Ausriss aus der Amnesty-Homepage

Amnesty International hat sich in den Fall der beiden in Teheran einsitzenden deutschen Journalisten eingeschaltet – wenngleich sehr zurückhaltend. Immerhin werden jetzt einige Details bekannt. Die beiden – unterwegs für die BamS – haben im Büro des Rechtsanwalts Javid Houtan Kiyan den Sohn der zum Tode durch Steinigen verurteilten Sakineh Ashtiani interviewt. Während des Gesprächs traten Sicherheitskräfte hinzu und nahmen alle vier fest – die beiden Kollegen, Anwalt Javid Houtan Kiyan und den Ashtianis Sohn Sajjad Qaderazadeh.

Amnesty fordert auf seiner Webseite dazu auf, Briefe, E-Mails oder Faxe an die iranische Führung oder den iranischen Botschafter in Berlin zu senden und sich für Ashtiani, ihren Sohn und den Anwalt einzusetzen und hat konkrete Forderungen für solche Schreiben vorgeschlagen.

Die beiden Journalisten bleiben nach außen bisher namenlos. Ihr Fall wurde bisher nur sehr zurückhaltend bekanntgegeben. Amnesty weiß immerhin zu berichten, dass sie jetzt Kontakt zu konsularischen Vertretern haben. Offenbar hat das Auswärtige Amt den Verlag gebeten, den Fall nicht an die große Glocke zu hängen, wozu auch gehört, die Namen der Reporter nicht zu nennen.

Ob stille Diplomatie die beste Methode ist, die beiden möglichst bald freizubekommen, können Außenstehende derzeit nicht beurteilen. Solange alle Beteiligten der Linie des Auswärtigen Amtes folgen, bedeutet das allerdings auch, dass die Diplomaten die Verantwortung für das Schicksal der Kollegen übernehmen. Man kann nur hoffen, dass sie das Richtige tun (und ihnen Glück und Geschick wünschen). Klar ist allerdings, dass die beiden Reporter keineswegs für eine Straftat hinter Gittern sitzen, sondern weil sie Mut bewiesen haben. Wer der Meinung ist, nach den Gesetzen des Iran sei es eben verboten, ohne Genehmigung Interviews zu führen, sollte seine persönlichen Wertmaßstäbe überdenken. Sich ohne Not den Gesetzen einer Diktatur zu unterwerfen, bedeutet, sich zum Komplizen derer zu machen, die für ihre Macht buchstäblich über Leichen gehen. Wie sehr den beiden Kollegen das Attribut mutig zukommt, wird auch deutlich, wenn man bedenkt, wie Politik und Medien sonst Mut oder Zivilcourage definieren.

Der Fall Ashtiani hat zuletzt Anfang der Woche für neue Berichte gesorgt. Offenbar wurde die Steinigung, die für letzten Montag angesetzt war, ausgesetzt. Stattdessen sollte sie am Mittwoch erhängt werden. Ob sie noch lebt, ist ungewiss. Der Mittwoch verging ohne neue Nachricht.

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