Man hätte es sich denken können: Zuständigkeitshalber bekam das rechtsmedizinische Institut in Jena die Aufgabe, die toten NSU-Terroristen Mundlos und Böhnhardt zu obduzieren. Dabei gab es eine schwere Panne, wie jetzt das Magazin Focus recherchierte. Instituts-Chefin Gita Mall, Stammlesern meines Blogs aus zahlreichen Artikeln bekannt, musste die beiden Leichen vom Begräbnis zurückrufen, weil ihre Spitzenkräfte (oder sie selbst?) unfassbarerweise vergessen hatten, auch die hinteren Seiten zu öffnen und zu schauen, ob da vielleicht Projektile stecken.

Der Focus schreibt:

“Am 24. November, knapp drei Wochen nach der Obduktion, wandte sich die Leiterin der Rechtsmedizin an die Polizei. Beim Sichten der Akten sei ihr aufgefallen, dass Mundlos und Böhnhardt „nicht auf der Rückseite geöffnet“ worden waren, heißt es in einem Vermerk des Bundeskriminalamts (BKA). „Um jegliche Zweifel an den Todesumständen auszuschließen“, habe die Professorin eine erneute Untersuchung angeregt.”

Eine weiteres Glied in einer unfassbaren Pannenserie des Jenaer Instituts.

  • Den Tod eines alten Mannes in einer Intensivstation erklärte die Chefin gegen den Willen ihrer eigenen Obduzenten zum natürlichen Tod – trotz deutlicher Strangulationsmarken am Hals (wer den Link klickt, kann sich Obduktionsfotos anschauen) und nach geradezu aberwitzigen Kungeleien und Schlampereien.
  • Die Fahndung nach Kriminellen erschwerte sie, indem sie einen Erschossenen zu einem Erstochenen erklären ließ – bis beim Hochheben des Leichnams versehentlich eine Pistolenkugel aus dem Körper fiel.
  • Ein offenbar Unschuldiger, dessen Frau offenbar eine Treppe heruntergestürzt war, wurde dank eines in ihrem Institut erstellten Blutspritzergutachtens ins Gefängnis gesteckt. Als die Wiederaufnahme drohte, da verringerte das Gericht das Strafmaß so, dass der Mann nach dem Revisionsdurchgang gleich freigelassen werden konnte – und ersparte sich damit Haftentschädigung und Rehabilitation.
  • Hinweise auf Gewaltverletzungen bei einem kleinen Mädchen arbeitete sie so zögerlich und unzureichend ab, dass das Gericht das Kind zurückschickte in die Reichweite des Lebensgefährten ihrer Mutter. Engagierte Betreuer äußerten damals, sie seien massiv eingeschüchtert worden, um den Fall nicht höher zu hängen.
  • Die Kripo in Nordhausen versetzte sie in ziemliche Wut, als sie den Tod eines Neugeborenen dank eines Gutachtens zu einer Art Versehen schrumpfen ließ. Auffällig hier: Ein teurer Hamburger Anwalt hatte sich für die Mutter eingesetzt, die das Kind dem Verein Sternipark zur Adoption versprochen hatte.
  • Ein Sexualmörder musste fast drei Jahre in Freiheit belassen werden, weil ihr Institut eine DNA-Analyse nicht hinbekam. Am Ende platzte dem Gericht der Kragen (was in Thüringen viel zu selten geschieht) und beauftragte ein anderes Institut. Der Täter wurde mit den Resultaten konfrontiert und gestand.

Die Fehlleistungen des Jenaer Instituts mögen sich unterhaltsam lesen – aber ein Witz sind sie nicht. Tatsächlich haben sie Menschen immenses Leid zugefügt. Und sie offenbaren eine fast unerträgliche Kälte der amtlichen Körperschaften. Kritische Fragen werden nicht beantwortet, Fehler vertuscht, die Fehlbesetzung wichtiger Positionen nicht korrigiert, Opfer nicht entschädigt.

5 Kommentare
  1. fatalist sagte:

    Siegfried Mundlos liess nach der Freigabe der Leiche seines Sohnes am 18.11.2011 in Berlin eine Obduktion ausführen. Das sagte er im Prozess. Interessierte aber Niemanden. Das BKA hatte von Pistolenschuss gesprochen, Der Berliner Obduzent fand aber heraus: “Grosskaliber”. Danach kam es zur erneuten Beschlagnahme beider Leichen und der Nachobduktion am 28.11.2011 in Jena.

    Prof. Mundlos zwang das BKA zur Manipulation der Gerichtsakten.
    Daher sind die Obduktionsprotokolle geheim: Weil zuerst “Tod durch Pistolenschuss” im Observations-Protokoll stand.

    Erst nachdem Prof. Mundlos seinen Sohn zu einem Berliner Gerichtsmediziner brachte und dort “grosskalibrige Waffe” festgestellt wurde, musste das BKA auf “Pumpgun Winchester” umschwenken, und packte “dummerweise” eine Hülse zuviel in die Asservate des Wohnmobils.

    Und hatte -logo- keine Fingerabdrücke auf der Pumpgun. Und keine Schmauchspuren bei Mundlos und Böhnhardt.

    Alle Quellen und Links hier:
    http://www.politikforen.net/showthread.php?117674-quot-D%C3%B6nermorde-quot-NAZI-Hysterie-und-der-Verfassungsschutz&p=6794520&viewfull=1#post6794520

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  2. von Wörden sagte:

    Ich zweifle harsch an der Richtigkeit dieser Aussagen, sei es vom “Focus” oder von dieser Seite. In §89 StPO ist der Umfang der Leichenschau bundeseinheitlich geregelt. Es werden Kopf-, Brust- und Bauchhöhle geöffnet und die darin enthaltenen Organe untersucht und gewogen. Dass man auch “die Rückseiten” öffnet, gehöt nicht zum Standard einer Obduktion. Frau Prof. Malls Institut in Jena verfügt über einen Röntgenapparat. Vor nahezu jeder Sektion wird der eingelieferte Leichnam geröngt. Dabei können physikalisch keine Projektile übersehen werden. Darüber hinaus – sollte eine radiologische Diagnostik ausbleiben – geben sämtliche Organe bei der Obduktion Hinweise auf Projektile, z.B. bei Durchdringung des Thorax durch ein Projektil, wo man bei der Begutachtung des Pulmo einen beidseitigen Pneumothorax nachweisen wird. Spezifisch gibt es für jedes Organ solche Befunde.
    Frau Prof. Mall hat in diesem Falle keinerlei medizinische Fehlarbeit geleistet, sondern vielmehr durch den außergewöhnlichen Schritt dazu beigetragen, dass keine Ermittlungsansätze außeracht gelassen werden.

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