Die Formulierung bei Bild.de war sicher nicht so verkehrt, auch, wenn Bundespräsident Christian Wulff das dann auf seine eigene Art mit Pastellfarbe anzumalen versuchte. Er zog „erste personelle Konsequenzen und entließ seinen Sprecher Olaf Glaeseker“, schreibt das Portal von Deutschlands größter Tageszeitung. Schon aus Plausibilitätsgründen spricht mehr dafür, dass Wulff Glaeseker gefeuert hat und weniger dafür, dass Glaeseker freiwillig ging. Warum hätte er das tun sollen? Vielleicht hilft ein kurzer Einblick in die politische Parallelwelt, um zu verstehen, warum ausgerechnet der Pressesprecher aus dem Schloss Bellevue vertrieben wurde.

In dieser Parallelwelt, die vorzugsweise von Politikern, aber auch von Journalisten und Pressesprechern bevölkert ist, ist die Causa um Wulffs Eigenheimkredit ja bekanntlich gerade ein Topthema. Der Bundespräsident hat schlechte Presse, wie man so sagt. Das wiederum ist schlecht für die Pressesprecher, denn deren Job ist es, für gute Presse zu sorgen. Wenn man so will, hat Glaeseker darum versagt. Dabei hat er, wie man hört, so ziemlich alles mobilisiert, was ging. Seine Ohren dürften vom vielen telefonieren immer noch heiß sein. Es hat nur nichts genützt.

Das wiederum lag weniger an ihm als an seinem Chef. Es war ja weniger der leicht absonderliche Kredit eines alten Freundes, wenn es denn wirklich ein Kredit war, woran ja auch schon Zweifel geäußert wurden. Wulff hat sich ja vielmehr mit seiner trotzigen Salamitaktik selbst zerlegt. Es sieht einfach saudumm aus, wenn der Bundespräsident, die protokollarische Nummer 1 im Land, erstmal die Anwälte vorschickt oder dann bemerkt, sein väterlicher Freund sei vielleicht doch dabei gewesen, als er mit dessen Ehefrau die Kreditkonditionen verhandelt habe. Was, in aller Welt, ist das für ein Staatsoberhaupt? Hat der keine anderen Themen?

Dass er jetzt seinen Sprecher feuerte setzt dem ganzen die Krone auf. Der Bundespräsident macht seinen Pressesprecher für seine schlechte Presse verantwortlich. Die aber hat er allein zu verantworten. Dass er sich davor drückt, ist mein persönlicher siebter Grund für seinen Rücktritt. Die ersten sechs stehen hier.

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