Die Todesfall Rudolf F. wird zur Justizaffäre. Wie ich heute aus Polizeikreisen erfahren habe, hat die Behördenleitung im Sommer 2008 das Büro der ermittelnden Staatsanwältin Marion Raithel durchsucht. Frau Raithel befand sich zu dieser Zeit in Urlaub. Diese Durchsuchung verlief höchst ungewöhnlich. Nach meinen Informationen soll die Chefin der Behörde, Oberstaatsanwältin Bettina Keil, gemeinsam mit der dafür extra aus Jena angereisten Rechtsmedizin-Chefin, Gita Mall, das Büro inspiziert haben. Die beiden fanden eine handschriftliche Notiz, auf der Frau Raithel eine brisante Information notiert hatte.

Sie lautet, Frau Mall habe Röntgenbilder verschwinden lassen, die von dem noch lebenden Rudolf F. bei der Einlieferung in die Meininger Klinik angefertigt wurden. Frau Mall hatte in den letzten Wochen immer wieder behauptet, der Kehlkopf F.s sei bei seiner Einlieferung schon gebrochen gewesen. Frau Mall hatte mir gesagt, das habe ihr ein Radiologe so bestätigt. Die Hamburger Pathologen Guido Sauter und Jozef Zustin hatten das nach einer feingeweblichen Untersuchung dagegen ausgeschlossen. Der Kehlkopf brach nach ihrer Expertise unmittelbar vor dem Tod. Die Röntgenbilder sind nach Aussagen aller Beteiligten tatsächlich verschwunden.

Aus den Polizeikreisen ist außerdem zu hören, die ermittelnden Kripo-Beamten und Staatsanwältin Raithel seien massiv unter Druck gesetzt worden, um den Fall ohne Resultat zu den Akten zu legen.

Die Meininger Staatsanwaltschaft war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Pressestelle hob das Telefon nicht ab, eine E-Mail-Anfrage ist bisher unbeantwortet.

Außerdem habe ich heute erfahren, dass die Staatsanwaltschaft den zweiten Obduzenten, der die Leiche F.s untersuchte, nach wie vor nicht befragt hat. Es handelt sich um Uwe Anschütz, der bis heute im Jenaer Institut arbeitet, nach Aussage von Mitarbeitern aber wegen Meinungsverschiedenheiten mit seiner Chefin zur Leichenschau nach Schmalkalden „strafversetzt“ worden sei.

Neuerlich zu Wort gemeldet hat sich der andere der beiden Obduzenten, Carsten Hädrich. Hädrich schrieb mir in einer E-Mail, er sei „doch etwas verwundert“ darüber, dass die Staatsanwaltschaft kein Ermittlungsverfahren in Gang setze, um den Tod des Rudolf F. aufzuklären. Man hätte ein schriftliches „Gegengutachten“ etwa von Prof. Volkmar Schneider in Berlin einholen oder „einen unabhängigen Obergutachter mit einer Bewertung der gegensätzlichen Standpunkte beauftragen sollen“. Hädrich war von der Staatsanwaltschaft jetzt zwar gehört worden, die Behörde maß seiner Bewertung aber keine Relevanz zu.

2 Kommentare
  1. Andreas Wendt sagte:

    Ich verfolge diesen Fall hier schon einige Zeit, vielen Dank für die Veröffentlichung. Wäre er nicht so absurd tragisch, könnte man sich fast spannend unterhalten.
    Ich denke es sollte nunmehr über eine Strafanzeige wegen Strafvereitelung im Amt nachgedacht werden; die diesbezüglichen Ermittlungen müssten meines Wissens nach von einer anderen Staatsanwaltschaft geführt werden; womöglich der einzige verbleibende Weg Objektivität in diesen Sachverhalt zu bekommen.
    Keep up the good work!

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