Tick! Ein vernehmbares, lautes Tick. Da ist wohl wieder mal ein Steinkrümel gegen die Frontscheibe geflogen. Zu sehen ist erstmal nichts, aber am nächsten Morgen. Da ragt auf der Beifahrerseite ein deutlicher Riss vom unteren Scheibenrand ein paar Zentimeter schräg nach links oben. Ich rufe noch aus dem Auto meine Versicherung an und frage, ob ich gegen Glasschäden versichert bin. Ja, antwortet die Bearbeiterin, versichert mit Werkstattzwang. Das heißt: Die Versicherung darf sich aussuchen, welche Werkstatt sie für die Reparatur bezahlen will. Das sei in diesem Fall Carglass. Also rufe ich die Servicenummer von Carglass an. Sofort ist eine freundliche Mitarbeiterin am Apparat, fragt, in welcher Stadt ich die Scheibe auswechseln lassen will, findet im Computer eine Filiale, in der das passende Modell vorrätig ist und trägt gleich den Termin ein: morgen um 10 Uhr. Toll, denke ich. Sollte ausnahmsweise mal alles so klappen, wie man sich das erhofft? Natürlich nicht!

Der Carglass-Mann am nächsten Morgen ist schon bestens vorbereitet und der Riss in der Scheibe ordentlich gewachsen. Der Mann zieht einen Auftragszettel hervor, auf dem jede Position säuberlich aufgelistet ist. Ich sehe das Blatt nur quer über den Schreibtisch und kann nicht alles entziffern, aber die Scheibe selbst ist da mit 278 Euro aufgelistet, dann finden sich diverse weitere Einträge, und unterm Strich stehen stolze 634 Euro Endpreis. „Ich würde dann von Ihnen 500 Euro Selbstbeteiligung bekommen“, sagt er mir. Selbstbeteiligung? Muss ich übersehen haben, als ich den Versicherungsvertrag abgeschlossen habe. Ärgerlich. Mir fällt ein, dass Carglass als ziemlich teure Werkstattfirma gilt, frage mich, ob ich anderswo nicht eine neue Scheibe für weniger als 500 Euro bekomme, storniere den Auftrag und fahre meiner Wege.

Am nächsten Tag, der Riss durchzieht inzwischen die halbe Scheibe, telefoniere ich verschiedene Autoglaswerkstätten in und um München ab. Ich finde keine einzige, die mehr als 400 Euro haben will. Wenn ich dazusage, dass Carglass 634 Euro verlangt, höre ich Lachen aus dem Hörer. Den Auftrag bekommt eine Werkstatt, die 350 Euro will. Dafür bekomme ich eine neue Originalscheibe für den Golf VI, grünes Wärmeschutzglas, mit Einbau fix und fertig. Für gut die Hälfte des Carglass-Preises.

Ich rechne kurz nach: Gehe ich zur Versicherung und lasse den Schaden regulieren, dann zahle ich 500 Euro. Lasse ich die Versicherung außen vor, dann kostet dieselbe Reparatur 350 Euro. Ich spare also 150 Euro, und die Versicherung sollte mir ein Dankschreiben schicken, weil auch sie 134 Euro spart. Und warum bezahle ich eigentlich für eine Teilkaskoversicherung, deren Hilfe mich teurer kommt als der Verzicht darauf?

Ich rufe also wieder die Servicenummer der Versicherung an und schildere meine Rechnung. Die Mitarbeiterin klingt nicht besonders erfreut und wiederholt drei Mal, wie gut und zuverlässig Carglass sei. Man habe dort beste Erfahrungen gemacht. Sie seien qualitativ sehr gut bei Carglass. Die Dame klingt, als werde sie dafür bezahlt, Carglass zu loben.

Jetzt wüsste ich gern, ob vielleicht tatsächlich ein Geschäft dahinter steckt. Hat meine Versicherung vielleicht gute Gründe dafür, mir Carglass so nachdrücklich zu empfehlen? Ein Glasschaden scheint ja eine profitable Sache zu sein, wie die krasse Preisspanne zwischen Carglass und anderen Werkstätten zeigt.

Geht es vielleicht darum, Teilkasko-Kunden über die Selbstbeteiligung zu schröpfen? Und wenn Vollkasko-Kunden ohne Selbstbeteiligung eine neue Scheibe brauchen – berechnet Carglass den Versicherungen dann vielleicht ganz andere Preise? Falls nicht, merkt die Versicherung nicht, dass sie anderswo weniger zahlen müsste? Ist ihr das viellicht egal, weil sie sich das Geld eh von ihren Versicherten zurückholt? Oder verdient da gar jemand mit?

Fragen über Fragen. Die hat meine Versicherung gerade als E-Mail von mir bekommen. Und falls jemand Insider-Wissen hat über die Vereinbarungen zwischen Versicherungen und Werkstätten, insbesondere Carglass – immer her damit, gern auch diskret. Fortsetzung folgt.

1 Antwort
  1. tim sagte:

    Carglas hat einen fixpreis mit verschiedenen Versicherungen vereinbart. Steinschlagreparatur oder neuverglasung , es gibt fix 180€ soweit ich das weiss( Mitarbeiter Informationen!!!) Rest kassieren die vom Kunden und das ist deren obulos.

    Antworten

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