Die schwedischen Behörden ermitteln offenbar wieder gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange (39). „Der schwedische Chef-Ermittler startet das Vergewaltigungs-Ermittlungsverfahren gegen den Wikileaks-Gründer neu“, meldet Wikileaks über seinen Twitter-Kanal. Die Staatsanwaltschaft hatte am 21. August schon einmal ein Ermittlungsverfahren aufgenommen, aber noch am selben Tag wieder eingestellt. Inzwischen sind allerdings mehr Details über den Vorwurf und die Aussagen der beiden Frauen bekannt.

Eine der beiden organisierte vor zwei Wochen für die schwedischen Sozialdemokraten eine Veranstaltung, bei der Assange als Redner auftrat. Die junge Frau, nach einem Bericht der Sunday-Mail in den Zwanzigern, soll Assange als Unterkunft ihre Wohnung angeboten haben. Sie selbst plante einen Besuch bei ihrer Familie außerhalb Stockholms und wollte zur Konferenz ursprünglich nicht zurück sein. Sie kehrte dann aber einen Tag früher zurück als erwartet. Laut Polizei besprachen die beiden, ob es OK sei, das Schlafzimmer miteinander zu teilen. Anschließend gingen sie gemeinsam essen. Nach der Rückkehr in die Wohnung hatten sie Sex. Allerdings gab es dabei ein Problem: Das Kondom platzte. Die Frau habe Assange unterstellt, er habe das absichtlich verursacht. Er bestritt und beteuerte, es sei ein Unfall gewesen.

Am folgenden Tag fand die geplante Veranstaltung statt. Assange sprach dort etwa 90 Minuten über sein Wikileaks-Projekt. Dort fand sich die zweite Frau ein, die sich später über den Aktivisten beklagen sollte. Sie sagte aus, sie habe Assange in einem Fernsehinterview über die Afghanistan-Dokumente gesehen und sei von ihm fasziniert gewesen. Vom Typ soll sie der ersten Frau ähneln, etwas jünger, ebenfalls blond. Per E-Mail meldete sie sich bei den Organisatoren und bot sich als freiwillige Organisationshelferin an. Sie wurde dann auch tatsächlich engagiert. Zu einem Pressetermin erschien sie in einem auffallenden neon-pinkfarbenen Kaschmir-Pullover. Im Auftrag der Veranstalter musste sie ein Computerkabel für Assange besorgen. Nach der Konferenz wartete sie vor dem Gebäude. Ein Mitarbeiter erkannte sie wieder und lud sie zum gemeinsamen Essen mit der ganzen Gruppe ein.

Assange und die zweite Frau saßen im Restaurant nebeneinander und flirteten offensichtlich. Gäste, die mit am Tisch saßen, berichteten, er habe sie gefüttert. Anschließend fuhren sie mit der Bahn zum Naturhistorischen Museum. Sie bezahlte seine Fahrkarte, weil er kein Geld bei sich hatte. Dort widmete er sich einem öffentlichen Computer mit Netzanschluss und verschickte mehrere Twitter-Nachrichten. Die beiden besuchten dann eine Filmvorführung, wo sie, so soll die Frau es der Polizei berichtet haben, heftig knutschten und noch einiges mehr. Anschließend spazierten sie durch einen Park. Assange habe ihr eröffnet, er sei für den Abend zu einer Party eingeladen und müsse dringend etwas schlafen. Die beiden ließen sich auf einer Wiese nieder, und er soll sogleich eingenickt sein. 20 Minuten später weckte sie ihn, er verabschiedete sich. Die Party, zu der er ging, wurde von der ersten Frau veranstaltet, bei der er die Nacht verbracht hatte.

Zwei Tage später telefonierte er wieder mit der zweiten Frau. Die beiden waren sich einig, dass sie sich treffen wollten. Sie soll ein Hotel vorgeschlagen haben, er meinte dagegen, er würde gern ihre Wohnung sehen. Mit der Bahn fuhren sie dann gemeinsam zu ihr, wobei sie wieder das Ticket für ihn bezahlte. Er habe ihr gesagt, er wolle seine Kreditkarte nicht benutzen, aus Furcht, jemand könne so seinen Standort herausfinden und sich an seine Fersen heften. Unterwegs muss die Stimmung zwischen den beiden abgekühlt sein. Er habe die Fahrt über seinen Laptop aufgeklappt und im Netz Artikel über sich gelesen. Trotzdem fuhren sie weiter, offenbar verbrachte er die Nacht bei ihr. Die Mail zitiert einen Insider mit der Aussage, die Frau hätte auf der Benutzung eines Kondoms bestanden, er aber habe sich am nächsten Morgen nicht daran gehalten. Darauf gründe der Vorwurf der Vergewaltigung. Die beiden sollen trotzdem noch gemeinsam gefrühstückt haben, und bei der Verabschiedung habe die Frau ihn gefragt, ob er sich wieder bei ihr melde. Er habe das bejaht. Sie habe aber dann nichts mehr von ihm gehört.

Dann freilich rief die zweite Frau bei der ersten Frau an, die sie bei der Konferenz mit Assange schon getroffen hatte. Bei diesem Telefonat stellten sie fest, dass beide praktisch gleichzeitig Affären mit dem Wikileaks-Gründer hatten. Vor allem die zweite Frau soll sich vor Schwangerschaft oder HIV-Infektion gefürchtet haben. Gemeinsam gingen sie dann zur Polizei und erzählten ihre Geschichte.

Assange und der Wikileaks-Sprecher mit dem Pseudonym Daniel Schmitt hatten den ersten Ermittlungs-Anlauf der schwedischen Justiz als Schmierenkomödie bezeichnet, die inszeniert worden sei, um ihn bloßzustellen. Sie seien vor schmutzigen Aktionen etwa des Pentagon gewarnt worden, und das hier sei die erste davon.

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