Nachtrag zu Prozesstag 4: Rechtsanwalt Euler hielt dem Leiter der aktuellen Ermittlungen im Fall Peggy eine Passage aus einem Verhör mit der Ehefrau eines der derzeitigen Beschuldigen vor, Anke B. Süffisant merkte Euler an, dass hier eher die Zeugin die Beamtin vernehme. Es ging ums die Frage, warum Ulvi Kulac für Peggys Verschwinden überhaupt verurteilt werden konnte. Das Verhör führte eine Kriminalkommissarin (KOKin). Es erstaunliche Einblicke in die ansonsten verschlossene innere Gedankenwelt mancher Kripo-Ermittler. Ab hier: wörtlich, was der Verteidiger im Gerichtssaal verlesen hat.

KOKin:

Ach, was interessieren uns Berichte, die man überall liest und hört. Da ist eine Scheiße an die andere gereiht. Nehmen Sie sich das Lemmer-Buch. Ich hab’s in Teilen durchgelesen, unaufmerksam, weil es wirklich furchtbar zu lesen war. Sie wissen doch selber, was da für Scheiße drinsteht. Mal ganz im Ernst, oder?

Anke B.:

Wer hat’n Peggy gesehen und wie?

KOKin:

Verschiedene unabhängige Zeugen, verschiedenen Alters. Das eine waren Schulmädchen, das andere war ein älterer Mann, das weitere war eine mittelalte Frau, ungefähr 30. Kannten alle Peggy. Also, dass sie zu diesem Zeitpunkt gesehen wurde, ist gesichert. Das ist gesichert.

Anke B.:

Und warum ist dann der Ulvi verurteilt worden?

KOKin:

Ja, das fragen Sie mal die Richter vom Ulvi, warum der verurteilt worden ist. Aber fragen Sie sie natürlich auch… Äh… Das Wiederaufnahmeverfahren, das ist ein Damoklesschwert. Das hängt über uns allen. Über Ihnen. Sie können sagen, ich mach nicht mehr mit, klar. Aber wir kommen alle nicht raus. Die Polizei genauso wenig wie Sie, Ihr Mann. Alle, die in diesem Fall beteiligt sind. Alle Nachbarn, alle Zeugen, alle, die jemals verdächtig waren. Und es gibt irgend jemanden unter diesen Leuten, der uns  nicht die Wahrheit sagt.

Anke B.:

Dann suchen Sie mal.

KOKin:

Den suchen wir.

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