Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar ist offenbar der einzige, der in der Google-Streetview-Debatte noch bei Verstand ist. Er sehe keine großen Probleme und werde sein Haus nicht wegpixeln lassen, erklärte er mehrfach. Auch Innenminister Thomas de Maizière ist auf die Bremse getreten. Aber das Geschrei der restlichen politischen Klasse von links bis rechts ist aberwitzig – und erscheint angesichts staatlicher Konkurrenzangebote in einem zusätzlich düsteren Licht. Denn Vater Staat bietet das, was Google mit Streetview ins Netz bringen will, schon seit Jahren an. Nur weit höher aufgelöst, aus der Luft fotografiert, mit Blick auf die scheinbar abgeschiedene Terrasse oder den nach hinten gelegenen Balkon. Und, anders als Google Streetview, nur gegen Cash.

Wer sich für Nachbars Grundstück interessiert (oder das eines Einbruchsopfers?) wird beispielsweise hier fündig, im einem der vielen Geodaten-Shops, in diesem Fall einem, der mit Berlin und Brandenburg arbeitet. Andere Bundesländer haben ähnliche Angebote. Wer den Shop erkunden will, muss erstmal ein längeres Formular ausfüllen und neben seinem Namen auch Adresse, Telefonnummer und Geburtstag preisgeben. Beim Geburtstag ist hübsch das richtige Format einzuhalten, für mich, als Januar-geborenem, mit einer führenden Null vor der Monats-Eins. Das sollte Google mal wagen. Dafür gibt’s per E-Mail einen Gutschein-Code im Wert von 4,50 Euro. Für ein einzelnes “Luftbild, Farbe” reicht das nicht ganz. Das kostet 5,95 Euro. Außerdem wird im “Einzelabrufverfahren” bei digitalen Karten und Berichten pro Bestellvorgang eine “zusätzliche Bearbeitungsgebühr von 4,50 Euro (incl. Mehrwertsteuer) erhoben”. Bei anderen Anbietern gibt es auch “Schrägluftbilder” oder extrem hochaufgelöste Fotos im Maßstab 1:3000. Auch Stadtverwaltungen und andere Körperschaften bieten solche Bilder an. Auftraggeber für die Foto-Flüge sind die Vermessungsämter der Bundesländer. In Schleswig-Holstein etwa wird alle 12 Monate etwa ein Fünftel der Landesfläche erfasst. Behörden haben die Luftbilder sogar schon genutzt, um Bauherren zu packen, die nicht so spurten, wie die Bauämter das gern hätten.

Vielleicht hat Google einfach nur einen taktischen Fehler gemacht. Und hätte statt Autos Flugzeuge einsetzen sollen.

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