nur vorgeschoben. Man ist durch die BR-Reportage, dem neuen Buch und dem Wiederaufnahmeantrag in Bedrängnis geraden. Nun “muss” man eine Leiche finden. Nun muss man ein Wiederaufnahmeverfahren verhindern. Es würde mich nicht wundern, wenn man tatsächlich einen der gefundenen Knochen der Peggy zuordnen kann.
    Dumm ist ja der Oberstaatsanwalt nicht. Wenn man schon bei Straßenbauarbeiten Knochenteile gefunden hat, dann war ja logisch, dass man bei der jetzigen Aktion auch welche findet. Aber es bleibt abzuwarten, ob sich die Journalisten so verarschen lassen von dem Herrn Dr.
    Ein DNA-Abgleich mit der gefundenen Frau in Löbau wäre ja wohl das Mindeste. Ist es bisher nicht passiert, weil der dortige Generalstaatsanwalt zuvor bei der Hofer Justiz war?

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