Die Idee ist einfach, die Umsetzung  noch nicht. Man nehme Wasser, mische ein Zauberpulver dazu, lasse die Sonne draufscheinen und, tataa, steigt oben Wasserstoff auf. Den fülle man in Tanks und verwende ihn wie Benzin, Heizlöl oder Kohle. An exakt dieser Idee arbeitet das Team des Berliner Chemieprofessors Reinhard Schomäcker. Im Labor funktioniert sie schon.

Ob sie je in großem Maßstab gebaut werden kann, ist eine Frage der Investitionen. „Jede Entwicklungsstufe kostet etwa das Zehnfache der vorherigen Entwicklungsstufe“, sagt Schomäcker. Konkret: Wenn die Grundlagenforscher ein Funktionsprinzip entdeckt haben, dann kostet es zehn Mal mehr als die Grundlagenforschung, um daraus eine großtechnische Anlage zu entwickeln. Genau das ist Schomäckers Job. Die Grundlagen der Wasserstoff-Energiewirtschaft sind längst gelegt. Was fehlt, ist der Stoff in ausreichender Menge, ist die Infrastruktur mit Wasserstoff-Tankstellen an jeder Ecke.

Eine Xenon-Lampe (1) scheint auf das Fenster des Wasserstoff-Reaktors (2), der mit Wasser und einem pulverigen Katalysator aus Kohlenstoff-Nitrit gefüllt wird. Im Innern spalten sich die Wassermoleküle in ihre Bestandteile auf. Der entstehende Wasserstoff wird in den Gas-Behälter (3) geleitet, der Sauerstoff chemisch gebunden

 

„Was im Labor funktioniert, funktioniert noch lange nicht industriell“, sagt Schomäcker. Immerhin wagt er eine Prognose, wann es soweit sein kann: „In fünf, zehn oder 15 Jahren, je nachdem, wie viel Geld in die Entwicklung fließt“.

Die Zeit bis dahin kann sich etwa die Autoindustrie mit stillem Warten vertreiben, denn die hat ihre Hausaufgaben längst gemacht. Wasserstoff-Antriebe für Autos sind bei allen großen Herstellern in Deutschland oder Japan praktisch serienreif. Wasserstoff kommt in den Tank, befeuert eine Brennstoffzelle, die Strom produziert, der wiederum einen Elektromotor antreibt. Anders als Akku-Autos fahren Brennstoffzellenautos mit einer Tankfüllung Hunderte Kilometer und sind damit bei Leistung und Reichweite mit Benzinautos vergleichbar. Nur Wasserstofftankstellen fehlen noch.

Wasserstoff-Reaktoren der Art, wie Schomäcker sie entwickelt, hätten diverse Vorteile. Man kann sie in Haushalts- oder Industriegröße konzipieren. Die Produktion des Energieträgers wäre direkt an die Energiequelle gekoppelt, anders als bei den Techniken, die die Politik mit Milliarden subventioniert. Solarzellen oder Windräder allein nutzen wenig, wenn die Energie, die sie produzieren, nicht dahin kommt, wo sie gebraucht wird. Wenn es um Energiespeicher geht, wird beispielsweise über Talsperren geredet, gegen die sich allerdings überall dort, wo sie gebaut werden könnten, der übliche Widerstand regt, übrigens stets unter reger Beteiligung der Grünen.

Freilich sind gerade der Sonnenenergie – und der Wasserstoffreaktor ist eine Form davon – in Deutschland Grenzen gesetzt. Schomäcker rechnet so: Das, was die Sonne über unserem Land an Energie heranstrahlt, übersteigt den Energiebedarf um das 300-fache. Dieser Wert ist pure Theorie, denn würde die komplette Fläche Deutschlands solarisiert, könnte kein Grashalm mehr gedeihen. In Fachkreisen, sagt Schomäcker, gelten fünf Prozent der Landesfläche als nutzbar. Angesichts von Wirkungsgraden von zehn Prozent reichen die aber nur für einen Anteil von 1,5 Prozent des heutigen Energiebedarfs.

Nicht viel besser sieht es mit der Ausbeute anderer sogenannter regenerativer Energiequellen aus. Produktion und Montage von Windrädern etwa sind extrem aufwändig. Die erste Generation dieser Geräte hat mehr Energie verschlungen als erbracht. Auch hier gilt: Verbesserungen sind möglich, aber sehr teuer.

Schomäcker gehört zu denen, die die Energiezukunft nicht besonders zuversichtlich sehen. „Energie wird deutlich teurer werden“, sagt er. „Wir haben mit den fossilen Energien schlagartig das verbrannt, was in tausenden Jahren entstanden ist“. Diese Party sei jetzt vorbei. Alternativen werde es in gleicher Menge vorläufig nicht mehr geben. Die Folge sei evident: Die Menschen müssten massiv Energie einsparen. Das, was zur Isolierung von Gebäuden getan werde, sei erst der Anfang. Daran werde auch die Industriereife seines Wasserstoffreaktors nichts ändern.

4 Kommentare
  1. Socke sagte:

    Egal, wie oft ich es durchrechne, wenn die Sonne wirklich 300 mal so viel Energie auf uns herabstrahlt, und wir 5% der Landfläche bei einem Wirkungsgrad von 10% „solarisieren“, dann kommt bei mir als Ergebnis 1,5 mal der Gesamtstrombedarf Deutschlands heraus, nicht 1,5% davon. Welche Zahl ist denn jetzt falsch in der Rechnung?

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  2. Lothar Preiksch sagte:

    1)Wie ist der Verbrauch mit dem Wasserstoff zu verstehen. Kann man es mit Treibstoffen von Benzinmotore, Diesel, Erdgas usw. vergleichen.
    2)Kann man Wasserstoff tanken genau so wie Benzin.
    3)Käme Wasserstoff billiger für den Verbraucher als Alle andere Treibstoffe.
    4)Was wird an Treibstoff günstiger für die Zukunft der Automobile uns bringen. Was ist effizienter, Wasserstoff oder Batteriebetriebene Automobile
    freue mich auf Ihre Nachricht. Herzlichen Dank im Voraus

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    • bitterlemmer sagte:

      Hi, mit journalistischem Halbwissen antworte ich so:

      1. Kann man. Es ist ein Treibstoff, den man tanken und unterwegs in einem Motor verbrauchen kann.

      2. Fast. Die Anlage muss geschlossen sein, d.h., statt eines Zapfrüssels flanscht man einen dichten Anschluss an den Tankstutzen. Sonst ist das vom Prinzip dasselbe.

      3. Noch nicht. Irgendwann später vielleicht. Eine Frage der Technik, der Primärenergie (Sonne, Wind, etc.), der Wirkungsgrade, etc.

      4. Schwer zu beantworten. Bei Batteriestrom käme es darauf an, wie hoch die Kapazität ist, wie teuer und wie schwer sie ist. Vielversprechender scheint die Brennstoffzelle zu sein. Wasserstoff wird in Strom umgewandelt, der Strom treibt einen Elektromotor an, der das Auto fahren lässt. Diese Technik ist am weitesten, die Reichweite ist genauso groß wie bei Benzinautos, fast jeder Autohersteller kann sie ziemlich kurzfristig serienreif machen. Das Problem ist das fehlende Wasserstoff-Tankstellennetz. Und da wären wir wieder bei den Fragen 1, 2 und 3…

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