Das Mord-Ermittlungsverfahren gegen Thorsten Engelhardt im Fall Peggy ist heute Nachrichtenthema. Die dpa hat die Meldung an die Redaktionen geschickt. Gerade eben hat RTL für die Nachrichten gedreht. Die Kollegen haben sich natürlich in Bayreuth selber die Bestätigung bei der Staatsanwaltschaft geholt. Darum weiß ich, dass sie dort hörten, das sei ja gar nicht wirklich neu. Das ist natürlich Unfug, denn die Nachricht über das Verfahren war bis heute unbekannt. Die Staatsanwaltschaft möchte das Thema einfach möglichst klein halten – kann ich aus ihrer Sicht auch verstehen. Unklar ist bisher freilich auch, warum die Staatsanwaltschaft Thorsten Engelhardt überhaupt ins Visier nahm. Diese Unklarheit kann ich ausräumen.

Einen Monat, bevor unser Buch in die Läden kam, habe ich dem Polizeipräsidium Oberfranken vorab das Kapitel über ihn zur Verfügung gestellt. Dazu habe ich für die Ermittler die Alias-Namen, mit denen wir aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes gearbeitet haben, aufgelöst. Ich habe zusätzlich eine weitere Information gegeben, die für die Kripo wichtig sein könnte. Thorsten Engelhardt könnte – sollte sich der Verdacht bewahrheiten – nämlich einen Helfer gehabt haben. Wir beschreiben ihn auch im Buch. Er könnte daran beteiligt gewesen sein, eine Fahrt nach Lichtenberg zu organisieren. Was wir wissen, ist, dass er mit Thorsten Engelhardt über Peggy geredet hat und im Kreise der Clique lautstark darüber nachdachte, sie zu besuchen und ihren türkischen Stiefvater zu verprügeln. So jedenfalls findet es sich in den Ermittlungsprotokollen.

Noch weiter zurück geht die erste Information, die ich der Polizei gegeben habe. Das war nach der Festnahme von Thorsten Engelhardt vor einem Jahr. Da waren wir gerade selber erst auf die Spur gestoßen und hatten damit begonnen, die Ermittlungsakte auszuwerten.

Dann folgte im Februar der Prozess gegen Engelhardt in Halle. Er dauerte nur zwei Tage, die Öffentlichkeit war von dem Verfahren ausgeschlossen. Wir haben aber mitbekommen, dass zwei Beamte der Kriminalpolizeiinspektion Bayreuth als Beobachter im Gerichtssaal saßen. Ihnen ging es allerdings – noch – nicht um Peggy. Vielmehr ermittelten sie gegen Engelhardt, weil sein Bruder ihn angezeigt hatte – wegen des Verdachts, er könne auch seine Tochter missbraucht haben. Anfragen dazu beantwortete die Polizei natürlich nicht – mit Hinweis auf ein laufendes Ermittlungsverfahren.

Erst danach hat dann auch die Staatsanwaltschaft den Hinweis auf Engelhardt übernommen – und jetzt das Mord-Ermittlungsverfahren im Fall Peggy gegen ihn eingeleitet.

Nebenbei bemerkt: Das ist eine juristisch spitzfindige Angelegenheit. Formell bleibt es erst mal dabei, dass Ulvi Kulac als verurteilter Mörder gilt. Ebenso formell gibt es aber jetzt einen neuen Verdächtigen für eben den Mord, den die Justiz Ulvi vorgeworfen hat. Die Staatsanwaltschaft bringt damit jetzt erstmals auch amtliche Zweifel am Urteil an. Wäre sie rückhaltlos davon überzeugt, dass mit Ulvi der Richtige verurteilt wurde, würde sie keine neue Spur verfolgen müssen.

Tut sie aber. Ich bin sehr gespannt, wie die Staatsanwaltschaft im Oktober zum Wiederaufnahmeantrag Stellung nehmen will. Bis hierher würde ich die Entwicklung positiv sehen.

Und noch eine Anmerkung: Mir ist bewusst, dass wir mit unserem Vorgehen an journalistische Grenzen gegangen sind. Üblicherweise gibt man Behörden nicht vorab Einblick in ein Manuskript. Ich habe mich aber dafür entschieden, weil die Veröffentlichung Ermittlungen hätte stören können. Da muss der journalistische Kodex ausnahmsweise mal zurückstehen.

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